Griechenland-Krise Merkel lädt zu Treffen ins Kanzleramt

Die Kanzlerin bezeichnet die Griechenland-Krise als die größte Herausforderung seit der Unterzeichnung der Römischen Verträge 1957. Um dieser Herausforderung gerecht zu werden lädt sie zum Krisentreffen ins Kanzleramt.
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Angela Merkel hat zum Krisengespräch über Griechenland ins Kanzleramt geladen. Quelle: dpa
Bundeskanzleramt

Angela Merkel hat zum Krisengespräch über Griechenland ins Kanzleramt geladen.

(Foto: dpa)

BerlinDie Zuspitzung im Schuldenstreit mit Griechenland hat die Berliner Politik in Alarmbereitschaft versetzt. Angesichts einer drohenden Staatspleite in Athen lud Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Partei- und Fraktionschefs der Bundestagsparteien für Montag zu einem Treffen ins Kanzleramt. Vertreter der Koalitionsparteien machten aus ihrem Ärger über die griechische Regierung keinen Hehl. Linke und Grüne verlangten ein Eingreifen Merkels.

Europa stehe nun vor der "größten Herausforderung" seit Beginn des Einigungsprozesses mit den Römischen Verträgen von 1957, sagte Vizekanzler und SPD-Chef Sigmar Gabriel am Abend im ZDF. Merkel äußerte sich zunächst nicht öffentlich. Die Kanzlerin will die Chefs der Bundestagsfraktionen und Parteien am Montag um 13.30 Uhr über den Sachstand unterrichten, wie ihr Sprecher Steffen Seibert mitteilte. CDU/CSU, SPD und Grüne riefen ihre Abgeordneten für Montag zu Sondersitzungen der Fraktionen zusammen.

„Am Montag hat unser Land ein Treffen mit der Geschichte“
Naftemporiki
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Die konservative Wirtschaftszeitung weiß um die Bedeutung des Sondergipfels am Montagabend: „Alles endet... oder beginnt am Montag“, so „Naftemporiki“.

I Avgi
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Der Kommunikationskanal der regierenden Syriza-Partei ist um Unterstützung bemüht – und ruft daher zu einer Kundgebung am Sonntagabend auf dem Syntagma-Platz in Athen auf. „Wir akzeptieren keine weiteren Sparmaßnahmen. Die EU und unsere Gläubiger benehmen sich, als hätten im Januar in Griechenland keine Wahlen stattgefunden“, sagt „I Avgi“. Die Zeitung benutzt den Hashtag „#mazi“. Das heißt übersetzt „#gemeinsam“ und soll die Bevölkerung solidarisieren. Auf Twitter erzielen die Hashtags aber nicht die gewünschte Wirkung.

To Vima
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Die Wochenzeitung schreibt in ihrer aktuellen Sonntagsausgabe in großen Buchstaben: „Rettet Griechenland. Historische Verantwortung des Ministerpräsidenten.“ Auf Twitter berichtet „To Vima“ von „fieberhaften Sitzungen der Regierung“.

Kathimerini
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Die konservative Qualitätszeitung „Kathimerini“ spricht von „Stunden der Besorgnis für die Zukunft Griechenlands“. Auch Ministerpräsident Tsipras stehe in der Pflicht. „Es sind auch Stunden der Verantwortung für Alexis Tsipras. Er hat am 25. Januar die Verantwortung übernommen, Griechenland in der Euro-Zone zu halten. Und eben nicht nicht, das Land dort herauszuführen“, schreibt das Blatt weiter.

Eleftheros Typos
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„Keine weiteren Lügen“ betont das konservative Blatt „Eleftheros Typos“. Regierungschef Tsipras ist in Griechenland längst nicht mehr unumstritten. „Am Montagabend hat unser Land ein Treffen mit der Geschichte. Nicht die Gläubiger, sondern unsere Regierung und besonders unser Ministerpräsident haben uns zu dieser höchsten politischen Ebene geführt“, führt die Zeitung aus.

Makedonia
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Das besonders in Nordgriechenland gern gelesene Medium titelt in der Sonntagszeitung: „Die Kosten eines Austritts: Unerträglich“ – und geht im Anschluss auf die politischen, gesellschaftlichen und finanziellen Folgen für Griechenland und die Euro-Zone ein.

Ethnos
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Ein ähnliches Meinungsbild in der linksliberalen Tageszeitung „Ethnos“: „Einigung oder Abenteuer. Das Pendel am großen Montag.“

Am Abend telefonierte Merkel nach Angaben aus Washington mit US-Präsident Barack Obama. Beide hielten es übereinstimmend für "entscheidend wichtig", Griechenland auf einen Reformweg zurückzuführen und dabei in der Eurozone zu halten, erklärte das Weiße Haus.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte in der Nacht zum Samstag überraschend ein Referendum über die Vorschläge der Geldgeber angekündigt. Die Finanzminister der Eurozone warfen Tsipras daraufhin vor, einseitig die Verhandlungen abgebrochen zu haben, und entschieden, das am Dienstag auslaufende Hilfsprogramm nicht zu verlängern. Ohne frisches Geld droht Griechenland der Bankrott. Für diesen Fall bereitet die Bundesregierung bereits humanitäre Hilfsmaßnahmen vor.

Verärgerung und Unverständnis prägten die Reaktionen von Vertretern der großen Koalition in Berlin. Gabriel zeigte sich "entsetzt" über das Vorgehen der griechischen Regierung. Den Griechen seien "Angebote gemacht worden wie niemals zuvor", sagte er im ZDF. Von den Geldgebern zugesagt worden seien ein drittes Hilfsprogramm, die Bereitschaft zu einer Umschuldung und ein Wachstumspaket über 35 Milliarden Euro. Tsipras unterliege einem "Irrtum", wenn er ein besseres Angebot erwarte, sagte Gabriel.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) kritisierte die überraschende Ankündigung eines griechischen Referendums in der ARD als "wirklich sehr befremdlichen Weg", der ihn "einigermaßen fassungslos" mache. Noch schärfer fiel die Kritik von Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) aus: Das Vorgehen der Regierenden in Athen trage "absurde Züge", sagte Kauder der "Bild". "Sie führen ihr Land in ein Chaos."

Die Oppositionsparteien Linke und Grüne forderten eine Regierungserklärung Merkels. Die Kritik der Linken zielte vor allem auf die Kanzlerin. Fraktionschef Gregor Gysi erklärte: "Die Bundeskanzlerin ist dabei, einen schwerwiegenden Fehler zu begehen, wenn sie aus ideologischen Gründen ihren Crashkurs weiter fortsetzt." Grünen-Chefin Simone Peter warf der Kanzlerin Versagen vor. Merkels Sparkurs sei gescheitert, sagte Peter der "Saarbrücker Zeitung". Die Kanzlerin müssen nun "alles tun, um den Verhandlungsfaden wieder aufzunehmen". Die Grünen-Fraktionschefs Katrin Göring-Eckardt und Anton Hofreiter erklärten, die geplante Volksbefragung biete den Griechen nun die Möglichkeit, "das Nein ihrer Regierung zu korrigieren".

Sollen wir Griechenland im Euro halten?
Joseph Stiglitz
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„Ein wenig mehr Realitätssinn bei den Gläubigern könnte die Basis sein für eine Einigung, die nicht nur gut für Griechenland ist, sondern für ganz Europa.“

Joseph Stiglitz, Nobelpreisträger 2001

Paul Krugman
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„Die echte Gefahr für den Euro ist doch nicht, dass Griechenland nach dem Grexit abstürzt, sondern dass es Erfolg hat. […] Denkt darüber nach, ihr Gläubiger: Wollt ihr wirklich diesen Weg gehen?“

Paul Krugman, Nobelpreisträger 2008

Larry Summers
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„Eine Pleite Griechenlands und die Auswirkungen für Europa sind ein Experiment, das niemand ausprobieren möchte.“

Beatrice Weder di Mauro
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„Ein Grexit wäre ein monumentales Eigentor für Griechenland selbst. Ließe man diesen Präzedenzfall zu, könnte man als Konsequenz für die Euro-Zone schwer sagen, wie sich das auf andere Austritts-Spekulationen auswirken würde.“

Beatrice Weder di Mauro, Ökonomin und UBS-Verwaltungsrat

Marcel Fratzscher
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„Ein Grexit ist die denkbar schlechteste Option, sowohl für Griechenland als auch für Europa.“

Marcel Fratzscher, Präsident des DIW

Clemens Fuest
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„Die Regierung Tsipras wird sich auch an neu vereinbarte Auflagen nicht halten. […] Deutschland sollte über schon vergebene Kredite und die Konditionen verhandlungsbereit sein, aber keinesfalls neue Kredite vergeben.“

Clemens Fuest, ZWE-Chef und künftiger ifo-Präsident

Dennis Snower
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„Stattdessen sollten die Gläubiger den freiwilligen Austritt Griechenlands aus dem Euro 'erkaufen'. [...] Ein solcher Schritt wäre auch ein echter Neuanfang für die restliche Euro-Zone.“

Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft

Das Auswärtige Amt riet Bundesbürgern, sich vor einer Reise nach Griechenland mit ausreichend Bargeld zu versorgen: Es könne dort bei der Bargeldversorgung "zu erheblichen Wartezeiten" sowie zu "Engpässen beispielsweise bei der Ausstattung der Automaten mit Bargeld" kommen.

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1 Kommentar zu "Griechenland-Krise: Merkel lädt zu Treffen ins Kanzleramt"

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  • Die Kanzlerin steckt in ihrer größten Krise in ihrer Amtszeit. Am Ende muss sie abdanken! Deutsche und Russische Soldaten stehen sich wieder feindselig an Russlands Grenzen gegenüber. In der Ukraine dank Deutscher Einmischung ist Krieg. Kosovaren fliehen aus dem Kosovo nach Deutschland, weil seit der Deutsch Amerikanischen Anexion nichts posetives passiert ist. GR ist Pleite dank deutscher
    Hilfe und Milliarden die nur dazu dienten... Banken zu befriedigen, Der radikale Islam hat der Welt den Weltkrieg erklärt und Europa und Deutschland haben 10 000 tausende Gefährder ins Land geholt. Das Flüchtlingsdrama kennt nur eine Lösung. Alle Flüchtlinge nach Deutschland mit wenigen Ausnahmen. Der Osten Deutschland muss aufgefüllt werden um das Verhältnis 1zu 3 zu verändern.

    Aber GR wird überleben, der große Bruder USA wird GR nicht fallen lassen können. Dazu ist GR zu Systemrelevant was die militärische Option betrifft.

    Die Lösung wird sein, dass Amerika und die EZB den IWF auszahlt , die Schulden halbiert werden und der Rest für 30 Jahre zinslos eingefroren wird. Alles andere würde Europa destabilisieren und das wollen die USA sicher nicht.

    Deutschlands Problem in Berlin, hier haben 50 Leute die fast Unabwählbar sind das sagen. Weitere 50 in der zweiten Reihe. Alle anderen sind Abnicker und
    müssen sich den Fraktionszwang unterordnen.

    Daher 8 Jahre Kanzlerzeit und 12 Jahre Abgeordneten Zeit. Sonst wird der Bundestag als Dinoclub weiter bestehen wo man sich gemütlich gegen das eigene Volk eingerichtet hat.

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