Gleichstellung in Deutschland CDU-Konservative wollen die Homo-Ehe verhindern

Zwei Männer oder Frauen heiraten mit allen Rechten und Pflichten – für viele in der CDU scheint das noch immer undenkbar zu sein. Einigen in der Union macht das deutliche Ja der Iren zur Homo-Ehe aber Hoffnung.
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Konservative in der CDU wollen eine vollständige Öffnung der Ehe für Schwule uind Lesben in Deutschland weiterhin vermeiden. Quelle: dpa
An Irland kein Beispiel nehmen

Konservative in der CDU wollen eine vollständige Öffnung der Ehe für Schwule uind Lesben in Deutschland weiterhin vermeiden.

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BerlinMit Verweis auf den Koalitionsvertrag hat der stellvertretende CDU-Vorsitzende Thomas Strobl Forderungen auch aus der eigenen Partei nach einer Gleichstellung Homosexueller abgelehnt. „Wir sollten uns an unsere Verabredungen halten“, sagte Strobl der „Frankfurter Rundschau“ (Dienstag).

Der CDU-Landesvorsitzende aus Baden-Württemberg bezeichnete den Ruf der Antidiskriminierungsbeauftragten des Bundes, Christine Lüders, nach einer fraktionsübergreifenden Bundestagsinitiative als falschen Weg. Das Parlament müsse berechenbar bleiben und dürfe nicht mit Zufallsmehrheiten operieren, argumentierte Strobl.

Nach dem Ja der katholisch geprägten Iren für die völlige Gleichstellung homosexueller Paare mit der klassischen Ehe von Mann und Frau melden sich auch in der Union die Befürworter einer Reform zu Wort. „Die Öffnung der Ehe hätte natürlich für viele gleichgeschlechtliche Liebende und weit darüber hinaus einen ungeheuren Symbolcharakter“, sagte der CDU-Abgeordnete Stefan Kaufmann der „Tageszeitung“. Am Ende werde man angesichts der bewussten Trennung von Kirche und Staat in Deutschland zu keinem anderen Ergebnis kommen als die Iren bei ihrem Referendum.

Im Koalitionsvertrag von Union und SPD heißt es, bestehende Diskriminierungen sollten beendet werden. Mit weitergehenden Vorstellungen hatte sich die SPD aber nicht durchsetzen können. So lehnt die Union ein uneingeschränktes Adoptionsrecht für homosexuelle Paare ab.

Der Vorsitzende des Bundesverbandes der Lesben und Schwulen in der CDU, Alexander Vogt, forderte die Bundeskanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel zum mutigen Schritt nach vorn auf. „Ich hoffe, Angela Merkel setzt sich endlich über die Blockierer in der CDU hinweg“, sagte Vogt „Spiegel Online“.

Der CDU-Abgeordnete Jan-Marco Luczak räumte ein, dass eine Debatte über eine Öffnung der Ehe auch für schwule oder lesbische Paare Zeit brauche. „Die Politik sollte aber aufpassen, dass sie von dieser oder von der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts nicht überholt wird.“ Zuvor hatte sich auch das CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn für eine Reform nach irischem Vorbild ausgesprochen.

Diese Länder sagen „Yes“ zur Homo-Ehe
Irland
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Feiern nach dem Votum: Beim Referendum zur Homo-Ehe hat in dem erzkatholischen Irland am Samstag eine klare Mehrheit für die Gleichstellung homosexueller Paare gestimmt. Doch wie sieht es in anderen Staaten aus?

Deutschland
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Der CDU-Bundestagsabgeordnete Stefan Kaufmann (r) und sein Lebensgefährte trauen sich in Stuttgart. Doch eine wirkliche Gleichstellung mit heterosexuellen Paaren ist Homosexuellen in Deutschland verwehrt. Die seit 2001 bestehende eingetragene Lebenspartnerschaft gibt homosexuellen Paaren in einigen Bereichen ähnliche Rechte wie Heterosexuellen, nicht jedoch bei der Steuer und der Adoption. Leibliche und angenommene Kinder eines Partners kann zwar der andere adoptieren, eine Adoption als Paar ist aber nicht möglich. Deutsche Politiker fordern jetzt, Deutschland solle nachziehen.

Frankreich
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Demonstrationen, die Erfolg brachten: Die Homo-Ehe ist in Frankreich seit Mai 2013 erlaubt. Zuvor galt die seit 1999 eingeführte Lebenspartnerschaft, die Gleichstellung in bestimmten Steuer- oder sozialen Fragen, nicht aber bei Erbschaften und Adoption gewährte.

Großbritannien
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England und Wales stimmten im Juli 2013 für die Einführung der Homo-Ehe, Schottland folgte im Februar 2014. Zuvor gab es eine „bürgerliche Partnerschaft“, die seit 2005 Gleichstellung bei Adoption, Erbschaft, Arbeit und Rente gewährte.

Belgien
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Homosexuelle Paare haben praktisch dieselben Rechte wie Heterosexuelle. Die Ehe zwischen Gleichgeschlechtlichen ist dort seit 2003 erlaubt, die Adoption von Kindern seit 2006.

Spanien
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Die Homo-Ehe ist seit Juli 2005 eingeführt. Auch die Adoption durch homosexuelle Paare, ob verheiratet oder nicht, ist erlaubt.

Portugal
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In Portugal sind Homo-Ehen seit Juni 2010 erlaubt, Adoptionen durch Homosexuelle weiterhin unzulässig.

Zuspruch erhielt Parteivize Strobl vom familienpolitischen Sprecher der Unionsfraktion, Marcus Weinberg (CDU)). „Die Frage der Homo-Ehe ist eine hochpolitische, die wir als Union breit in CDU und CSU diskutieren müssten, wenn es Änderungsbedarf gibt“, sagte Weinberg der „Süddeutschen Zeitung“. „Wir wollen nicht, dass ein wesentliches politisches Thema für die Union mitten in der Legislaturperiode komplett neu justiert wird.“

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hatte beklagt, das volle Eherecht für Homo-Paare sei in der Koalition mit CDU/CSU „schwer realisierbar“. Deswegen glaubt auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) nicht an eine Gleichstellung homosexueller Paare noch in dieser Legislaturperiode. Politiker der Oppositionsparteien Linke und Grüne forderten am Wochenende die Koalition auf, sich ein Beispiel an den Iren zu nehmen.

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18 Kommentare zu "Gleichstellung in Deutschland: CDU-Konservative wollen die Homo-Ehe verhindern"

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  • Warum sollten Ehe und Lebenspartnerschaft eigentlich "gleichgestellt" sein? Es sind unterschiedliche Ebenen, und das zu "diskriminieren", d.h. zu unterscheiden, ist nicht falsch. Was mir richtig Angst macht ist, daß es gar keine Diskussion mehr darüber geben darf, weil alle, die der "Gleichstellung" nicht sofort und bedingungslos zustimmen, ja jetzt schon medial, sozial und beruflich bedrängt und diffamiert werden.
    Eine offene Diskussion über Homosexualität ist aus meiner Sicht in Deutschland nicht mehr möglich. Es war mal Konsens, daß sich jede gesellschaftliche Gruppe Kritik oder Angriffen stellen muß. Wenn sich bestimmte Gruppen meinen gegen Kritik immunisieren zu können, verlieren alle, aber vor allem diese Gruppe selber.
    Das eine Ungleichbehandlung von Lebenspartnerschaft und Ehe auch sachlich begründet sein kann, steht außerhalb jeder Diskussion.

  • Politiker, die die komplette rechtliche Gleichstellung fordern sind mit ihrem Amt und Fürsorgepflicht für die Bevölkerung überfordert, im Zweifelsfall mit besten - aber sich u.U. auf die Kinder fatal auswirkenden - Absichten. Gut gemeint ist noch lange nicht gut. Kinder sind keine Versuchskaninchen.

  • "Adoption ist nicht das eigene "Fleisch und Blut""

    In den USA ist der Mißbrauch adoptierter Kinder durch hetero-Paare ein ernsthaftes Problem. Die ethisch-mentalen Grenzen funktionieren in Deutschland scheinbar besser als im den sozial erodierenden USA. Die schützende kulturelle Decke ist im Zweifelsfall sehr dünn, wenn es um das Triebleben geht.

    Mit Homo-Paaren gibt es hier in Deutschland keine Erfahrungen. Wer Kinder dieser Gefahr - die ja schon bei hetero-Paaren in den USA als Warnung im Raum steht - aussetzt - handelt gegen das Kindeswohl und damit verantwortungslos. Kinder sind keine Versuchskaninchen.

  • Ich bin nicht dafür und auch nicht gegen eine Adoption von Kindern bei gleichgeschlechtlichen Paaren; als Hetero-Paar kann man i.d.R. auch kein Kind adoptieren wenn man nicht in geordneten Verhältnissen lebt.

    Man kann aber auch mal den Faden spinnen das es vllt. Kinder in "Homo-Ehen" "geistig" besser geht als in so manchen "normalen" Ehen. Wo sich eher drum gekümmert wird als wenn Kinder wegen dem kassieren von Kindergeld angesetzt wurde, oder man auch einfach mal einen Grund benötigt nicht arbeiten gehen zu müssen...a´la..ich kann ja nicht, ich muss mich um mein Kind kümmern; wenn es denn mal getan werden würde...kommt öfters vor als man glauben mag.

    Klar, Adoption ist nicht das eigene "Fleisch und Blut"; dazu passend der Spruch von Lagerfeld: Eigenes Kind? Und dann gefällt´s einem nicht? Oh Gott. ^

    Anderseits: kann man mit Adoptionen auch wunderbar auf die "Fresse" fallen; die Pflicht hätten Homo-Ehen dann auch zu erfüllen )

  • "EHE ist per Definition ein auf lebenslange Zeit angelegtes Zusammenleben von Mann und Frau. Punkt !"
    Und warum darf man sich wieder scheiden lassen?

    Das ist wie mit der Bibel: irgendeiner hat mal das Märchenbuch geschrieben und ... naja...,-). Gilt auch für den Koran und andere Hirnwaschungen, Gesetzgebungen inbegriffen.

    Ich bin zwar auch gegen die Geld-Elite; aber das die jetzt den Familienstatus abschaffen wollen, kann ich beim besten Willen nicht erkennen. Eigentlich sind die Amis doch erstmal ganz prüde; um im Dunkeln die Sau rauszulassen. So wie es in den muslimischen Ländern auch geschieht ^.

    Wie verhält sich das eigentlich mit der "Vielweiberei" in vielen anderen Staaten? Ich meine da hat ein Typ dann 10 Frauen und a´2 Kinder; ist das jetzt Familie, oder Puff oder...Gotteslästerung oder Überlebenskampf? Oder der Familenvater ( die Famile ist heilig, na log´n ) der zwei Geliebte an der Hand hat...

    Da darf man ja eigentlich auch schonmal fragen: warum wird die "Familie" eigentlich so hochheilig gesprochen, wenn oftmals die "Familie" gänzlich im allerwertesten ist...?

  • "Ob jetzt ein Männerpaar unbedingt ein Kind adoptieren soll/muss/darf...ist so eine Frage."

    Und das ist eben die Frage nach der kompletten rechtlichen Gleichstellung. Wenn Sie diese Art der Adoption nicht wollen, dann dürfen Sie keine Partei wählen, die dies fordert.

  • Wir leben in einer seltsammen Zeit
    Die einen schaffen sich ein Wohnmobile an
    die anderen einen Hund
    und ein paar Leute ein Kind

    Früher war ein Kind im normalfall ein Kind der Liebe
    Es gab uneheliche Kinder und eheliche Kinder

    heute wird ein Kind geplant wie ein Hausbau
    es gibt immer noch Kinder die einfach beim Liebesakt gezeugt werden
    dann gibt es Retortenbabys
    mit fremdem Samen
    mit fremder Eizelle
    aus fremdem Körper
    oder so wie meine Katzen aus dem Tierheim gekauft kauft man sein Kind im Kinderheim

    Kinder sind eine Sache geworden - es sind keine Menschen mehr sondern Dinge

    nur so ist es zu erklären, dass Kinderrechte separat ins Grundgesetzt sollen, denn wären es Menschen dann hätten sie ja all diese Rechte bereits

    Was das mit Homo-ehen zu tun hat?

    Homos bekommen keine Kinder auf natürliche Art - sie kaufen sich Kinder

    auch diese Ehen sorgen mit dafür, dass Kinder immer mehr zur Ware werden

  • Ich frage mich was Kinder und eine Ehe jetzt unbedingt zwangsweise auf eine Stufe bringt? Das eine muss ja das andere nicht unbedingt einschließen; also generell schon mal.

    Ich denke wenn ein Mann ein Mann und eine Frau eine Frau heiraten will...warum nicht.
    Wie schon jemand schrieb: wo die Liebe so hinfällt. Ebenso sollte man berücksichtigen das gleichgeschlechtliche Paare verständlicherweise auch den Wunsch haben sich gegenseitig abzusichern; das sehe ich NULL Unterschied zu Hetero-Paaren. Da muss man auch mal an das vererben etc. denken.

    Ob jetzt ein Männerpaar unbedingt ein Kind adoptieren soll/muss/darf...ist so eine Frage. Frau / Frau hat es da schon einfacher und ich denke das ist sogar noch einen Tick eher akzeptiert, denn schließlich haben Frauen andere Möglichkeiten. Wenn ich mir allerdings das Zusammenleben so mancher "Hetero"-Paare mit ihren Kindern anschaue, denke ich ... diese hätten es einfach sein lassen sollen.

    Wie so oft gibt es keine goldene Regel. Die "Homo-Ehe" verhindern zu wollen ist allerdings eine typisch CDU - Nummer frei nach denm Motto: "wir haben uns alle Lieb, meine Familie ist mir heilig, inkl. der achso tollen Geliebten...äh...Ehefrau ".

    Einfach hinterwäldlerisch; Aber wie sage ich immer: "der größe Beschiss an der Menschheit ist Religion und Politik."

    Lasst die Leute lieben wie sie wollen. Wo ist da das Problem?
    Wer Homo ist ist / wird / bleibt Homo.

    Übrigens: wer am meisten die "Homo´s" hasst, ist oftmal selbst die größte "Schwuppe".

  • @ Walter Traunstein 16:18

    "Nur Abschaffen von Familien ist das wahre Ziele der ... und ihren Grünen Ideologen im Auftrage Amerikas."
    ---
    Die Grünen wollen das Beste für die Menschheit. Sie leiden mit, wenn sie fremdes Leid ansehen müssen. So weit, so sympathisch. ABER im gebenen Fall können sie nicht ertragen, dass das Lebensglück ihrer Homo-Mitmenschen eingeschränkt ist.

    Deshalb kriegen sie es intellektuel nicht auf die Reihe, die in meinem Kommentaren von 15:00 und 15:02 gemachte Differenzierung zu bewerkstelligen. Für dieses Unvermögen braucht es keine "auswärtige" Hilfe oder eines Auftrags.

  • Ich hatte den Text kopiert, weil ich darauf antworten wollte - speziel zum Verschwörungs-Teil.

    Der Teil bzgl Homo-Ehe war eine Meinungsäußerung, die auch den betroffenen zugemutet werden darf.

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