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Gewerkschafter im Interview NGG-Vize Freddy Adjan protestiert: „Davon kann niemand leben“

Der Gewerkschafter fordert bei McDonald’s und Co. eine Lohnuntergrenze von zwölf Euro. Der aktuelle Mindestlohn würde nicht überall zum Leben reichen.
16.01.2020 - 04:11 Uhr Kommentieren
Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine höhere Lohnuntergrenze. Quelle: Simone Neumann
Freddy Adjan

Der Vizevorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) fordert eine höhere Lohnuntergrenze.

(Foto: Simone Neumann)

Berlin An diesem Donnerstag gehen die Tarifverhandlungen in der Systemgastronomie in die zweite Runde. Zwölf Euro sind das Mindeste, sagt der Vizevorsitzende der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), Freddy Adjan im Interview.

Herr Adjan, eine Erhöhung auf zwölf Euro entspräche in den unteren Lohngruppen einem Plus von fast 30 Prozent. Ist das nicht ein bisschen viel?
Ein Beschäftigter in der zweitniedrigsten Lohngruppe kommt bei 39 Wochenstunden derzeit auf 1589 Euro im Monat. Davon kann in München, wo ich herkomme, niemand leben. Das sind Löhne, bei denen die Menschen arm sind, arm bleiben und im Alter zum Sozialamt müssen.

Aber sind fast 30 Prozent Plus nicht doch etwas übertrieben?
Wir reden von einer Branche, in der der Marktführer McDonald’s 2018 rund 3,5 Milliarden Euro Umsatz gemacht hat. Da ist doch nicht nachvollziehbar, dass der Steuerzahler einen Teil seiner Beschäftigten gleich zweimal subventioniert – einmal, weil der Arbeitslohn mit Hartz IV aufgestockt wird, und im Alter, weil die Rente nicht reicht.

In der Systemgastronomie arbeiten viele Teilzeitkräfte. Die kommen auch mit zwölf Euro Stundenlohn noch nicht weit.
Das ist richtig, und es gibt viele Fälle, wo die persönlichen Lebensumstände nur Teilzeit erlauben. Aber wir können tariflich nicht jedes Lebensrisiko absichern.

Fürchten Sie denn nicht, dass Sie die Arbeitgeber, die einen hohen Personalkostenanteil haben, überfordern?
Es mag den einen oder anderen Laden geben, der dann überfordert ist. Aber viele Franchisenehmer haben mehrere Läden. Und sonst müssen sie sich an ihren Franchisegeber wenden. In vielen Regionen bekommen Sie zu den Löhnen, die derzeit gezahlt werden, doch schon gar kein Personal mehr.

DGB-Chef Reiner Hoffmann hat den Staat aufgefordert einzugreifen, sollte die Mindestlohnkommission sich nicht auf eine kräftige Anhebung auf zwölf Euro einigen können. Was halten Sie davon?
Grundsätzlich wollen wir das tariflich regeln. Aber wenn es nicht gelingt, die unteren Lohngruppen anzuheben, glaube ich nicht, dass der Staat da lange zuschauen kann. Denn für den sozialen Frieden wird es eine immer stärkere Bedeutung haben, wie die Leute vergütet werden.

Wenn die unterste Lohngruppe schon bei zwölf Euro liegt, müssen dann nicht die höheren Gruppen entsprechend angehoben werden?
Ja, das ist ja der zweite Teil unserer Forderung, dass der prozentuale Abstand zu den anderen Gruppen erhalten bleibt.

In der Systemgastronomie liegen die untersten vier Entgeltgruppen noch unter zwölf Euro. Warum sollten Sie überhaupt noch Tarifverhandlungen führen, wenn der Staat diese Marke setzt?
Weil es auch ein Leben oberhalb von zwölf Euro gibt.

Mehr: Dem DGB geht die Anpassung des Mindestlohns zu langsam und fordert, dass der Staat nun eingreift. Scharfer Widerspruch kommt indes aus Politik und Wirtschaft.

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