Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Gewerkschaft Kurzarbeit bei MTU, Hochbetrieb bei DHL: DGB-Chef auf Sommertour in Coronazeiten

Auf seiner Sommertour würdigt DGB-Chef Reiner Hoffmann die „Helden der Arbeit“. Doch ein Thema ist immer dabei: die Coronakrise und ihre Folgen.
15.08.2020 - 14:10 Uhr Kommentieren
Lob für die „Helden der Arbeit“. Quelle:  DPDHL/Christian Kielmann
DGB-Chef Hoffmann (r.), Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke

Lob für die „Helden der Arbeit“.

(Foto:  DPDHL/Christian Kielmann)

Berlin Reiner Hoffmann hat eine Runde in einem autonom fahrenden VW Golf hinter sich und einen Teststand besichtigt, auf dem sich 5000 Meter Höhe und eisige Temperaturen simulieren lassen – Hochtechnologie vom Autozulieferer IAV. Doch am Ende der Besichtigung im Entwicklungszentrum in Berlin-Charlottenburg hat der Betriebsrat dann doch noch eine Bitte an den Chef des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB): Ob er sich denn bei der Politik dafür einsetzen könne, dass die Kurzarbeitsregelung verlängert werde.

Die traditionelle Sommertour von Deutschlands oberstem Gewerkschafter fällt mitten in die schlimmste Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit. Es geht um Mitbestimmung, um Digitalisierung, um gute Arbeit – und doch ist die Pandemie immer dabei.

Bei Siemens in Berlin verfolgt sie einen fast auf Schritt und Tritt. Überall Schilder, die für die „Zero Harm Culture“ werben: „1,5 Meter Abstand – Schützen Sie sich und andere.“ Hier in der Siemensstadt steht die Wiege des Weltkonzerns, im denkmalgeschützten Schaltwerk von 1916 fertigen 400 Mitarbeiter Mittelspannungsschalter, die unter anderem in der Magnetschwebebahn in Schanghai zum Einsatz gekommen sind.

Im Augenblick reicht die Arbeit aber nur von montags bis donnerstags, am Freitag ist die Riesenhalle gespenstisch leer. Die Beschäftigten bauen dann ihre Arbeitszeitkonten ab, so konnte Kurzarbeit bisher vermieden werden. „Wir hoffen, dass bald wieder mehr Aufträge reinschneien, aber wir haben keine Glaskugel“, sagt Betriebsrat Metin Bukan.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Er ist seit 37 Jahren dabei und hat einiges erlebt, den Einzug von Schweißrobotern, ohne die man mit den Niedriglohnländern nicht mehr mithalten kann, jetzt die Abspaltung der Energiesparte. Da wird man auch die Pandemie überstehen.

    Der Strukturwandel geht weiter

    Gravierender aus Gewerkschaftssicht ist ohnehin das, was der DGB-Chef sich vom Dach des 60-Meter-Hochhaus des Schaltwerks zeigen lässt: Auf der einen Seite das historische Dynamowerk, das die Firmenleitung komplett dichtmachen wollte – was die IG Metall mit massiven Protesten verhinderte.

    Auf der anderen Seite das Gelände, auf dem die Siemensstadt 2.0 entsteht. Auf 700.000 Quadratmetern soll hier künftig gearbeitet, gewohnt und geforscht werden; Mobilität von morgen, dezentrale Energieversorgung und Digitalisierung heißen die Zukunftsfelder. Die Gewerkschaften werden auch daran gemessen werden, inwieweit es gelingt, Arbeitsplätze aus der alten in die neue Siemens-Welt hinüberzuretten.

    Den Blick nach vorne richtet man auch bei der MTU Maintenance Berlin-Brandenburg GmbH in Ludwigsfelde, 30 Kilometer südwestlich von Berlin. Der Dax-Konzern MTU Aero Engines ist der führende deutsche Triebwerkshersteller und forscht an klimafreundlichen Antrieben. Doch das Wartungsgeschäft in Brandenburg ist eingebrochen, seit Airlines wegen Corona ihre Flotten stillgelegt haben.

    Obwohl der Flugverkehr langsam wieder anzieht, rechnet Standortchef André Sinanian für dieses Jahr mit einer Auslastung von 40 Prozent unter Vorkrisenniveau, im kommenden Jahr sollen es noch 25 Prozent sein.

    Für die 860 Mitarbeiter ist längst Kurzarbeit angesagt, doch Personalabbau wird sich nicht vermeiden lassen. „Und man kann nicht mal auf die Manager schimpfen“, sagt Betriebsratschef Michael Winkelmann. Auch er hat allerdings schon andere Krisen erlebt. Nach dem Zusammenbruch der DDR-Luftfahrtindustrie arbeiteten in Ludwigsfelde 1993 nur noch 230 Beschäftigte, heute sind es 860.

    Rund zehn Kilometer weiter nordöstlich, in Großbeeren, ist von Corona-Blues nicht viel zu spüren – im Gegenteil. In der DHL-Zustellbasis ist seit Wochen gefühlt schon Weihnachten. Statt wie üblich 10.000 Pakete täglich wurden in der Corona-Hochphase jeden Tag 12.500 und mehr umgeschlagen, weil sich die Menschen das Einkaufen sparten und vieles nach Hause liefern ließen.

    Werben für längere Kurzarbeit

    Eine Werkssirene ertönt, die Zusteller versammeln sich vor der Halle. Der DGB-Chef, der hier von Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) begleitet wird, hält eine kurze Ansprache. Sie seien die „Helden der Arbeit“, ruft er den Beschäftigten zu, die Coronakrise habe gezeigt, dass ihr Job systemrelevant sei, Wertschätzung und eine gute Bezahlung verdiene.

    Das hatte die Deutsche Post vor fünf Jahren noch anders gesehen, als sie 13.000 Zusteller in neue Delivery-Tochtergesellschaften ausgliederte – zu schlechteren Konditionen. Erst vor gut einem Jahr wurde der Schritt rückgängig gemacht. Seither gilt der Haustarifvertrag wieder für alle, wofür es ausdrückliches Lob vom DGB-Chef gibt. DHL betreibe Wettbewerb nicht „über Dumpingstrategien“.

    Wie viel der Post die „Helden der Arbeit“ wirklich wert sind, wird sich aber auch in den Tarifverhandlungen zeigen, die Ende August beginnen. Verdi geht mit der üppigen Forderung von 5,5 Prozent mehr Geld in die Gespräche.

    Hoffmann selbst kann in der Coronakrise wenig für die Beschäftigten tun. Er ist zwar Deutschlands oberster Gewerkschafter, aber auch ein König ohne Land. Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung oder zur Aufstockung des Kurzarbeitergelds sind Sache der Mitgliedsgewerkschaften, Betriebsvereinbarungen etwa zum Gesundheitsschutz oder zum Homeoffice Sache der Betriebsräte.

    Was Hoffmann tun kann, ist bei der Politik in Berlin für die Anliegen der Arbeitnehmer zu werben. Das werde er schon bald wieder bei einem Treffen im Arbeitsministerium tun, verspricht der DGB-Chef dem Betriebsrat beim Besuch im IAV-Entwicklungszentrum. Er gehe davon aus, dass es eine Verlängerung der Kurzarbeit auf 24 Monate geben wird. Denn: „Jeder Kurzarbeiter ist ein Arbeitsloser weniger.“

    Mehr: SPD- und DGB-Chef Im Interview – „Da hab ich ihm gesagt: Das war nicht in Ordnung, Reiner“

    Startseite
    Mehr zu: Gewerkschaft - Kurzarbeit bei MTU, Hochbetrieb bei DHL: DGB-Chef auf Sommertour in Coronazeiten
    0 Kommentare zu "Gewerkschaft: Kurzarbeit bei MTU, Hochbetrieb bei DHL: DGB-Chef auf Sommertour in Coronazeiten"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%