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„Gezielter Anschlag“ in Bottrop Seehofer-Sprecher will nach Auto-Attacke nicht von Terrorakt sprechen, Richter erlässt Haftbefehl

In der Silvesternacht lenkt ein Mann in Bottrop und Essen sein Auto in Gruppen von Feiernden. Die Ermittler sind sich sicher: Der Hass auf Ausländer trieb ihn an.
Update: 02.01.2019 - 13:30 Uhr 1 Kommentar

Haftbefehl gegen Autofahrer nach Anschlag in Bottrop

BottropAcht verletzte Männer, Frauen und Kinder – Opfer der Anschlagsfahrt der Silvesternacht im Ruhrgebiet, allesamt haben ausländische Wurzeln. Auch wenn die Behörden keine Kontakte des Tatverdächtigen in rechtsextreme Netzwerke finden konnten, war es nach ersten Erkenntnissen der Ermittler mutmaßlich Fremdenhass, der den Mann antrieb.

Gegen den 50 Jahre alten Autofahrer wurde Haftbefehl wegen mehrfachen versuchten Mordes erlassen, wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilten. Er soll mit seinem Auto gezielt Jagd auf Ausländer gemacht haben – oder Menschen, die er dafür hielt. Im Internet kursieren Handy-Videos, die die Tat zeigen sollen: Als würde er nach etwas Ausschau halten, steuert der Fahrer seinen silbernen Kombi über einen Platz mit Silvester-Feiernden. Dann gibt er Gas, obwohl oder weil dort Menschen im Weg sind.

Erst in Bottrop, dann in Essen hatte der Fahrer mehrfach Menschen umgefahren, die unterwegs waren, das neue Jahr zu begrüßen. Eine gute halbe Stunde dauerte der Schrecken. Die Opfer: eine syrische Familie, eine afghanische Mutter und ihr 4-jähriger Sohn, ein 10-jähriges Mädchen aus Syrien und ein 34-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln.

Besonders schwer traf es die Familie aus Syrien, die um kurz nach Mitternacht auf dem Berliner Platz in Bottrop beisammenstand, als der Täter auf sie zuhielt: Die 46 Jahre alte Mutter erlitt lebensgefährliche Verletzungen. Nach einer Notoperation sei ihr Zustand aber inzwischen wieder stabil, teilte die Polizei mit. Ihr zwei Jahre älterer Ehemann und ihre 16 und 27 Jahre alten Töchter wurden ebenfalls verletzt.

Es sei wahrscheinlich, dass der Autofahrer etwa an beleuchteten Bushaltestellen gezielt Ausschau nach seinen Opfern gehalten habe, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch. Immer wieder konnten Passanten sich auch in Sicherheit bringen, kamen mit dem Schrecken davon.

Die Ermittlungen seien jedoch noch im vollen Gange, betonte der Sprecher. Zu den offenen Fragen gehört auch, ob die Tat geplant oder eher spontan verübt wurde. „Aktuell gibt es allerdings keine Hinweise darauf, dass es von langer Hand geplant war“, sagte eine Polizeisprecherin am Nachmittag in Münster.

Die erste registrierte Attacke geschah in Bottrop um 23.45 Uhr – verletzt wurde niemand. An drei weiteren Tatorten soll er dann in Menschenansammlungen gefahren sein. Gut eine halbe Stunde später stellte die Polizei den Täter im benachbarten Essen. Schnell sprachen die Behörden von fremdenfeindlicher Gesinnung, aber auch davon, dass es Anhaltspunkte für eine psychische Erkrankung des Täters gebe.

Nach „Spiegel“-Informationen soll der Mann in seiner Vernehmung gesagt haben, die vielen Ausländer seien ein Problem für Deutschland, das er lösen wolle. Demnach soll er nach ersten Erkenntnissen der Ermittler an Schizophrenie erkrankt sein. Der Mann sei in der Vergangenheit mindestens einmal in eine geschlossene Einrichtung eingewiesen werden, berichtete das Nachrichtenmagazin.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach am Mittwochmorgen im Radiosender WDR5 von „ganz, ganz vielen offenen Fragen“, unter anderem jene, wie und ob solche Vorfälle verhindern können. „Es gibt in dieser Gesellschaft im Moment - und das bedrückt mich am meisten – zu viele, die von unterschiedlichen Motivlagen her, meinen, sie hätte das Recht Gewalt anzuwenden und damit Probleme zu lösen“, sagte Reul.

Den noch unvollständigen Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge habe der Mann keine Verbindungen in rechtsextreme Kreise gehabt. Es scheine vielmehr, dass der mutmaßliche Täter „aus einer persönlichen Betroffenheit und Unmut heraus dann Hass auf Fremde entwickelt hat“, erläuterte Reul weiter. Welche Rolle eine psychische Erkrankung, wegen der er zumindest zu früheren Zeiten behandelt worden sei, dabei gespielt habe, werde noch geprüft.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) wandte sich via Twitter an die Bürger: „An diesem Neujahrstag gilt der Vorsatz für 2019 klarer denn je: Wir stehen zusammen gegen rechte Gewalt. Den Kampf gegen den Hass auf andere Menschen werden wir mit allen Mitteln des Rechtsstaats engagiert fortsetzen.“

Der Essener Oberbürgermeister, Thomas Kufen (CDU), äußerte sich am Dienstagabend entsetzt über die Tat. „Meine Gedanken sind jetzt bei den Betroffenen und ihren Angehörigen. Ich wünsche allen eine hoffentlich schnelle und vollständige Genesung“, sagte Kufen. Er bleibe in engem Austausch mit seinem Bottroper Amtskollegen Bernd Tischler.

Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte zu „Bild“, die „offensichtlich fremdenfeindlich motivierte Amokfahrt“ in Bottrop habe ihn sehr betroffen gemacht. Zugleich erneuerte Seehofer seine Forderung nach härteren Abschieberegeln für straffällige Asylbewerbern.

Er bezog sich dabei auf einen Vorfall im oberpfälzischen Amberg. Dort sollen vier alkoholisierte Asylbewerber am Wochenende mehrere Passanten verprügelt haben. Dabei wurden zwölf Menschen meist leicht verletzt. Seehofer erklärte: „Es gehört zur politischen Glaubwürdigkeit, beide Fälle mit Entschiedenheit und Härte zu verfolgen.“

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  • dpa
  • rtr
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1 Kommentar zu "„Gezielter Anschlag“ in Bottrop: Seehofer-Sprecher will nach Auto-Attacke nicht von Terrorakt sprechen, Richter erlässt Haftbefehl"

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  • Es wäre schön, wenn das HB ebeso ausführlich wie hierzu, zu den Prügelattaken von vier Flüchtlingen gegen zwölf deutsche Bürger Position bezogen hätte.
    St.N: "Die Beschuldigten sind nach Angaben der Polizei Asylsuchende aus Afghanistan, Syrien und dem Iran. Sie hatten am Samstagabend am Bahnhof der Stadt und in der Altstadt unvermittelt Passanten attackiert. Zwölf Menschen im Alter von 16 bis 42 Jahren wurden verletzt, die meisten leicht. Ein 17-Jähriger musste allerdings wegen einer Kopfverletzung stationär ins Krankenhaus.
    Die Tatverdächtigen im Alter von 17 bis 19 Jahren sitzen in unterschiedlichen Gefängnissen in Untersuchungshaft - vor allem wegen des Vorwurfs der gefährlichen Körperverletzung."
    Das ist Politisch nicht Korrekt, aber genauso wahr und von gleicher Bedeutung. Nur hier wird der Ball sehr flach gehalten, ist ja alles nur halb so schlimm.