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Globaler Vergleich Deutschland verliert den Anschluss bei Innovationen

Die Bundesrepublik büßt an Innovationskraft ein – trotz des jahrelangen Booms. Es fehlt an Top-Forschung, High-Tech-Investitionen und Weltoffenheit, zeigt eine neue Studie. 
17.02.2020 - 15:25 Uhr Kommentieren
Der BDI fürchtet um den Innovationsstandort Deutschland. Quelle: dpa
Roboterhand

Der BDI fürchtet um den Innovationsstandort Deutschland.

(Foto: dpa)

Berlin Auf den ersten Blick scheint die Lage rosig: Deutschland behauptet sich im jüngsten Innovationsindikator des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) auf Platz vier. Weltweit innovativste Nation ist wieder die Schweiz, gefolgt von Singapur und Belgien. Die USA liegen auf Platz acht und das so gefürchtete China erneut nur auf Platz 26.

Doch während andere davoneilen, „treten wir im Vergleich zu unseren Wettbewerbern auf der Stelle“, sagte BDI-Präsident Dieter Kempf zu den Ergebnissen des Monitors des Zentrums für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Fraunhofer Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI). Deutschland hat an Punkten verloren, der Abstand zur Spitzengruppe wurde noch größer. Damit setze sich „ein Abwärtstrend der deutschen Innovationsdynamik seit 2014 fort“.

Der Indikator misst die Innovationskraft von insgesamt 35 Nationen anhand von 38 Einzelindikatoren. Die Schweiz erreicht insgesamt 74 Punkte, Deutschland rutschte auf 54 zurück und liegt nun gleichauf mit Schweden.

Ein Grund ist die mangelnde Exzellenz in der Forschung: Trotz jahrelanger massiver Förderung der Wissenschaft, vor allem mit der Exzellenzstrategie, erreiche Deutschland etwa bei den am häufigsten zitierten Publikationen weltweit nur den 15. Platz. Das liege vor allem daran, dass die Förderung zu breit gestreut würde, kritisieren die Autoren. Breitenförderung sei ja schön, International sichtbare Leuchttürme, die „mit Cambridge, Oxford, Harvard oder dem MIT auf Augenhöhe konkurrieren, entstehen so aber nicht“.

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    Aktuell fließen im Rahmen der Exzellenzstrategie jährlich 533 Millionen Euro, der Großteil davon an 57 Exzellenzcluster – beheimatet an 34 Universitäten – sowie an elf Elite-Unis für ihr Gesamtkonzept.

    Der zuletzt viel kritisierte Technologietransfer aus den Hochschulen liege jedoch immerhin „auf ähnlichem Niveau wie viele etablierte Innovationsnationen“ meinen die ZEW- und ISI-Forscher. Länder wie Singapur kämen zwar auf weit höhere Werte – etwa beim Anteil der Patente an den Hochschulen – das sichere aber noch nicht deren Anwendung und somit auch Wertschöpfung. „Verwertung ist Aufgabe der Wirtschaft und nicht der Wissenschaft“, so die Autoren.

    Das deutsche Bildungssystem insgesamt ist im BDI-Ranking wieder zurückgefallen und liegt nur im Mittelfeld. So seien etwa die öffentlichen und privaten Ausgaben pro Student deutlich hinter den angelsächsischen Ländern, aber auch hinter der Schweiz und Schweden. Auch beim Anteil der Akademiker an allen Beschäftigten liegt Deutschland trotz des Booms bei den Studienanfängern mit insgesamt 29 Prozent im internationalen Vergleich noch immer nur auf Platz 21.

    Relativ gut schneidet Deutschland bei den Promotionen in den Mint-Fächern – Mathe, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – ab: Auf eine Million Einwohner kommen hier 163 erfolgreiche Doktoranden. In Schweden sind es 188, in Großbritannien 208 und in der Schweiz sogar 244. Da aber das System auf keinen Fall genügend Fachleute ausbilden könne, sei Weiterbildung umso wichtiger – vor allem dort, wo Branchen durch die Digitalisierung weitgehend umgebaut werden müssen.

    Bei den gesamtwirtschaftlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung kommt Deutschland mit einem Anteil von knapp über drei Prozent am BIP auf Platz neun. Korea und Israel liegen bei 4,5 Prozent, Schweden und die Schweiz bei 3,4.

    Die Große Koalition hat für 2025 das Ziel von 3,5 Prozent ausgerufen und dafür auch die neue steuerliche Forschungsförderung eingeführt, die es in den allermeisten OECD-Ländern schon seit vielen Jahren gibt. Die neue Agentur für Sprunginnovationen SprinD ist an den Start gegangen, die KI-Strategie verkündet. „Der Weg ist richtig, doch es fehlt an Tempo“, meinen die Studienautoren.

    „Damit all diese Impulse nicht verpuffen, muss die Politik aus ihrem Dornröschenschlaf erwachen und Instrumente entwickeln“, fordert Kempf. Dazu müssten etwa schnell die 100 versprochenen KI-Professuren besetzt werden und „der angekündigte 10 Milliarden Euro schwere Zukunftsfonds gefüllt werden“.

    Doch auch die Wirtschaft könnte mehr tun, zeigt der Innovationsbarometer: So ist der Wert der Bruttoanlageinvestitionen am BIP zwar leicht gestiegen. Dennoch liegt Deutschland hier mit gut 21 Prozent international nur auf Platz 17 – investiert also zu wenig in seine Zukunft.

    Zudem nutzen deutsche Unternehmen seltener Wissen aus dem Ausland, als die Wirtschaft kleinerer Länder, es gibt vergleichsweise wenig internationale Ko-Patente. Die deutsche Wissenschaft sei hier weit besser international vernetzt, mahnen die Innovationsexperten.

    Mehr: Vor allem Personalmangel bremst die Innovationskraft. An Kapital fehlt es fast so sehr wie zu Zeiten der Finanzkrise.

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