Große Koalition Gabriel muss Job als Außenminister aufgeben – auch Hendricks ist raus

Sechs Minister stellt die SPD im neuen Kabinett. Noch-Außenminister Sigmar Gabriel wird nicht dazugehören. Gleiches gilt für Barbara Hendricks.
Update: 08.03.2018 - 16:17 Uhr 42 Kommentare
SPD: Sigmar Gabriel muss seinen Job als Außenminister aufgeben  Quelle: dpa
Sigmar Gabriel

Sigmar Gabriel wird der neuen Regierung nicht angehören.

(Foto: dpa)

BerlinEr hatte Gefallen an seiner Aufgabe gefunden – und muss sein Büro im Außenministerium doch räumen. „Andrea Nahles und Olaf Scholz haben mich heute darüber unterrichtet, dass ich der nächsten Bundesregierung nicht mehr angehören werde“, teilte Sigmar Gabriel in einer persönlichen Erklärung mit.

Er selbst dürfte sich auch nur noch vage Hoffnungen auf einen Ministerposten gemacht haben, gilt sein Verhältnis zur designierten Parteichefin Andrea Nahles doch als belastet. Nahles hatte als SPD-Generalsekretärin immer wieder unter der Sprunghaftigkeit ihres Parteivorsitzenden Gabriel zu leiden.

Gabriel war in der letzten großen Koalition zunächst Wirtschaftsminister, Anfang 2017 übernahm er das Amt des Außenministers. Seitdem brachte er es zu großer Beliebtheit. Auch gelangen ihm einige Erfolge, wie etwa die Befreiung des deutschen Journalisten Deniz Yüzel aus türkischer Untersuchungshaft.

Dennoch hatte Gabriel zuletzt immer mehr an Rückhalt in der SPD verloren. Im Bundestagswahlkampf machte er dem Kanzlerkandidaten Martin Schulz das Leben durch seine Alleingänge schwer. Kein gutes Verhältnis pflegte Gabriel auch zum künftigen Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz, den Gabriel als SPD-Chef etwa bei der Erstellung eines Rentenkonzepts überging, obwohl Scholz damals im Parteivorstand für Rentenpolitik verantwortlich war.

Sowohl Scholz wie Nahles konnten sich daher kaum vorstellen, wie eine reibungslose Zusammenarbeit mit Gabriel innerhalb der künftigen Bundesregierung möglich sein soll.

Als Gabriel dann kürzlich auch noch seine Tochter Marie instrumentalisierte, um über Martin Schulz herzuziehen („Mann mit Haaren im Gesicht“) war für viele in der SPD die Schmerzgrenze endgültig überschritten. Daran konnte auch Gabriels nachträgliche Entschuldigung nichts mehr ändern.

„In meiner knapp 30 jährigen politischen Laufbahn hatte ich die Möglichkeit 18 Jahre für mein Land und für die SPD in leitenden Funktionen zu arbeiten“, erklärte Gabriel. „Es war eine spannende und ereignisreiche Zeit, die mir große Chancen und Erfahrungen eröffnet hat, die weit über das hinaus gingen, was ich mir als junger Mensch zu träumen gewagt hätte. Das war eine große Ehre, für die ich tiefe Dankbarkeit empfinde.“

Er sei nach wie vor direkt gewählter Abgeordneter des Deutschen Bundestages, „aber nun endet die Zeit, in der ich politische Führungsaufgaben für die SPD wahrgenommen habe“, teilte der Noch-Außenminister weiter mit. Gabriel als einfachen Bundestagsabgeordneten können sich in der SPD allerdings wenige vorstellen. Bereits in den vergangenen Monaten wurde Gabriel immer wieder mit Jobs in der Wirtschaft in Verbindung gebracht.

Nach Einschätzung des Bremer Politikwissenschaftlers Lothar Probst dürfte die Nicht-Nominierung Gabriels neue Unruhe in die SPD bringen. „Gabriel hat in seiner Partei und in der Bevölkerung, trotz seiner Sprunghaftigkeit, immer noch viele Befürworter und Unterstützer – zumal er als Außenminister deutlich an Profil gewonnen hat“, sagte Probst dem Handelsblatt. Die würden sicherlich mit der Entscheidung nicht zufrieden sein.

„Möglicherweise gehen noch mehr Leute im Umfeld der SPD in die innere Emigration und wenden sich von der Partei ab.“ Die Umfragewerte für die SPD würden dadurch jedenfalls bestimmt nicht besser werden. „Wie man es besser machen kann, hat Angela Merkel bei ihrer Zusammenstellung der CDU-Kabinettsmitglieder vorgemacht“, fügte Probst hinzu.

Auch Insa-Chef Hermann Binkert sieht Nachteile für die SPD nach der Entscheidung der Parteispitze gegen eine weitere Amtszeit Gabriels. „Die große Mehrheit der Deutschen und drei von vier SPD-Wählern wollten, dass Sigmar Gabriel Außenminister bleibt“, sagte der Chef des Meinungsforschungsinstituts dem Handelsblatt. „Das Ausscheiden von Gabriel aus dem Bundeskabinett wird deshalb überwiegend auf Bedauern stoßen.“

Interessant war, dass Gabriel in seiner Erklärung „meinem Nachfolger“ alles Gute wünschte. Die maskuline Formulierung könnte ein Hinweis darauf sein, dass Gabriels Nachfolger ein Mann wird. Gehandelt als künftige Außenminister werden unter anderem Heiko Maas und Thomas Oppermann. Aber auch Katarina Barley wird immer wieder genannt.

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42 Kommentare zu "Große Koalition: Gabriel muss Job als Außenminister aufgeben – auch Hendricks ist raus"

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  • Hallo Herr Caruso,

    Sorry, statt mir dieses Etwas, dass mit seinem ausgeprägtem Geruchssinn immer wieder in eine von ihm bevorzugte erschnüffelte Richtung schwirrt, weiter anzutun, habe ich mir eine braune Soße zubereitet – nennt sich Gulaschsuppe.

    Um Ihre Frage zu beantworten: Früher war er der Wahrheit näher – heute beschreibt er sein Handeln.

    In Kurzform würde ich meinen: Sein früheres Lieblingswort trifft nachhaltig zu und es war und ist der Schaum, der nur ständig überquillt.

  • Hallo Herr Kabus!
    Früher war das Lieblingswort unseres Seitentrolls stets "Idioten", heute ist es "Lügen".
    Es ist doch bezeichnend, wie er sich im Grunde immer nur selbst treffend beschreibt, oder?

  • Maas und Mitte setzen sich in Deutschland durch. Die Clowns bleiben in Italien, die Großschnauze in USA und die Lügenprofis in Russland.

  • Und die SH-Fliege verpi... sich auf den Maidan.

  • Maas und Mitte setzen sich in Deutschland durch. Die Clowns bleiben in Italien, die Großschnauze in USA.

  • Herr von Horn und Herr Schmutz, Daumen hoch für Ihre Kommentare. So ist das Kommentieren hier herzerfrischend.
    Das genaue Gegenteil produzieren Kommentatoren wie z.B. ein Herr Maidan, der noch viel üben muß und einige wenige, die meinen, die Fakten entgegen jeder Logik und Erkenntnis verdrehen zu müssen.


  • "Neues Spiel, neues Glück!"
    (Und mehr, als die Hoffnung auf "Glück", bleibt der SPD auch nicht)

  • @ G. Nampf

    >> Ich kann mir ohne größere Anstrengung größere Nullen auf beiden Posten vorstellen >>

    Das macht Ihnen alle Ehre ! Ich kann das auch.

    Die Größeren Nullen werten aber den SiggiPop NICHT auf.

  • Die Mehrheit der Bevölkerung wird Gabriel nachtrauern. Check. Erdogan wird sich aufregen wie schon lange nicht mehr, schliesslich hat er mit seinem Aussenminister auch alles getan, damit Gabriel doch noch erhalten bleibt. Vergebens. Selbst die Freilassung der Geisel Yücel hat nichts gebracht. Und dann ist da noch der gute Alte (Ras-)Putin...der wird sich grämen und fürchten, dass er nun doch nicht mehr so einfach diplomatisch vollkommen ungeschoren in das nächste Land mit Hybrid-Truppen einmarschieren kann. Tja, der Wlademir hat für einmal auf das falsche Ross gesetzt...Aber was soll's? Vielleicht gibt er Gabriel doch noch einen Job bei Gasprom als AR-Chef über South-Stream. Da könnte sich Gabriel wunderbar einbringen - Russisch und Türkisch - das passt! Dann kann man auch ab und zu mal (auf Gasprom-Spesen) wieder mal eine super Jause machen in Petersburg...mit Putin als Capo, Schröder als Kollegen...und wer weiss, vielleicht stösst ja auch noch der ehem. Kanzleramtsminister und prominente Kritiker der NATO (diese "Säbelrassler") Hr. Bundespräsident Steinmeier dazu. Alles super bei den Alt-Granden der SPD!
    Spass bei Seite: Verbindlichen Dank und Gratulation an Nahles und Scholz!!

  • Der Popminister ist auf der Welle des gegebenen Automatismus` auch als Aussenminister beliebter geworden- alles andere wäre ein Wunder.
    Neben der (kurzfristigen) Rettung von Arbeitsplätzen, bemerkt er auch die Befreiung deutscher Staatsangehöriger aus ungerechtfertigter Haft im Ausland in seinem Eigenlob. Nach nur etwas weniger als 1 Jahr hat Gabriel (wie gross sein Anteil daran gewesen sein mag), also einen kleinen Teil unschuldiger Deutscher aus ausländischen Gefängnissen befreit. Bravo. Demnach bräuchte er ja nur noch 2-4 Legislaturperioden um dies zu benden.
    Sein einziger Verdienst war es mit Querelen und hinterhältigem Taktieren die SPD weiter in die Bedeutungslosigkeit zu drängen. Das kann man gut oder nicht gut finden.

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