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Gipfel in Berlin Kinderimpfung, Nachschub von Vakzinen, Impfpass – Darüber beraten heute Bund und Länder

Die Ständige Impfkommission sieht eine allgemeine Impfempfehlung für Schüler kritisch. Das sorgt vor dem Spitzentreffen von Bund und Ländern für viele offene Fragen.
27.05.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Kinder zwischen fünf und elf Jahren zeigen laut einer Studie eine sehr gute Verträglichkeit für die Impfung. Quelle: Moment/Getty Images
Covid-19-Impfung

Kinder zwischen fünf und elf Jahren zeigen laut einer Studie eine sehr gute Verträglichkeit für die Impfung.

(Foto: Moment/Getty Images)

Berlin Vor dem Impfgipfel von Bund und Ländern ist eine heftige Debatte über die Impfung von Kindern und Jugendlichen entbrannt. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat sich dafür ausgesprochen, diese Gruppe auch ohne eine allgemeine Empfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) in die Impfkampagne einzubinden.

Er reagierte damit auf Signale der Kommission, möglicherweise vorerst keine generelle Impf-Empfehlung für Kinder auszusprechen. „Im Lichte dieser Empfehlung können dann die Eltern mit ihren Kindern, den Ärztinnen und Ärzten die konkrete Entscheidung treffen, ob jemand geimpft wird oder nicht“, sagte Spahn. Natürlich gebe es bei jungen Menschen seltener schwere Krankheitsverläufe, aber eben auch Fälle von Langzeitnebenwirkungen.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet kündigte hingegen an, sich in der Frage an den Empfehlungen der Kommission zu orientieren. „Ich finde, wir sollten uns an das, was die Stiko empfiehlt, halten“, sagte der CDU-Vorsitzende. Werde eine Gruppe priorisiert, sei der Impfstoff anderswo knapp.

Mit Blick auf den Impfgipfel sagte er, der Bund müsse alles tun, damit es im Sommer ausreichend Nachschub von Impfstoffen und keine Ausfälle geben werde. Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) plädierte dafür, die Entscheidung der Stiko abzuwarten.

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    Über die konkrete Organisation und benötigte Impfdosen wollen Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerpräsidenten der Länder am heutigen Donnerstag bei einem erneuten „Impfgipfel“ beraten. Dann soll unter anderem die Frage geklärt werden, wie und wo man Kinder über zwölf Jahre nach einer Freigabe des Impfstoffs von Biontech impfen soll.

    Die europäische Arzneimittelagentur Ema prüft derzeit die Zulassung des Vakzins und will am Freitag ihre Entscheidung bekannt geben. Die Stiko tendiert laut einem Bericht des Redaktionsnetzwerks Deutschland dazu, keine allgemeine Empfehlung für das Vakzin auszusprechen.

    Unbefriedigende Datenlage

    Vielmehr werde es wahrscheinlich nur eine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche dieser Altersgruppe mit bestimmten chronischen Erkrankungen geben, hieß es mit Bezug auf mit der Angelegenheit vertraute Personen weiter. Grund sei unter anderem eine unbefriedigende Datenlage, um die Folgen einer Corona-Erkrankung für diese Altersgruppe und mögliche Risiken durch eine Impfung miteinander abwägen zu können.

    Nach der Ansicht des Chefs der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, sei eine solche Entscheidung der Stiko nachvollziehbar. „Die Studienlage zum Infektionsrisiko von Kindern ist bislang sehr dünn.“ Man wisse, dass Jugendliche nur selten schwer erkranken. „Hier ist eine Abwägung mit den möglichen Risiken der Impfung nötig, die vergleichbar sind mit jenen bei Erwachsenen.“

    Vor dem Hintergrund einer möglichen ausbleibenden Stiko-Empfehlung werden auch Spahns Äußerungen kritisch gesehen, Kinder und Jugendlich dennoch in die Impfkampagne miteinzubinden. „Der Bundesgesundheitsminister handelt unverantwortlich“, zitieren die Zeitungen der Funke Mediengruppe Stiftungsvorstand Eugen Brysch.

    Grafik

    Bei der Vergabe von Vakzinen dürften nur wissenschaftliche Fakten gelten. Allein auf dieser Basis habe die Stiko ihre Risikobewertung vorzunehmen. „Doch solche Empfehlungen will Jens Spahn jetzt ignorieren. Damit demontiert er eine viel beachtete Institution der Impfkampagne.“

    Auch sei das Reservieren des Impfstoffs für die über Zwölfjährigen bei der derzeitigen Knappheit inakzeptabel. „Es darf nicht sein, dass sich der Impffortschritt in den Prioritätsgruppen um mehrere Wochen verzögern soll.“

    Neben der Impfung von Schülern sind auch noch viele andere Fragen offen. So dürften die teils unzuverlässigen Impfstofflieferungen der Hersteller zur Sprache kommen, die bei den Hausarztpraxen zu großen Problemen führen. Wie das Bundesgesundheitsministerium mitteilte, stehen den Hausarztpraxen in den kommenden zwei Wochen beispielsweise weniger Dosen des Herstellers Biontech zu Verfügung als ursprünglich angekündigt. Ähnliche Probleme gab es mit Astra-Zeneca.

    Die niedergelassenen Ärzte fordern deswegen Klarheit über die Liefermengen. Spätestens ab dem 7. Juni brauchen die praktizierenden Mediziner deutlich mehr Impfstoff: Dann soll die Impfreihenfolge fallen, sodass sich auch Impfwillige ohne Priorisierung um einen Termin bemühen können.

    Probleme beim Impfpass

    Zudem dürfte auch der digitale Corona-Impfpass auf der Agenda stehen, der in Deutschland noch mit Problemen zu kämpfen hat. Der Nachweis soll von Apotheken, Impfzentren und Arztpraxen spätestens Ende Juni ausgestellt werden können. Das genaue Verfahren ist allerdings noch unklar.

    Ende der vergangenen Woche startete das Bundesgesundheitsministerium (BMG) eine Ausschreibung für die Entwicklung einer Schnittstelle für die Arztpraxen. Es gibt rund 140 Hersteller sogenannter Praxisverwaltungssysteme, die noch nicht den nötigen QR-Code für den Impfpass erstellen können.

    Baut ein Hersteller eine Schnittstelle für den digitalen Impfpass in seine Software ein, erhält er dafür vom BMG 105 Euro pro Arzt, der die Software nutzt. Der Ansturm auf die Impfzentren, Apotheken und Praxen dürfte groß sein, sobald der Impfpass zur Verfügung steht.

    In Deutschland sind inzwischen 14 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Mehr als 40 Prozent haben mindestens eine Impfdosis erhalten. Derweil sank die Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit Oktober unter den Wert von 50.

    Mehr: Ein Maschinenbauer aus der Pfalz macht die globale Impfkampagne erst möglich

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