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Griechenland-Hilfe Merkels Union leidet an Rettungs-Burnout

Die 63 Nein-Sager der Union glauben nicht mehr, dass das nächste Hilfspaket nach Jahren erfolgloser Rettungspolitik die Wende bringt. Doch dieses Abstimmungsverhalten in der Union hat etwas Schizophrenes. Ein Kommentar.
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Ratlosigkeit auf der Regierungsbank. Quelle: ap
Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble

Ratlosigkeit auf der Regierungsbank.

(Foto: ap)

Berlin Die Zahl der Abweichler in der Union ist von 60 auf 63 gestiegen. Die Abstimmung über das dritte Hilfspaket ist damit auch eine Schlappe für Angela Merkel. Die Kanzlerin hat zwar keinen politischen Schaden genommen, wie viele aus der Partei- und Fraktionsführung im Vorfeld befürchtet haben.

Doch nach all den Drohungen und dem drängenden Werben unter den Abweichlern durch die Unionsspitze ist das Ergebnis schon ein Denkzettel. Hinzu kommen drei Enthaltungen und 17 Abgeordnete, darunter so prominente Nein-Sager wie Erika-Steinbach und Peter Ramsauer, die erst gar nicht nach Berlin angereist waren.

Einpeitscher Volker Kauder vermochte es durch seine Drohungen nicht, die Zahl der Abweichler so klein wie möglich zu halten. Das Auftreten des Unionsfraktionschefs als Zuchtmeister dürfte viele Parlamentarier eher in ihrer Haltung bestärkt haben. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble warb zwar in den letzten Tagen und auch bei seiner heutigen Regierungserklärung für eine Zustimmung. Doch die Abgeordneten glauben offenbar, dass Schäuble im tiefsten Inneren seines Herzen von einem „Time out“ überzeugt ist, also einem vorübergehendes Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone.

Der anhaltende Widerstand mag viel damit zu tun haben, dass in Merkels Union inzwischen ein Rettungs-Burn-Out eingetreten ist. Die Parlamentarier glauben einfach nicht mehr, das nach fünf Jahren erfolgloser Rettungspolitik das nächste Milliarden-Paket die ökonomische Wende in Griechenland bringt.

Dabei hat das Abstimmungsverhalten der Unions-Abgeordneten auch etwas Schizophrenes. Alle wissen: Ohne Merkel wird die kommende Bundestagswahl zur Zitterpartie. Trotzdem ist ein großer Teil nicht mit ihrem Kurs einverstanden. Da fällt Wunsch und Wirklichkeit auseinander. Kein Unions-Abgeordneter würde auf Merkel als Kanzlerkandidatin verzichten wollen. Doch irgendwann werden Sachfragen auch Machtfragen. Hier hat die Union noch keinen Weg gefunden, diesen Widerspruch aufzulösen.

Die Kanzlerin hüllte sich am Mittwoch in Schweigen. Doch auch das kann sehr beredt sein. Die große Mehrheit im Bundestag übertüncht die Skepsis der Bürger und ihr verlorenes Vertrauen, dass die griechische Regierung ihre beschlossenen Reformpläne auch umsetzen wird.

„Natürlich gibt´s keine Garantie, dass das funktioniert“

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33 Kommentare zu "Griechenland-Hilfe: Merkels Union leidet an Rettungs-Burnout"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Griechenland ist gerettet
    ------------------
    Zumindestens bis Morgen.
    Dann sprechen wir über das vierte "Hilfspaket", und das fünfte .....
    Die sind dann alle "alternativlos", befindet sich Griechenland doch "auf einem guten Weg"!
    Und Griechenland wird natürlich jeden Cent zurückzahlen, das hat schon Samaras (ND) versprochen. Er gab darauf sein "Ehrenwort".
    Und jetzt sprechen wir über Neuwahlen. Dann ist das Land über Monate wieder gelähmt.
    Alle bisherige Verträge sind dann perdu.

  • @ Herr Wiesner,

    Sie sprechen mir aus der Seele !

    (...)

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Sehr guter Beitrag, Herr Wiesner!
    Aber ich prophezeie Ihnen: Wenn solche Personen, wie von Ihnen gewünscht, an den Start gehen sollten, würden sie sofort von dem Establishment in der Luft zerrissen.
    Und solange diese Bundeskanzlerin wie entfesselt vom Sitz aufspringt, wenn die deutsche Nationalmannschaft ein Tor geschossen hat, braucht sie auch nicht um ihr Amt zu fürchten.

    Man kann es drehen und wenden wie man will: Es wird sich erst etwas ändern, wenn wir wieder ganz tief unten gelandet sind, sprich: wenn Deutschland auf dem intern. Kapitalmarkt als nicht mehr kreditwürdig angesehen wird. Dann werden hier die Messer gewetzt. Und mit Hilfe des Euros wird es auch unausweichlich so kommen.

  • Geht mir genauso, ich leide auch unter dem burn-out-Syndrom! Ich will und ich kann nicht mehr in diesem Land leben. Es macht mich von Tag zu Tag frustrierter und kränker. Man ist nur noch ein Rädchen im System, im Hamsterrad, ohne jegliche Möglichkeit auf eine politische Einflussnahme.
    Eine Opposition findet nicht mehr statt, Wahlen bewirken nichts, die Medien versagen auf ganzer Linie, es bleibt nur noch Resignation, Wut und am Ende blanker Hass auf das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Establishment übrig. Ich habe endgültig fertig mit dieser Politik, mit diesem Geld- und Wirtschaftssystem und auch mit dieser Brot und Spiele-Gesellschaft ohne Rückgrat und Charakter, es lohnt sich nicht mehr, es ist absolut sinn- und aussichtslos, weiter für eine gerechtere Welt zu kämpfen, es wird sich nichts mehr zum Positiven verändern. Die Welt bräuchte Frauen und Männer, die nicht gekauft werden können, die ihre Versprechen halten, die Charakter über Geld und Macht stellen, die eine Meinung und Willen besitzen, die innere Größe über äußere Karriere stellen, die nicht zögern, Glaubensschritte zu wagen, die ihre Identität nicht in der Menge verlieren, die ehrlich im Kleinen wie im Großen sind, die keinen Kompromiß mit Falschheit eingehen, deren persönliche Ambitionen nicht auf persönliche Vorteile eingeschränkt sind, die nicht sagen: "Wir machen es, weil alle anderen es auch machen", die ihren Freunden bei Erfolg und Mißerfolg treu bleiben, die nicht glauben, daß Raffinessen, Tricks und Berechnungen die einzigen Schlüssel zum Erfolg sind, die sich nicht schämen, für die Wahrheit zu stehen, auch wenn sie unpopulär ist, die mit Entschiedenheit "nein" sagen können, auch wenn alle Welt "ja" sagt. WO SEID IHR???

  • Hoffentlich fällt es den "Unbedarften" [Sie haben Recht, das ist die traurige Mehrheit der Deutschen] so stark auf, dass nicht mehr 2/3 der Wählerschaft mit der Politik der Kanzlerin einverstanden ist, und Parteien der GroKo wählt. Ich gebe zu, es ist derzeit sehr schwer, eine Partei zu finden, die gegen die verheerende Euro-Rettungspolitik ist.

  • Frau Merkel hüllt sich in Schweigen. Das hat sie hat sie inzwischen gelernt und vollständig verinnerlicht, zu wichtigen und fundamentalen Fragen nichts oder Nichtsagendes von sich zu geben

    Das sedierende Element in Merkels Politik ist derart ausgeprägt, dass es sogar politisch Unbedarften auffällt, mit deren Unbedarftheit Merkel. auf eine Weise korrespondiert, die eine tiefe Wahlverwandtschaft vermuten lässt.

  • Eine Volksvertretung sieht anders aus!

    Bereiten die großen "Volksparteien" wieder einmal den Zulauf zu den "Braunen" vor?

    Deren Politiker sind später ohnehin wieder die gleichen wie zuvor.

    Tsipras in Deutschland würde jetzt schon die Größe jeden Platzes in Deutschland sprengen. Wann lernt das Volk eigentlich einmal den Umgang mit diesen Typen?

  • Mutti muss sich keine Sorgen machen, sie würde von 2/3 der Wahlberechtigten gewählt, egal für welche Partei sie kandidiert, deshalb ist sie auch immer so locker drauf. Drogen nimmt sie ja keine – der Michel vermutlich schon ;–)

  • Merkels Union leidet an Rettungs-Burnout"
    Starker Spruch und wahr.

  • da kommt mir noch eine Investmentidee:

    wie währe es mal mit einer Papierfabrik und/oder einem Farbenhersteller? - das können Sie dann dem Drucker-Draghi anbieten - der hat immens Bedarf um seine schönen Scheine zu produzieren - eine todsichere Sache!

    Ich gebe Ihnen gerne meine Kontonummer an - dann können Sie eine Provision überweisen und ich kann mir hoffentlich endlich auch einen Porsche oder ä. leisten.

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