Griechenland-Krise „Es wird ein viertes Hilfspaket geben“

Einigung ja, Aufatmen nein: Deutsche Ökonomen sehen die Grundsatzeinigung der Geldgeber mit Athen kritisch. An ein Ende des „Griechenland-Dramas“ glauben sie nicht. Auch in der Politik rumort es gewaltig.
Update: 11.08.2015 - 18:36 Uhr 20 Kommentare
Das Paket ist zwar nicht fertig geschnürt – doch ein wichtiger Punkt nun abgehakt: Bei den Haushaltszielen machen die Gläubiger den Griechen Zugeständnisse. Es bleibt das Problem: Noch stehen die Reformen nur auf Papier. Quelle: dpa
Euro-Skulptur vor EZB

Das Paket ist zwar nicht fertig geschnürt – doch ein wichtiger Punkt nun abgehakt: Bei den Haushaltszielen machen die Gläubiger den Griechen Zugeständnisse. Es bleibt das Problem: Noch stehen die Reformen nur auf Papier.

(Foto: dpa)

Düsseldorf/BerlinDer erste Schritt ist getan in den Verhandlungen über ein drittes Rettungsprogramm für das krisengeschüttelte Griechenland. Eine „Grundsatzeinigung“ sei „auf technischer Ebene“ erzielt worden, sagte eine Sprecherin der Brüsseler EU-Kommission am Dienstag. Es seien aber noch Details zu klären.

Ökonomen und Politiker stehen dem vermeintlichen Erfolg allerdings kritisch gegenüber. Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) in der Hans-Böckler-Stiftung, glaubt, ein viertes Schuldenpaket sei unvermeidbar. DIW-Chef Marcel Fratzscher geht von einem Schuldenerlass noch in diesem Jahr aus und Commerzbank-Chefökonom Jörg Krämer warnt: „Das Griechenland-Drama ist noch lange nicht beendet.“

Die Vertreter der vier Institutionen – der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank (EZB), des Internationalen Währungsfonds (IWF) und des Euro-Rettungsschirms ESM – hatten sich in der Nacht zu Dienstag auf die Haushaltsziele für dieses und die kommenden drei Jahre geeinigt.

Nach Angaben aus Regierungskreisen wird Griechenland von seinen internationalen Geldgebern Hilfen von rund 85 Milliarden Euro innerhalb von drei Jahren erhalten. Die Banken des Landes sollen kurzfristig mit zehn Milliarden Euro gestützt werden. Athen darf 2015 ein Primärdefizit (ohne Schuldendienst) von 0,25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) erwirtschaften. Im kommenden Jahr soll das Haushaltssaldo ohne Schuldendienst 0,5 Prozent des BIP ausmachen und in den beiden folgenden Jahren 1,75 und 3,5 Prozent.

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, äußert trotzdem deutliche Zweifel am Reformwillen der griechischen Regierung. Auf dem Papier lese sich die Vereinbarung über ein drittes Hilfspaket gut. „Aber nach zwei gescheiterten Hilfspaketen bezweifele ich, dass die geforderten Reformen nach der Verabschiedung im Parlament in der Breite umgesetzt werden", sagte Krämer dem Handelsblatt. 

Die Staatengemeinschaft könne ein Land nicht zu Reformen zwingen, wenn eine „tiefere Einsicht in die Notwendigkeit dieser Reformen" wie in Griechenland fehle, sagte Krämer weiter. „Und selbst wenn die Regierung die Reformen in der Realität umsetzen wollte, bräuchte sie dazu eine loyale und effiziente öffentliche Verwaltung, die es in Griechenland nicht gibt. Das Griechenland-Drama ist noch lange nicht beendet.“

„Schuldenerleichterung noch in diesem Jahr“
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20 Kommentare zu "Griechenland-Krise: „Es wird ein viertes Hilfspaket geben“"

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  • Wer intellektuell begriffen hat, wie etwas funktionieren könnte, braucht lange nicht befähigt sein, dieses auch praktisch umzusetzen. Arbeitsteilung und Spezialisierung sind manchmal taube Blüten. "Wachstum"? Wenn dies nicht die statistische Messung von Erlössummen bedeutet, kann kein Mensch sagen, was das ist.
    Wenn Bedarf und Befriedigung eine Sättigung erfahren, ist Wachstum gleichbedeutend mit Verschwendung oder treffender: mit Schädigung.
    Als Konstrukt: Wenn das Weltbedarfsvolumen durch Leistungen summarisch gedeckt wäre, würde die ungleiche Verteilung von Mangel und Überfluss führen. Wenn nur regional der Mangel durch reginales Wachstum abgestellt werden soll, erhöht sich der Gesamtüberschuss, also die Verschwendung. Eine neue "Blase" wäre zum Platzen gereift.
    Durch welche Produkte und Dienstleistungen könnte also Griechenland "wachsen", die nicht in Konkurrenz zu Dumpingpreisen eines Überschusses stehen?
    Der "Export" von Tourismus steht im Wettbewerb zu den Nachbarländern und konträr zu den damit verbundenen Importpflichten von Waren und Gütern.
    Die Binnenproduktion der für den Tourismus benötigten Waren und Güter müsste aber vorfinanziert werden und einen Preiswettbewerb gewinnen. Werden Überschüsse verramscht geht es nur um RefinanzierungsAnteile und nicht um den Zwang zur Kostendeckung. Keine Chance für Griechenland.
    Bleibt die Binnenwirtschaft. Angebote vs. Kaufkraft. Infrastruktur vs. zusätzliche Erlöse.
    Und über allem soll noch der Erlösbonus zur Kredittilgung liegen? Sehr zweifelhaft.

    Das ist die theoretische Ebene der Ökonomen.
    Die praktische Ebene liegt in der Verantwortung von Unternehmern.
    Die fühlen sich aber von der regulativen Ebene der Politik gegängelt. Wer soll der Politik vertrauen?
    Erst wenn Politik das Risiko der Verlässlichkeit eingeht, geht der Unternehmer das wirtschaftliche Risiko ein. Den theoretisierenden Ökonomen braucht kein Mensch.

  • Die Chefökonomen der Banken, der EZB, des IWF usw. sowie der Wirtschaftsexperten der Medien und Nachrichtenagenturen haben also bis heute keine Ideen, wie die Wirtschaft in Griechenland wieder wachsen kann. Griechenland braucht doch nur 10 Prozent jährlich wachsen, damit es 2023 ein BIP von 350 Milliarden Euro erzielt. Bei gleichbleibenden Staatsschulden läge der Schuldenstand unter 100 Prozent und die Schuldentragfähigkeit wäre wieder hergestellt. Das ist doch ganz einfach. Warum versteht das denn keiner der Experten?
    Die Frage, die Beantwortet werden muss. lautet deshalb ganz einfach: Wie kann so viel Geld von privaten Investoren, Banken, Versicherungen, Fond und Privatpersonen bzw. Unternehmen akquiriert werden, damit 10 Prozent Wachstum jährlich erreicht werden. Werden diese Frage Banken Versicherungen, Fonds und Privatpersonen nicht beantworten können?

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

  • Welche hahnebüchen Vorstellungen von "Hilfspaket" für Griechenland.
    Griechenland ist Nettogeldempfänger aus den Jahreshaushalten der EU. Seit dem Beitritt zur EU1981 erhält Griechenland "Hilfspakete" Das wird auch in den nächsten Jahren nicht anders werden. Es geht also nicht um ein drittes oder viertes Hilfspaket, sondern um das um das 38., 39., 40. usw. usf.

  • Solche nachhaltigen und teueren Entscheidungen können an jedem bayerischen Stammtisch objektiver gefällt werden!!

  • ...man kann die illegalen monetären pseudo-Rettungsversuche auch als Meineid
    auslegen. (...und Schaden vom dt. Volk fernhalten).

  • Zwei Dinge sind sicher :
    1.Das dritte Hilfspaket war nicht das letzte.
    2.Die griechische Bevölkerung hat außer höheren Schulden nichts von dem Hilfspaket und allen anderen.Griechenland wird die Schulden nie (NIE) zurückzahlen können.

  • Genau das ist der Plan: Der deutsche Michel wird der Depp sein,der alles zahlt.

  • @ Herr Cal Andersen
    Der Euro ist in der Tat gescheitert. Er ist daran zugrundegegangen, dass man alle Regeln ueber Bord geworfen hat. Der Euro haette eine ausgezeichnete Waehrung sein koennen.

    Oft behauptet, selten begruendet: Jeder Wirtschaftsraum braucht seine eigene Waehrung. Das ist falsch. Im Handel zwischen Wirtschaftsraeumen kommt es nur auf die realen Austauschverhaeltnisse an. Wieviel Tonnen Oliven kostet ein VW Golf? Oder wieviel Kilogramm Kupfer kann man fuer bestimmtes Paar Adidas Schuhe kaufen? Gold hat im Handel zwischen Nationen jahrhundertelang die Rolle gespielt, die heute von Papier- und Giralgeld eingenommen wird.

    Zins- und Liquiditaetsmanipulationen oder gar Abwertungen sind ein beliebtes Instrument verantwortungsloser Regierungen, die Folgen ihrer Misswirtschaft zu verschleiern. Wirtschaftlich notwendig sind sie nicht. Warum sollten wir in einer Waehrungszone denn keine unterschiedlichen Inflationsraten oder Zinssaetze haben? Warum sollten in einem Wirtschaftsraum die Investitionen denn nicht dahin fliessen, wo sie die meiste Rendite erwirtschaften, das Geld dahin, wo es die meisten Zinsen bringt? Warum sollten sich die Zinsen denn nicht am freien Markt bilden entsprechend dem Kreditausfallrisiko? Warum sollte ein Staat der Misswirtschaft betrieben hat denn nicht in die Insolvenz gehen?

    Der Euro ist gescheitert, weil Politiker nicht ohne die erwaehnten Manipulationsinstrumente leben wollen, mit denen sie ihre Wahlstimmen kaufen.

  • Es wird ein viertes Hilfspaket geben ?? Na hoffentlich NICHT!
    Man mag sich ja fast schon nicht mehr zu diesem Thema äußern.
    Jeder Fachmann und interessierte Laie WEIß (!) doch, dass auch das bevorstehende dritte Paket NICHTS bewirken wird - ja, vielleicht Zeitgewinn.!
    Man sollte doch Realist sein und GR so akzeptieren wie es ist, in seiner Haltung zum Geld, seiner eigenen - durchaus auch sympathischen südländischen Mentalität - usw usw.
    Am Ende wird ein Schuldenmoratorium (im Zuge einer Schuldenkonferenz ) herauskommen mit Frist bis zum St.Nimmerleinstag. Dann könnten die Geberländer / Gläubiger ihre heutigen Forderungen bilanzschönend über 100 Jahre strecken (mit Schuldenschnitt nach 450 Jahren). Und dann würde gleichzeitig wieder die Drachme eingeführt, damit das Land selbständig eigene Schulden machen kann und nicht - wie heute - Andere für die Misere in Haft nehmen kann. Amen

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