Griechenland-Insolvenz Röslers gefährliches Spiel mit dem Euro

Mit seinen Äußerungen zu einer möglichen Griechenland-Pleite sorgt FDP-Chef Rösler für Unmut in der schwarz-gelben Koalition. Kritiker aus der Union werfen ihm vor, die Euro-Krise weiter zu verschärfen.
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Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Roesler (FDP). Quelle: dapd

Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Philipp Roesler (FDP).

(Foto: dapd)

Die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist im politischen Geschäft ein wertvolles Gut, über das Philipp Rösler nicht immer im Übermaß verfügte. Zu unauffällig sei der neue FDP-Chef, monierten Kritiker. Das ist vorbei. Mit seinem Nachdenken über eine Insolvenz Griechenlands wagte Rösler einen Tabubruch, und nun trifft ihn aus allen Richtungen die volle Wucht der Kritik. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) distanzierte sich am Dienstag öffentlich von ihrem Vizekanzler. 

Immer deutlicher lässt die Euro-Schuldenkrise die Bruchstellen in der schwarz-gelben Koalition hervortreten. Die Rebellen gegen den Euro-Rettungsschirm gewinnen in der FDP immer mehr Mitstreiter. Wenige Tage nach dem Start ihrer Kampagne gegen den dauerhaften Euro-Rettungsschirm haben sie fast 900 Unterschriften für einen Mitgliederentscheid zusammen. Nach einem Bericht von „Welt Online“ gingen im Büro des Bundestagsabgeordneten Frank Schäffler bis zum Dienstagmorgen 857 Unterschriften ein. Um einen Mitgliederentscheid zu erzwingen, sind etwa 3300 Unterschriften nötig. Schäffler will diese Zahl bis Ende September erreichen. 

Merkel warnt vor Kontrollverlust

Die Euro-Skeptiker wollen die Einführung des permanenten europäischen Rettungsschirms ESM ab 2013 verhindern. Der Bundestag soll im Dezember über den ESM abstimmen. 

FDP-Generalsekretär Christian Lindner hatte Schäffler & Co. vorgeworfen, keine Alternativen zu präsentieren. Die FDP stehe klar zum Euro: „Wir werden die Grundausrichtung der FDP als proeuropäische, aber auch europa-rationale Partei nicht in Zweifel ziehen lassen. 

Merkel erteilte ihrem Wirtschaftsminister eine Lektion in Wirtschaftspolitik. „Was wir nicht brauchen können, ist weitere Unruhe auf den Finanzmärkten, die Unsicherheiten sind schon groß genug“, sagte sie im RBB-Inforadio. „Deshalb sollte jeder auch seine Worte sehr vorsichtig wägen.“ Merkel warnte für den Fall einer griechischen Insolvenz vor einem Domino-Effekt, der andere schwache Euro-Staaten mitreißen könnte. Auch Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) warnte im ZDF davor, „die Nervosität durch Gerede zu verstärken“. Den Namen Rösler erwähnten beide nicht. Doch es war klar, wer gemeint war. 

Deutlicher wird der finanzpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Klaus-Peter Flosbach. Er äußert sich besorgt über mögliche Folgen der von Vizekanzler Philipp Rösler (FDP) angestoßenen Debatte über einen möglichen Staatsbankrott Griechenlands. „Wir sollten uns auf das besinnen, was umsetzbar ist und zur Lösung der Krise beiträgt. Alles andere verstärkt nur die Unsicherheit“, sagte der CDU-Politiker Handelsblatt Online. Man könne es nicht oft genug wiederholen, dass die Lösung der Krise bei unseren griechischen Nachbarn liege, fügte Flosbach hinzu. Sie müssten ihre Hausaufgaben erledigen. „Dann wird es auch nicht zu den Ansteckungseffekten kommen, die mit anderen Lösungsvorschlägen verbunden sind.“ 

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65 Kommentare zu "Griechenland-Insolvenz: Röslers gefährliches Spiel mit dem Euro"

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  • Griechenland ist eine Demokratie. Deren gewählte Vertreter haben den Willen des Volkes umzusetzen. In Monarchien oder Diktaturen können solchen Maßnahmen gegen den Willen des Volkes umgesetzt werden, in Demokratien per Definition nicht.
    Der Wille des griechischen Volkes zur Sanierung seiner Finanzen ist in den letzten Jahren nicht erkennbar.

    Und wenn Hr. Rösler vernünftigerweise zum Ausdruck bringt, das eine "Rettung" gegen den Willen der griechischen Demokratie per Definition nicht erfolgreich sein kann, so hat er mehr Verstand an den Tag gelegt als ein Großteil seiner Kritiker.

    Die EU kann gerne viel Wasser in den Eimer "Griechenland" schütten - aber Griechenland muss zunächst selbst zeigen, dass der Eimer auch dicht ist.

  • Die Zeit ist uns noch nicht davongelaufen: Zeit ist den "Zeitgebern" davongelaufen, weil die sich systematisch an ihre eigene Insolvenzverschleppung heranarbeiten bei Warten auf den Steuerzahler.

    So wird ein Schuh draus.

    Ich finde, die Merkel-Administration macht das schon ganz richtig.


    Nun hängt mich doch auf am bande...

  • Antwort: die Zeit ist uns schon davongelaufen, noch etwas auf den Rettungsweg zu bringen. Die Komplexität des So weil bisher so,der sich anbahnenden Ereigniskette wurde nicht erfaßt, nicht begriffen.Auch jetzt noch nicht.
    Nun sind wir mit dem Latein am Ende.

    Wenn etwas falsch ist, dann ist es so, nur in diesem Kontext ist es fatal.

  • ZZt wird auf Zeit gespielt, aber was über Jahre versäumt wurde, einer falschen Ideologie weltweit folgend, kann nicht so schnell auf Knopfdruck bereinigt werden, als es nötig wäre.Wir steuern auf ein Chaos zu.

    Die Wirtschaftswissenschaften, man sollte die besser nicht als solche bezeichnen, weil nicht exakte Wissenschaften, nur auf Annahmen und ideolog. Modellen fußend, sollten sich mal der Chaostheorie widmen, denn solche Szenarien kommen bei denen nicht vor, sind nicht einmal angedacht.
    Die Natur aber funktioniert so. Wir wollten besser sein. Nun stehen sie vor einem unlösbaren Dilemma.

    2007-2008 war noch zu bewältigen, jetzt aber sind die Staaten selbst dran und die vorangegangene Krise ist nicht einmal abgeearbeitet, man denke an die bad banks.
    Vom Himmel wird kein Gold regnen und keine Erleuchtung.

    Das kurzfristige Flicken an allen Orten verhindert nicht den totalen Verschleiß von allen Ideologieen, die spätestens jetzt obsolet geworden sind.
    Wachstum wurde nur durch Neuverschuldung kreiert, die Grenzen des Wachstums ignorierend, und die waren bereits in den 70-ern bekannt.
    Man hat sich darüber hinweggesetzt, weil man schlauer sein wollte, Kreationismus übelster Art. Und nun??

  • Gerade die Finanzmärkte und die ach so bösen Spekulanten sind es derzeit, die den Politikern einheizen, ihren Irrsinn zu beenden. Und natürlich können Staaten pleitegehen. Dann ziehen sie, wie bereits jetzt in Deutschland durch klammheimliche Enteignung und direkte und indirekte Steuern und Abgaben (z.B. kommunale) in Räubermanier los und plündern die Bürger aus. Am gelackmeiertsten sind die Rentner, die Inflation + ständig steigende Kosten nicht mehr per steigendem Lohn auffangen können. Der Blödsinn, den Sie da verzapfen, ist hahnebüchen. Vermutlich gehören Sie zu den Sozialhilfeempfängern, die nicht an ihren Gehaltszetteln und Steuererklärungen sehen, wieviel bei ihnen abgezockt wird.

  • ich würds tiefer hängen.
    Alles noch etwas komplexer geworden imao - indes nicht so komplex, daß man sie nicht aufdröseln könnte die probs.
    Krisenbewältigung beginnt imao dort, wo man die einzelprobs zunächsteinal erfaßt wir ein buchhalter, und sich dann erst so etwas wie ein bild über die gesamtsituation erlaubt.

    Da Staat entweder als Milchkuh verstanden wurde, oder aber als Moloch - was beides nicht stimmt imao - gilt es, ersteinmal die angehäufte komplexität ersteinmal zu sichten.

    Die Nutznießer der Komplexität sind ja voll auf ihre Gewinne gekommen und die von denen vorgegebene n Zeitschienen haben sich als das erwiesen was sie sind: Erpresserszenarios.

    Nun sitzen wir da und die machen weiter auf Zeitdruck: weil die kurz vor der Insolvenzverschleppung stehen - ich laß das mal ganz offen, wer da vor der Insolvenzverschleppung steht.

    Man sollte sich imao nicht dem Zeitdruck dieser Leute unterwerfen, den die da aufmachen, um fortfahren zu können, wie sie es bislang gemacht hatten.


    btw: excellence governance: das thema ist objektiv vom tisch: die hatten das generiert, ohne sich darüber gedanken zu machen was daraus wird.

    die menschen sollten sich zeit nehmen für die lösungen jener probs, die die gierhälse vom staate nimm angerichtet haben.

    immer dran denken: wir haben Zeit, nicht die - andernfalls werden die vor dem europäischen gerichtshof in den haag landen.

  • Leute, egal wer jetzt als Erster Wahrheiten ausspricht, und das ist noch längst nicht alles, was auf uns zukommt, wir versinken, auch weltweit, in einem Desaster, was auch ein Rösler sich nicht vorstellen mag, alles zu kurz gedacht.

    Die Verschuldungsproblematik ist derart immens und niemand hat weder eine kurz- noch langfristige Lösung, die mathematisch auch nicht machbar ist, außer der ganz große Knall passiert demnächst letztlich, kann vielleicht noch eine Weile prolongiert werden, aber dem sich wohl kaum jemand entziehen kann.
    Wir sind auf Gedeih und Verderb in eine Schuldengemeinschaft eingebunden incl. USA und bereiteten uns das eigene Grab, weil letztendlich Staaten niemand mehr retten kann, die Retter zuvor selbst mit untergehen.
    Die Hybris wird ihren Tribut einfordern, selbst die ganz normalen Geldmarktgesetze wurden mehrfach unterlaufen.

    Die angedachte Machbarkeit aller Krisenbewältigungen hat ihr Ende gefunden.

    Erstmals bündeln sich Einzel-Krisen zu einer gewaltigen Kraft einer Implosion.

  • @Popper

    Oh je wie lange wollen sie hier noch den Stiglitz geben?
    Gibt es nicht andere Threads, wo sich gescheiterte Ökonomie-Phantasten die Träumereien vom Reichtum via Notenpresse um die Ohren hauen?. Verschonen sie uns!

  • Was will denn so ein total rechts verblendetes Neonazi-Schwein wie Sie hier im Handelsblatt ?!

  • Und gehievt werden Segel.
    Nicht Menschen.

    Menschen "hieven" nannte man früher kielholen....

    Kielholen wiederum hatte C.S. Forester ganz brauchbar beschrieben: jemanden über Bug am Seil unter Wasser über die gesamte Schiffslänge bis zum Heck zu ziehen vice versa: hing ganz vom captain ab: Sie Skipper^^

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