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Gewerkschaftsstudie Geringverdiener sind die Hauptverlierer der Coronakrise

Menschen mit geringem Einkommen leiden am stärksten unter den Folgen der Pandemie, zeigt eine Befragung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung.
11.07.2020 - 08:04 Uhr Kommentieren
Von Geringverdienern mit weniger als 1500 Euro Haushaltseinkommen erhielt nur jeder dritte eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds. Quelle: dpa
Kleingeld in einem Geldbeutel

Von Geringverdienern mit weniger als 1500 Euro Haushaltseinkommen erhielt nur jeder dritte eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds.

(Foto: dpa)

Berlin Unter Geringverdienern ist die Sorge weit verbreitet, mit zu den größten Verlierern der Coronakrise zu gehören. So ist von den Erwerbstätigen mit einem Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 1500 Euro pro Monat nur knapp die Hälfte mit der Krisenpolitik von Bund und Ländern zufrieden. Bei Menschen mit mehr als 3200 Euro Einkommen liegt die Zufriedenheit mit 72 Prozent deutlich höher.

Das ist ein Ergebnis einer repräsentativen Untersuchung der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung, für die zwischen Mitte und Ende Juni 6.309 Erwerbstätige interviewt wurden.

Angesichts der enormen weltweiten Erschütterungen durch die Pandemie zeige sich die deutsche Gesellschaft bislang vergleichsweise stabil, sagte die Wissenschaftliche Direktorin des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung, Bettina Kohlrausch. Aber die Stabilität sei fragil.

„Sie kann ins Kippen geraten, wenn diejenigen, die schon vorher finanziell und sozial schlechter gestellt waren, in der Krise noch weiter zurückfallen“, sagte Kohlrausch.

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    So äußerten 86 Prozent der Befragten die Sorge, dass die soziale Ungleichheit in Deutschland weiter steigt. 39 Prozent halten es für möglich, dass die Pandemie „benutzt wird, um die Interessen von Reichen und Mächtigen durchzusetzen“. Unter den Geringverdienern hegt sogar jeder zweite diesen Verdacht.

    Die Befürchtungen der Beschäftigten mit niedrigen Einkommen rühren teils aus konkreten Erfahrungen her. So gab knapp jeder achte Befragte an, derzeit in Kurzarbeit zu sein. Von den Betroffenen mit weniger als 1500 Euro Haushaltseinkommen erhielt nur jeder dritte eine Aufstockung des Kurzarbeitergelds. Bei den Beschäftigten mit Einkommen zwischen 2600 und 3200 Euro war es dagegen fast jeder Zweite.

    Über krisenbedingte Einbußen bei ihrem Einkommen klagen insgesamt bereits 26 Prozent der befragten Erwerbstätigen – sechs Prozentpunkte mehr als bei der vorherigen Befragung im April.

    Von den Arbeitnehmern mit maximal 1500 Euro Nettoeinkommen waren 40 Prozent betroffen, von denen in der höchsten Gehaltsgruppe von mehr als 3200 Euro hingegen nur 22 Prozent.

    Weniger Sorge um den Job

    Entsprechend sind die Befürchtungen, was die eigene wirtschaftliche Situation angeht, in der niedrigsten Einkommensgruppe auch am größten. Hier machen sich 38 Prozent große Sorgen – immerhin aber schon ein Prozentpunkt weniger als im April. In der Einkommensgruppe von 1500 bis 2600 Euro ist noch gut ein Fünftel der Befragten stark besorgt.

    Deutlich zurückgegangen ist seit der letzten Befragung die Angst um den eigenen Job. Elf Prozent der Beschäftigten sind in Sorge, arbeitslos zu werden. Im April waren es noch 15 Prozent.

    Auch hier ist die Furcht unter den Geringverdienern mit 19 Prozent noch am weitesten verbreitet – allerdings seit der letzten Befragung auch am stärksten zurückgegangen. So hatten im April noch 29 Prozent der Beschäftigten in der niedrigsten Einkommensgruppe Angst um ihren Job.

    „Das mag überraschen, weil ja die Arbeitslosigkeit deutlich gewachsen ist“, sagt Kohlrausch. So geht die Bundesagentur für Arbeit (BA) davon aus, dass durch die Coronakrise bereits 638.000 Beschäftigte arbeitslos geworden sind.

    „Aber wer bislang seinen Job behalten hat, ist nach Ende des weitgehenden Lockdowns im Handel und in vielen Dienstleistungsbranchen anscheinend optimistischer, über die Krise zu kommen“, betont die Wissenschaftlerin.

    Darin spiegele sich auch die positive Wirkung der Kurzarbeit wider. Rechne man das Befragungsergebnis auf die Gesamtzahl der Beschäftigten hoch, dann wären im Juni knapp 5,5 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit gewesen.

    Mehr: Sozialausgaben steigen in Deutschland erstmals über die Billionen-Euro-Marke. Lesen Sie hier mehr.

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