Griechenland Merkels Basta kommt zu leise - und zu spät

Angela Merkel versucht, die Debatte über eine Griechenlandpleite an sich zu ziehen. Doch die Mahnung der Bundeskanzlerin wird verpuffen. In der Politik und an den Märkten. Ein Kommentar.
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Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag. Quelle: dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Bundestag.

(Foto: dpa)

Die Kanzlerin neigt nicht zu Schnellschüssen. In einer Koalition der Schnellredner ist das eigentlich auch gut so – in der Griechenland-Debatte jedoch fatal.

Seit Sonntag laufen Gerüchte durch Berlin, die Regierung sei so weit, eine geordnete Insolvenz Griechenlands in Kauf zu nehmen. Mehr noch, sie bereite sich aktiv darauf vor. Von Angela Merkel ist dazu nichts zu hören.

Dafür überbieten sich die kleinen Koalitionspartner mit Schnellfeuer-Aussagen: na klar, ein Bankrott des Schuldenstaats dürfe kein Tabu sein, nichts sei ausgeschlossen, lieber ein Ende mit Schrecken, tönt es aus der FDP und CSU. Und es sind nicht die Hinterbänkler, sondern die Parteichefs Seehofer und Rösler, die sich mit diesem Geplapper am Montag hervortun.

Die Kanzlerin schweigt. Die Märkte reagieren. Der Deutsche Aktienindex fällt kurzeitig unter die Marke von 5000 Punkten. Der Euro sackt auf 1,36 Dollar. Bankwerte stürzen europaweit. Merkel schweigt.

Erst heute morgen, inzwischen haben US-Präsident Barack Obama und Japans Premier Noda ihre Sorgen zu Protokoll gegeben, meldet sich die Kanzlerin – mit einem wohlformulierten, aber deutlichem „Basta“.

Ja, die Gefahr eines Übergreifens des griechischen Virus auf andere Länder sei groß, stellt sie klar. Und weiter:

„Deshalb sollte jeder seine Worte sehr vorsichtig wägen. Was wir nicht brauchen können ist Unruhe auf den Finanzmärkten. Die Unsicherheiten sind schon groß genug.“

Selbst das Klischee, dass Märkte vor allem Psychologie seien, fehlt nicht.

Wie wahr. Genau aus diesem Grund hätte die Kanzlerin längst dafür sorgen müssen, dass ihre Koalitionspartner und erst recht ihre Minister mit einer (besser noch: keiner) Stimme reden. Merkels Kritik richtet sich gegen den Vizekanzler, Wirtschaftsminister und FDP-Parteichef Philipp Rösler – doch trifft sie in erster Linie die Kanzlerin. Die Geschwätzigkeit der Kollegen war ein Fehler, ihr eigenes Schweigen auch.

Denn die Kanzlerin gibt die Richtung an. Und in der Sache liegt sie gar nicht soweit von den Dampfplauderern entfernt.

Der Staatsbankrott ist möglich. Geordnet oder ungeordnet.
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22 Kommentare zu "Griechenland: Merkels Basta kommt zu leise - und zu spät"

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  • @Zeitzeuge: ...nur zum Bierreinkippen...gut formuliert!traurig weil wahr, aber doch sehr unterhaltsam !

  • ich lese gerade beim Kopp Verlag, daß Griechenland zig Millionen aus dem EU-Rettungsfonds für einen Groß-Moscheebau ausgeben will - ich habe keine Worte mehr

  • Hoffentlich schweigt sie bald öffentlich für immer.

    Sie kann ja privat weiterreden, wenn sie vom Amt zurückgetre-
    ten ist.

  • Das Politgesülzes aus der Bundesregierung ist Schattenboxen und abartig zynische Volksverarschung. Die von Merkel, Schäuble und Konsorten angedachten, abgenickten oder vollendeten Tasachen stehen hier :
    http://www.zeit-fragen.ch/index.php?id=386

  • (Ab)Warten ist vielleicht auch nicht die kluge Empfehlung, mit solchen Angelegenheiten sinnvoll umzugehen, eher töricht, kurzsichtig und auch feige bis selbstverräterisch. Aber zu mehr reicht es eben bei den "Druchschnittsdeutschen" nicht, deren Verstand seit 1945 systematisch eingelullt und eingeschläfert wurde und bequem ist es auch noch bis zur letzen Sekunde, wenn die Fußballrübe nur zum Bierreinkippen benutzt wird...

  • Keine Sorge: Die OP ist angelaufen...

  • Die KFW ist genau die richtige Institution um so etwas zu beurteilen: Lehman ging Pleite und die Kollegen überweisen nochmal 300 Mio. Herzlichen Glückwunsch. So ein bullshit.

  • Bedenkt man, daß der einst ganz laut tönende Herr Juncker als Chef der EURO-Gruppe schon seit ca. sechs Wochen (bis auf einen kleinen Auftritt letzte Woche) von der Bildfläche verschwunden ist und sich wohl mit ganz anderen Aufgaben in seinem kleinen Großherzogtum rumschlägt, dann bekommt man einen Eindruck, wie es um die "EURO-Rettung" bestellt ist: Nur Frau Merkel und der ehrenwerte Herr Schäuble rudern noch mir den verbleibenen Kräften gegen den Strom der Wahrheit udn Realität, inzwischen auch ohne FDP und ohne CSU, über 50% der Bürger haben haben das Propaganda-Theater satt. Pris schweigt udn Rom such sein Heil bei den Chinesen. Herr Stark hat seinen Hut genommen und ob Herr Asmussen seinen neuen von Schäuble verodnenten Job überhaupt antreen wird, ist wohl eher fraglich. Mehr sage ich nicht: Wer Ohren hat zu hören und seinen eigenen Verstand gebraucht, weiß, was die Stunden geschlagen hat! Bürger, seid wachsam und vergeßt nicht: Wir sind das Volk und berufen uns auf Art. 20 GG!

  • Ein Kommentar bei dem der Kommentator anonym bleibt. Sensationell!!!

    Wenn man den Text dann ließt, weiß man auch warum:

    "Der Deutsche Aktienindex fällt kurzeitig unter die Marke von 5000 Punkten. Der Euro sackt auf 1,36 Dollar. Bankwerte stürzen europaweit. Merkel schweigt."

    Eine gute Finanzpolitik ist nämlich NICHT dazu da, DAX und EURO zu stützen und das sage ich, obwohl mir das als Aktionär auch ganz lieb wäre.

    Es gibt zahlreiche naive Journalisten, die einfach nicht zuende Denken und noch frech meinen uns Leser pro EUROWAHN manipulieren zu wollen. Dabei verstehen wir längst mehr:

    Wenn GR im Rahmen des Rettungsschirms pleitieren, wie SIE ja selbst sagen, dann sollten sie mal über die Konsequenzen nachdenken:

    Wer zahlt das? Wer wird gerettet?

    Es ist unschön, dass wieder einmal der Steurzahler die Schulden der Versicherungen und Banken zahlen sollen. Der LÄACHERLICHE Exportvorteil gegenüber Euroland von NUR 1 Mrd. € rechtfertigt nicht, dass wir dafür 200 Mrd zahlen.

    Zumal GR später weiter pleitieren wird, wenn sie im Euro bleiben. Habt Ihr im 1. Sem. VWL gefehlt??

  • Einigkeit? Recht? Freiheit?

    Eine unkontrollierte Zahlungsunfähigkeit Griechenlands müsse um jeden Preis verhindert werden, sagt Merkel. Weil die geordnete Insolvenz eines Euro-Landes erst 2013 möglich sei, setzt sie auf Insolvenzverschleppung. Für Rösler zählt dagegen eine geordnete Insolvenz Griechenlands auch kurzfristig zu den denkbaren Dingen, sofern es das, was es für Merkel grundsätzlich nicht gibt, ab jetzt nicht mehr geben darf: Denkverbote.

    Man wird sehen, wieviel in Deutschland grundsätzlich, in Kürze oder erst zur nächsten Bundestagswahl gedacht werden darf.

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