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Green Deal Merkel-Berater Edenhofer empfiehlt verbilligte Kredite für grüne Investitionen

Auf dem Weg zur Klimaneutralität sollen Unternehmen verbilligte Kredite erhalten, schlagen Ökonomen vor. Das Geld dafür soll über einen Fonds bereitgestellt werden.
14.08.2020 - 19:18 Uhr Kommentieren
Das Ziel der Klimaneutralität lässt sich nur mit erheblichem Mitteleinsatz erreichen. Quelle: AUDI AG
Produktion des Audi e-tron im CO2-neutralen Werk von Audi Brussels

Das Ziel der Klimaneutralität lässt sich nur mit erheblichem Mitteleinsatz erreichen.

(Foto: AUDI AG)

Berlin Investitionen in nachhaltige Projekte sind politisch willkommen und aus Gründen des Klimaschutzes dringend geboten. Sie haben nur einen entscheidenden Nachteil: Im Vergleich zu weniger nachhaltigen Investitionen sind ihre Renditen häufig geringer.

Dieser Nachteil soll vom Staat oder von einer Staatengemeinschaft wie der EU ausgeglichen werden, schlagen Umweltökonomen vor, darunter Ottmar Edenhofer, Chefökonomen und Direktor des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).

Er hatte im vergangenen Jahr im Auftrag der Bundesregierung gemeinsam mit RWI-Präsident Christoph M. Schmidt ein Modell für die Einführung eines CO2-Preises entworfen. Edenhofer gilt seit Jahren als einer der Impulsgeber der klimapolitischen Debatte.

„Wir schlagen im Zuge des europäischen Green Deals einen Investitionsfonds für die EU vor, der sich durch langfristige, staatlich gesicherte Anleihen finanziert, um langfristig zinsverbilligte Kredite an Unternehmen zu vergeben, die in nachhaltige Projekte mit dem primären Ziel der Treibhausgasneutralität investieren“, heißt es in einem noch unveröffentlichten, 25 Seiten umfassenden Papier, dessen Autoren neben Edenhofer die Ökonomen Christian Klein, Kai Lessmann und Marco Wilkens sind. Das Papier liegt dem Handelsblatt vor.

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    Grundsätzlich soll dabei folgende Faustregel gelten: Je „grüner“ eine Investition ist, desto größer sollen die Zinsvorteile sein. Auf den Kreditzins soll ein Nachlass gewährt werden, „der proportional zu dem Maße ist, mit dem die Realinvestition Emissionen vermeidet“.

    Bezugspunkt sind dabei die EU-Taxonomie und darauf aufbauende Klassifikationssysteme wie der Green Bond Standard der EU. Sie seien sehr weit entwickelt, weitgehend akzeptiert und künftig der Maßstab für die Nachhaltigkeitsaktivitäten von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft, argumentieren die Autoren.

    Sie empfehlen, ihr Modell in die Umsetzung des von der EU-Kommission angekündigten Green Deals mit einzubeziehen. Darüber hinaus sind die Überlegungen aber auch mit den aktuellen Konjunkturprogrammen zur Wiederbelebung der Wirtschaft nach der Corona-Pandemie verknüpfbar. Allein die EU will Corona-Hilfen im Umfang von 750 Milliarden gewähren. Auch dabei wird das Kriterium der Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielen.

    Aktuelle CO2-Bepreisung zu niedrig

    Das Ziel der Klimaneutralität lässt sich nur mit erheblichem Mitteleinsatz erreichen. Die Autoren um Edenhofer verweisen auf Schätzungen der EU-Kommission, denen zufolge bis 2050 im Durchschnitt jährlich zusätzliche Investitionen von 90 bis 170 Milliarden Euro geleistet werden müssen, um das EU-Ziel einer Reduktion der Emissionen um 80 Prozent zu erreichen. Die angestrebte Klimaneutralität, die deutlich über das 80-Prozent-Ziel hinausgeht, dürfte in erheblichem Umfang weitere Investitionen erforderlich machen.

    Die Subventionierung soll so lange Anreize für CO2-vermeidende Investitionen setzen, bis ein ausreichend hoher CO2-Preis erreicht ist. Der Weg bis zur Erreichung des Ziels dürfte noch weit sein: Im Europäischen Emissionshandelssystem (ETS) kostet die Berechtigung zur Emission einer Tonne CO2 derzeit rund 25 Euro. Der im kommenden Jahr beginnende nationale Emissionshandel für die nicht dem ETS unterworfenen Sektoren Wärme und Verkehr startet mit einem CO2-Preis von 25 Euro je Tonne.

    Der Wert von 25 Euro ist weit von den tatsächlichen CO2-Vermeidungskosten entfernt. Wer heute etwa grünen Wasserstoff einsetzt, um Stahl zu produzieren, muss deutlich mehr als 100 Euro investieren, um eine Tonne CO2 zu vermeiden. Die Höhe der Subventionierung soll dynamisch an die Differenz zwischen tatsächlichem CO2-Preis und dem „intendierten CO2-Preis“ gekoppelt sein. 

    Mit dem „intendierten Preis“ meinen die Autoren jenen CO2-Preis, der sich zwar noch nicht im Emissionshandel gebildet hat, der aber das Niveau der politischen Ambitionen widerspiegelt. Auch der Forward-Preis im CO2-Handel soll zur Orientierung dienen und zur Bestimmung des intendierten Preises herangezogen werden. Im Emissionshandel können Emissionsberechtigungen auf Jahre im Voraus gekauft werden. Die Preise Mitte der 20er-Jahre werden deutlich höher sein als die Preise heute.

    Die Befürchtung, dass zusätzliche Fremdkapitalfinanzierung entweder angesichts niedriger Kreditzinsen sinnlos oder für die Unternehmen sogar schädlich sei, teilen die Verfasser nicht. In der Ausgestaltung des Fonds sei der Grundgedanke leitend gewesen, dass den Unternehmen lediglich das CO2-Preisrisiko abgenommen werden soll, keinesfalls jedoch das unternehmerische Risiko.

    Nach Auffassung der Autoren kann das Modell grundsätzlich auf Unternehmenskredite und auf Projektfinanzierungen Anwendung finden. Allerdings kommen sie zum Ergebnis, dass die Subventionierung von Projekten effizienter sein dürfte als die Subventionierung eines gesamten Unternehmens.

    Ob die Förderung in Form von Reduktionen der laufenden Kreditzinszahlungen oder als Zuschuss zum Zeitpunkt der Finanzierung erfolgen soll, ist aus Sicht der Ökonomen unerheblich.

    Die Autoren sind überzeugt, dass sie der Politik damit ein schnell einsetzbares und effizientes Werkzeug an die Hand geben. „Unser Vorschlag stellt ein Instrument vor, Investitionen auch kurzfristig und bei mangelnder CO2-Bepreisung in die richtige Richtung zu lenken“, so ihr Fazit.

    Mehr: Klimaneutralität wird für die deutsche Industrie zur Überlebensfrage.


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