Griechische Forderung nach Entschädigung CDU-Außenpolitiker schlägt Kompromiss mit Athen vor

In Deutschland mehren sich Stimmen, die die griechischen Reparationsforderungen nicht als erledigt ansehen. Ein CDU-Außenpolitiker schlägt einen Kompromiss vor, um den Streit zwischen Berlin und Athen zu beenden.
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Im Krieg verübte die SS schlimme Massaker auch in Griechenland, zum Beispiel im Juni 1944 im Ort Distomo. Quelle: dpa
NS-Massaker im griechischen Distomo.

Im Krieg verübte die SS schlimme Massaker auch in Griechenland, zum Beispiel im Juni 1944 im Ort Distomo.

(Foto: dpa)

BerlinDer Obmann der Unions-Bundestagsfraktion im Auswärtigen Ausschuss, Roderich Kiesewetter, hält ein Entgegenkommen Deutschlands im Streit mit Griechenland über Reparationszahlungen für erlittene Schäden im Zweiten Weltkrieg für möglich. Juristisch betrachtet seien die Reparationsforderungen für ihn zwar seit den deutschen Reparationszahlungen 1960 und der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrags, den Griechenland ohne Einsprüche in der Pariser Erklärung aus dem Jahr 1990 anerkannt habe, abgeschlossen. „Dennoch könnten wir in geschichtspolitischen Debatten hinterfragen, ob wir den seit 2014 existierenden deutsch-griechischen Zukunftsfonds zum zivilgesellschaftlichen Austausch und Dialog verstärkt finanziell unterstützen sollten“, sagte Kiesewetter dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Der CDU-Politiker warnte jedoch zugleich davor, finanzielle Entschädigungsfragen in den Fokus geschichtspolitischer Debatten zu rücken. „Das könnte sich kontraproduktiv auf das geschichtspolitische Bewusstsein jüngerer Generationen in Deutschland auswirken.“

Gleichwohl sei festzustellen, dass die an der griechischen Bevölkerung begangenen Verbrechen des NS-Staats von 1941 bis 1944 unentschuldbar seien. „Wir sollten jeglicher Interpretation vorbeugen, die versucht, die deutschen Gräueltaten mit Hinweisen auf die gleichzeitige italienische und bulgarische Besatzung Griechenlands zu relativieren.“ Zudem müsse zwischen rechtlichen Interpretationen und moralischer Schuld unterschieden werden.

Der vom Auswärtigen Amt (AA) eingerichtete deutsch-griechische Zukunftsfonds hat im September vergangenen Jahres seine Arbeit aufgenommen. Mit einer Million Euro jährlich ausgestattet sollen die wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aktivitäten zur historischen Aufarbeitung der Weltkriegsereignisse gefördert werden.

Ziel ist es laut AA durch die Finanzierung einzelner Projekte eine „gemeinsame deutsch-griechische Erinnerungskultur“ zu schaffen und gegenüber den Opfergemeinden Zeichen der Versöhnung zu setzen. Die bislang nur wenig umfangreiche Forschung zur gemeinsamen Geschichte soll demnach ausgebaut werden. Zudem seien Beiträge zum Erhalt der jüdischen Gemeinde in Griechenland, vor allem in Thessaloniki, geplant.

Griechischer Präsident will alle rechtlichen Mittel ausschöpfen
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11 Kommentare zu "Griechische Forderung nach Entschädigung: CDU-Außenpolitiker schlägt Kompromiss mit Athen vor"

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  • Ich fürchte von diesen keiner - vielleicht Schäuble aber bestimmt nicht "Mutti" ... so los jetzt mit den Shitstorm :-)

  • Mein Vater kommt aus Ostpreußen und von 9 Kindern haben es nur 4 in den Westen geschafft. Gräuel an Deutschen ist ja nicht schlimm .... Massenvergewaltigungen, Exekutionen, Kinder die erschlagen wurden, Rheinwiesenlager, etc.

  • Es wird spannend zu sehen, welche Politiker noch genug Eier in den Hosen haben, um bei ihrem "NEIN" zu bleiben!

  • Geht es noch??? Was passiert mit Entschädigungen für Vertriebene? Hunderttausende "Deutschstämmige" wurden aus Ungarn vertrieben und zwangsenteignet. Sie hatten das Pech, dass sie Deutsche Vorfahren aus dem 16. Jahrhundert hatten (!!!) und erst seit 6 Generationen in Ungarn lebten. Interessiert das Ungarn heute noch? Ähnliche Beispiele gibt es mehr als genug! Leider verteilt die Deutsche Regierung zu gerne das Geld der Steuerzahler in aller Welt, sobald nur jemand annähern das N-Wort erwähnt! Die Interessen des Deutschen Volkes werden schon lange nicht mehr vertreten. Das Volk hat zwischenzeitlich die Interessen der Politiker zu vertreten!!! Quo vadis Deutschland?

  • meine Oma, aus Schlesien stammend, wurde vergewaltigt und ausgeplündert. 1946 (nach der Rückkehr von der Flucht) mit 4 kleinen Kindern genötigt Haus und Hof zu verlassen.
    Wohin kann sich mein Vater mit seinen Geschwistern wenden um hierfür eine Entschädigung zu erhalten?

    Und nicht zu vergesen: die Landwirtschaft, aus der meine Oma gebürtig war, ist ebenfalls ohne Entschädigung in fremden Besitz übergegengen.

  • Wenn sich Italien und Bulgarien den Reparationsforderungen anschließen ...
    Es ist irgendwann mal erledigt und das ist es! Sonst ist Deutschland immer und von vielen erpressbar!
    Was ist mit England, Frankreich, Portugal, Spanien, Niederlande, die in den Kolonien zig umgebracht haben und später blendend am Sklavenhandel verdienten?
    Was ist mit den USA und deren ganze Kriege, die nahezu Ausrottung der Indianer, der Sklaverei?
    Was mit Italien, die Griechenland angegriffen hatten und Äthopien überfielen und Giftgas einsetzen?
    Usw Usw

  • @V. Meinhardt
    Die deutsche Regierung hat niemanden zu etwas zu zwingen. Das einzige was die deutsche Regierung machen kann, ist den Griechen keine Bürgschaften bzw. Zahlungen mehr zu leisten. Und Griechenland gleichzeitig den Austritt aus dem EURO nahe zu legen. Griechenland kann die "EURO Party" einfach nicht mehr zahlen und damit muss Griechenland eben diese Party verlassen und mit der Drachme ihre eigene Party auf die Füsse stellen. So einfach ist das!

  • Unabhängig davon, ob Reparationszahlungen juristisch und/oder moralisch gerechtfertigt sein mögen, gibt es zwei Punlkte zu bedenken:

    1. Das Geld landet nicht bei den einfachen griechischen Bürgern, sondern bei der nicht steuerzahlenden griechischen Kleptokratenklasse, die ihr eigenes Volk ausraubt. Die Zahlungen würden daher nur das schon jetzt enorme, weitgehend durch Steuerhinterziehung erworbene griechische Vermögen in der Schweiz (800 Milliarden Euro laut FAZ vom 15.3.15) weiter vergrößern. Ob das der Sinn von "Reparationen" wäre, wage ich zu bezweifeln.

    2. Man kann mit der griechischen Regierung keinen "Deal" schließen. Was immer heute vereinbart wird und wie gut auch immer es gemeint sein mag, morgen gilt kein Vertrag mehr und es kommen die nächsten Forderungen aus Athen. Das ist ein Fass ohne Boden!

    Gutmenschentum hilft hier nicht weiter. Wir haben es (leider) mit Erpressern zu tun. Die werden durch Zahlungen nur weiter animiert. Traurig, aber so ist es. Es wird Zeit, dass die deutschen Politiker vom moralischen Wunschdenken wegkommen und die griechische Regierung zu Reformen zwingen, statt mit wechselnden Begründungen immer neue Schlupflöcher/Ausflüchte zu öffnen. Dem griechischen Volk helfen nur Reformen und ein Staat, der von Steuern nicht nur redet, sondern sie auch eintreibt. Weitere "Hilfen" von außen verhindern Reformen und helfen daher der griechischen Bevölkerung gar nicht.

  • ...des AA fallen, wo die deutsche Aussenpolitik gemacht, bzw. umgesetz wird, und zar allenfalls nach Vorgaben des Kanzleramtes und nicht nach "Ideen" eines Bundestagsabgeorndeten, selbst wenn dieser im Auswärtigen Auschuss sitzt. Oder aber, Herr Kiesewetter muss seine Vorschläge klar und deutlich als "Gedanken" kennzeichnen.

  • Wenn der sog. dt.-gr. Zukunftsfons vom Auswärtigen Amt eingerichtet wurde, dann sollten Überlegungen, wie sie von Herrn Kiesewetter vorgetragen wurden, auch allein in die Zuständigkeit vom AA

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