Griechenland-Hilfen Deutsche Politik verliert die Geduld

Das Hilfspaket für Griechenland wackelt und den Verbündeten reißt der Geduldsfaden. Das Land müsse endlich mit Reformen erst machen, heißt es aus der Berliner Koalition. Andernfalls solle es die Euro-Zone verlassen.
Update: 04.09.2011 - 16:28 Uhr 36 Kommentare
FDP-Finanzepxerte Hermann-Otto Solms geht hart mit Griechenland ins Gericht. Quelle: dapd

FDP-Finanzepxerte Hermann-Otto Solms geht hart mit Griechenland ins Gericht.

(Foto: dapd)

BerlinIn der Koalition wächst die Sorge, dass das hochverschuldete Griechenland seine Reformversprechen nicht einhält und damit die Bemühungen um eine Rettung des Euro insgesamt gefährdet. Politiker aus Union und FDP zeigten sich am Wochenende beunruhigt über die überraschende Abreise einer Delegation der Geldgeber von EU, IWF und EZB aus Griechenland. „Der Abbruch der Gespräche zwischen der Troika und Griechenland ist ein Rückschlag für die Stabilität des Euro“, sagte FDP-Generalsekretär Christian Lindner in Berlin. Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach und der FDP-Finanzexperte Otto Solms legten Athen den Austritt aus der Euro-Zone nahe. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich dagegen zuversichtlich, dass eine Stabilisierung des Euro gelingen werde. 

„In Athen wird die europäische Solidarität ernsthaft gefährdet“, warnte Lindner. Die Steuerzahler in Nordeuropa und insbesondere in Deutschland könnten für „Unvermögen oder Unwillen“ der Griechen nicht geradestehen. Die Regierung in Athen müsse ihren Willen zur Stabilität und zu Reformen neu bekräftigen. „Beschwichtigungen oder Vertagungen sind für uns nicht mehr akzeptabel.“ Die Chefs von IWF und der Euro-Gruppe sollten daher umgehend nach Athen reisen, um verbindliche Erklärungen zur Erfüllung der vereinbarten Ziele einzufordern.

Außenminister Guido Westerwelle warnt Griechenland davor, bei seinen Sparbemühungen nachzulassen. Dem Bonner „General-Anzeiger“ sagte der FDP-Politiker: „Ich erwarte von Griechenland, dass es die eigenen Hausaufgaben bei den Reformen auch wirklich erledigt.“ Beschlüsse und Worte reichten nicht aus. „Nur Taten zählen“, mahnte Westerwelle.

Auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe und die CSU-Landesgruppenvorsitzende Gerda Hasselfeldt ermahnten Griechenland, die vereinbarten Reformen zügig umzusetzen. „Wer Hilfe erwartet, muss sich selbst verlässlich zeigen“, sagte Hasselfeldt dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Andernfalls setze Griechenland die weitere Unterstützung durch seine Euro-Partner aufs Spiel. „Europa will Griechenland helfen. Aber die griechische Regierung ist dann auch in der Pflicht, durch konsequente Sparanstrengungen und Privatisierungen die Voraussetzung für einen Erfolg der Hilfe zu erbringen“, sagte Gröhe der „Financial Times Deutschland“ .

Bosbach und Solms bezweifelten, dass Griechenland seine Schuldenprobleme am Ende aus eigener Kraft bewältigen wird. Das Land müsse sich deshalb überlegen, ob es im Euro-Raum bleiben wolle. „Wenn Griechenland sich für den Verbleib entscheidet, kann das Land nicht erwarten, dauerhaft massiv unterstützt zu werden“, erklärte Bosbach. Solms sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, Griechenland entwickle sich zu einem dauerhaften Unruheherd. „Deshalb ist zu überlegen, ob der Weg über eine Umschuldung und einen Austritt aus dem Euro nicht für die Währungsunion und Griechenland selbst die besseren Perspektiven bietet.“

Griechenland war als erstes Euro-Land an seinem Schuldenberg gescheitert und wurde im Mai 2010 nur mit einer Kreditzusage von 110 Milliarden Euro seiner Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds vor der Staatspleite gerettet. Als Gegenleistung versprach das südeuropäische Land Reformen und einen strikten Sparkurs. EU, IWF und EZB prüfen regelmäßig, ob die Regierung in Athen ihre Zusagen einhält, bevor weitere Tranchen überwiesen werden.

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36 Kommentare zu "Griechenland-Hilfen: Deutsche Politik verliert die Geduld mit Athen"

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  • @ Adof ...

    @ Adolf
    Soo ein Quatsch



  • @ Homburger,

    Griechenland erpresst uns nicht, Griechenland ist durch Bestechungen, auch und vor allem durch deutsche Firmen, in diese Lage geraten.
    Wenn die Volksmassen kaum genug zum Essen haben ist das Kürzen sehr schwer.
    Die Verleumdungskampagne die die deutsche Medien führen verleitet vielen zu falscher Schlüsse.


  • Griechenland bietet warme Worte, Absichtserklärungen und Beschlüsse, dafür bekommt es von Deutschland harte Euros.

    Wenn das kein cooler Deal ist!!

    Clever die Griechen!

  • Unsere Politiker verstehen das Wahlvolk nicht mehr. Ständig wird Griechenland ermahnt. Will denn kein Politiker sehen, das Griechenland uns erpresst? Sie haben fast nichts getan im letzten Jahr. Die Schulden steigen weiter. Sie zeigen uns nur einen politischen Sprachwillen aber keine Taten. Hier ein Vorschlag von mir. Alle Yachten sofort konfizieren. jeder Besitzer muss Herkunft, der Yacht, Bezahlung und somit seine Steuer nachweisen. Wer das nicht kann, dessen Yacht wird eingezogen und versteigert. Auch Italien kündigt nur an. Der MP ist nicht dumm. Er rechnet mit der Hilfe Deutschlands. Wer wird schon Italien fallen lassen? So geraten wir zwischen den Fronten. Wir als Deutsche sind Getriebene. Eine Lösung gibt es Raus aus dem Euro. Norwegen geht es doch mit der Krone gut? Warum soll es uns mit der Mark schlecht gehen?

  • Es wäre hilfreich wenn das Handelsblatt die gewünschte Reformen genau auflisten würde.
    Man wird das Gefühl nicht los dass hier Stimmung gegen Athen und andere überschuldete Länder gemacht wird.
    Die Problème der Eurozone resultieren aus dem Fehlen einer Fiskalunion für die Währungsunion.
    Eine gemeinsame Währung ohne Fiskalunion hat es nie in der Geschichte gegeben.
    Auch in der Schweiz gibt es eine Fiskalunion.

  • @Michael40

    Was wäre dabei der Vorteil für Griechenland?
    Wenn Griechenland die Eurozone verlässt bleiben die Schulden trotzdem in Euro!

  • Eine Möglichkeit den Schuldenberg Griechenlands zu senken wäre dass Deutschland die an Griechenland verkaufte Rüstungsgüter zurück nimmt und Athen das Geld zurück gibt.

  • Es ist besser, wenn Griechenland den EURO-Raum verläßt, da es derzeit weder politisch in der Lage ist, die Sparversprechungen einzuhalten. Eher gewinnt man den Eindruck, das Griechenland nur versucht, von den anderen EU-Mitgliedsländern möglichst viel Geld herauzupressen.

    Zudem ist die dauerhafte Beunruhigung des EURO durch den Fall Griechenland sehr negativ für den EURO an sich.

    Hinzukommt das sich griechische Vorgängerregierungen durch Meldung falscher Haushaltszahlen den EURO erschlichen haben und daher nicht in den EURO gelangt wären, wenn damals die wahre Haushaltslage Griechenlands bekannt gewesen wäre.

    Daher es ist besser für den EURO, wenn Griechenland den EURO-Raum verläßt. Zudem dürfte dann bei eigener Währung durch eine dann mögliche Abwertung der griechischen Drachme eher der Wirtschaft Griechelands geholfen sein, wie dies beispielsweisee der Weg Argentiniens vor Jahren gezeigt hat. Besser ein jetzt ein grosser Schrecken, indem Griechenland aus den EURO hinausgeht, als ein jahrelanger Schrecken ohne Ende, indem Griechenland den EURO belastet und seine politischen Versprechungen nicht gegenüber den anderen EU-Ländern einhält.

  • Die EZB hat Griechenland benahe unbegegrenzt und zu Minizinsen auf 30 Jahre zugesagt. Warum also sollten sie noch sparen - die würden doch spinnen, die Griechen ...

  • so kann man einem land nicht helfen. bitte an 1929 -1931 denken und entsprechend handeln. es muss ein augeklügelter langzeitplan her. kurzfristiges handeln hilft hier nicht. die binnenwirtschaft geht vor die hunde. raus aus dem euro mit unterstützung der eu. dann wird es langfristig klappen. unterstützung, unterstützung und nochmals unterstützung. kann natürlich einige milliarden kosten, aber es zerreisst die eu nicht!!!

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