Griechen in Deutschland „Euro-Austritt wäre ein Totalschaden“

Viele Griechen schauen von Deutschland mit Distanz auf ihr Land und blicken mit Sorge auf die anstehenden Neuwahlen. Sie sind sich aber so gut wie einig: Die Rückkehr zur Drachme wäre ein wirtschaftlicher Totalschaden.
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Kommt der Euro-Austritt?

KölnDie Debatte um einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands treibt die Griechen in Deutschland um. Kostas Papanastasiou etwa, Fernsehzuschauern als Wirt Panaiotis Sarikakis aus der „Lindenstraße“ bekannt, hat den Eindruck, dass Deutschland die Griechen aus der Eurozone „rausschmeißen“ will. Vor der Schuldenkrise habe es eine „wunderschöne Liebe“ zwischen Deutschen und Griechen gegeben. „Das zu zerstören, ist jetzt schlimm.“

Alle Griechen in Deutschland seien in großer Sorge, was nach den Neuwahlen am 25. Januar in ihrem Heimatland passiere, sagt Konstantinos Dimitriou. Er ist Vorsitzender des Verbands griechischer Gemeinden in Deutschland mit rund 60.000 Mitgliedern in der Kultur- und Traditionspflege. Einen Euro-Austritt lehnt er ab: „Das wäre ein wirtschaftlicher Totalschaden für unser Land.“

Rund 316.000 Griechen leben in Deutschland, schwerpunktmäßig in Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg. Besorgt verfolgen sie in den Nachrichten die Austritts-Debatte. Falls tatsächlich eine von einem Linksbündnis unter Alexis Tsipras geführte Regierung in Griechenland den von der EU auferlegten Sparkurs kippt, steht der Euro-Austritt als Option im Raum.

„Die Griechen in Deutschland sind viel selbstkritischer als die Griechen in Griechenland. Sie sehen ein, dass man sparen muss, um an europäische Standards zu kommen“, sagt Dimitriou. Der Preis für die Griechen, die jeden Tag ums Überleben kämpften, sei extrem hoch. Die Not und das Elend müssten gelindert werden. Er hofft, dass nicht wieder die Zeit beginnt, in der die Griechen in Deutschland wieder angegiftet werden – wie zu Beginn der griechischen Schulden-Tragödie.

Das Verhältnis zwischen Griechen und Deutschen macht auch Dimitri Mastoras Sorge. Er ist Vorsitzender der Deutsch-Griechischen Gesellschaft in Kiel. Als Sprachlehrer gibt er Seminare in Griechenland: Griechisch für Deutschsprachige – viele Deutsche sind dabei. Für Mastoras ist ein deutliches Bekenntnis Griechenlands zu Europa wichtig: „Mit wem würde man sich sonst noch verwandt fühlen, wenn nicht mit Europa?“

Sotirios-Marios Athinaios ist 22 Jahre alt und studiert in Aachen Maschinenbau. „Es wäre verrückt, aus der Eurozone auszutreten. Wenn wir ein besseres Griechenland wollen, brauchen wir den Euro“, sagt er. Seine Eltern leben in Griechenland. Er will nach dem Studium in Deutschland bleiben. Mit der Schuldenkrise in seinem Land habe das nichts zu tun, sagt er. „Die Möglichkeiten für einen Jungingenieur sind in Deutschland besser.“ Und: er liebe die deutsche Lebensart

  • dpa
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  • »Zuerst sollten die Griechen wählen«… Ja sollen sie. Aber wir sollten uns gefälligst aus ihrem Wahlkampf raus halten und nicht drohen: »Wehe ihr wählt links«.
    Bodo Ramelow hat es sogar trotz eines Bestechungsversuchs seiner politischen Gegner geschafft ;–))

  • @Herr Wolfgang Trantow:

    »Totalschaden? Für wen?«

    Für die Banken natürlich, denn dann würde diese ergiebige Geldquelle austrocknen, in die unsere schwarze Null ständig neues nachschiebt.

  • Totalschaden? Für wen? Nur für Frau Merkel, die hemmungslos, ohne Gewissen und Vorschriften die griechischen Politiker unterstützt! Warum hilft sie nicht, weigert sich, den griechischen Bürger zu unterstützen?

  • Ausgerechnet wir Deutschen zetteln hier eine Debatte an, die heute noch gar nicht spruchreif ist!

    Zuerst sollten die Griechen wählen und danach kann man erst mal das Ergebnis abwarten!

    Die Griechen werden sicher nicht aus dem Euro ausscheren, falls doch, dann zahlen doch die Steuerzahler aller Euro-Länder!!!! Nicht nur wir!

    Europa zerbröselt nicht, nur weil ein Land den Euro abschaffen möchte!

    Leider haben die Macher des Euros kein Szenario entworfen für einen Ausstieg aus der Währung.

    Daran kann man erkennen, wie sorglos unsere Politpappnasen denken!

  • NEIN der deutsche Urlauber möchte keine Zeit mit Geldumtausch vergeuden. Es lebe die EU und Euro.

    Man kann sich auch selbst Isolieren.

    Die Griechen sollten lieber darüber nachdenken, wie Sie
    JAHRHUNDERTE ohne den Euro überlebt haben.
    Und dann werden Sie erkennen, dass Sie nur eine Zukunft
    ohne Euro haben.

    Wer das GEGENTEIL behaupten, verliert am meisten, wenn
    der Euro verschwindet.

  • @Josef Weyh

    Schade, denn mit Ihrem Urlaub hätten Sie Griechenland mehr geholfen als "das offizielle Europa" inklusive Erika.

    Vielleicht wollen Sie GR mit dem Kauf von griechischen Produkten oder mit einem Besuch der griechischen Gastronomie helfen?

  • „Euro-Austritt wäre ein Totalschaden“.
    Der Totalschaden ist schon längst eingetreten mit der Aussicht auf ständige Hilfspakete. Das ganze mutiert zu einem gigantischen Bundesländerfinanzausgleich für Griechenland. Es ist Irrsinn permanent neues Geld in die nicht wirtschaftsfähige Volkswirtschaft von Griechenland reinzupumpen.

    Tritt Griechenland aus dem Euro-Raum aus,
    wird Griechenland wettbewerbsfähiger und hätte die unendlichen Hilfspakete nicht mehr nötig. Damit wäre der gesamten EU geholfen. Was die Masttrichter Verträge und Regeln angehen, wurden diese ständig gebrochen. Damit wäre der Austritt von Griechenland aus dem Euroraum geklärt und kein Problem.

    Die Drachme würde entsprechend dem griechischen Wirtschaftswachstum zum europäischen Wirtschaftswachstum der Euro-Länder angeglichen. Der Wechselkurs könnte bei 1 Euro zu 3 Drachme liegen. Der alte Wechselkurs wäre nicht gültig, da sich Griechenland wirtschaftlich weiterentwickelt hat. Griechenland wird das durchschnittliche Wirtschaftswachstum vom Euro-Raum auch aus geographischen Gründen niemals erreichen können. Darum ist die Widereinführung der Drachme unumgänglich.

  • Herr Schäuble wie waren Ihre Worte wenn Kritiker gegen die Eurorettung und neue Hilfspakete waren "Es sind ja nur Bürgschaften". Jeder hat es gewusst das, das Geld real weg ist, nur unser Finanzminister nicht. Jetzt will man es so darstellen das alles halb so schlimm ist und Deutschland es "verkraftet" den Verlust. Man werden Politiker endlich zur Verantwortung gezogen der Veruntreuung der Milliarden (Steuergeldern). Aber wehe wenn der "kleine" Bürger versucht sein Geld in "Sicherheit" zu bringen, dann kriegt man sofort die "Fratze" des Staates zu spüren!

  • Der Totalschaden wir kommen. Mit dem gemeinsamen Staatsbankrott der Eurozone. Genau das ist die "Solidargemeinschaft" auf Kosten der Nordeuropäer. Der Euro ist eben nur ein "politisches Projekt" - solche ökonomisch widersinnigen Projekte scheitern immer. Die Kosten werden nur immer höher. Aber die Propagandatrommeln schlagen um so lauter. Und Typen wie Schäuble meinen, in dieser Krise, die zu einer Katastrophe werden wird, die "Vereinigten Staaten von Europa" erzwingen zu können. Tja, die Ideologen in den östlichen Politbüros haben sich nicht anders verhalten.
    Insgesamt lebt Europa dramatisch über seine Verhältnisse. Dieser Scheinwohlstand, der mit neuen Schulden finanziert wird in diesem FIAT-Money-System, wird wie eine Blase platzen. Wann, kann niemand sagen - die kriminelle Energie der Politiker ist einfach nicht zuverlässig einschätzbar.

  • Wenn es zutrifft, dass die Durchschnittseinkommen in Griechenland noch immer doppelt so hoch sind wie in Polen, dann hat es noch einen weiten Weg vor sich. Ob die Politik das durchhält glaube ich nicht

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