Trinkwasser

Der Preis ist zwischen 2005 und 2016 um ein Viertel gestiegen.

(Foto: dpa)

Grüne geben Gülle die Schuld Trinkwasserpreise ziehen kontinuierlich an

Seit 2005 hat sich Trinkwasser in Deutschland spürbar verteuert. Die Grünen machen den Einsatz von Düngern dafür verantwortlich.
Update: 12.05.2018 - 12:56 Uhr 8 Kommentare

Düsseldorf, Frankfurt, BerlinDie Trinkwasserpreise für Verbraucher in Deutschland sind in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen. Zwischen 2005 und 2016 hätten sie um 25 Prozent zugelegt, bemängelte die Grünen-Fraktion am Freitag in einer Analyse auf Basis von Daten des Statistischen Bundesamts. Für einen Haushalt von zwei Personen bedeute dies Mehrausgaben von 50 Euro. Zuvor hatte die „Saarbrücker Zeitung“ darüber berichtet. Demnach sind vor allem seit 2014 die Trinkwasserpreise stark geklettert. Allerdings gibt es große Uneinigkeit über die Berechnung.

Die Grünen machen für den Anstieg auch den Einsatz von Düngern verantwortlich. Dagegen wehrte sich der Bauernverband. Die Wasserwirtschaft sieht aber durchaus Gefahren für die Wasserqualität.

Zehn Fakten, die Sie über Wasser wissen sollten
Wasser bedeckt die Erde
1 von 10

Über 70 Prozent der Erde sind von Wasser bedeckt, doch nur drei Prozent sind trinkbares Süßwasser.

Der Mensch besteht aus Wasser
2 von 10

Der Mensch besteht zu etwa 60 Prozent aus Wasser. Ohne zu trinken, überlebt er nur wenige Tage.

6000 Liter Wasser für ein Fast-Food-Menü
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Hamburger, Pommes und Softdrink: Schon die Produktion eines einzigen Fast-Food-Menüs verbraucht nach Berechnungen des WWF 6000 Liter Wasser, rechnet man Anbau von Kartoffeln und Getreide, Viehfütterung und Getränkeherstellung zusammen.

Ursprung des Lebens
4 von 10

In vielen Schöpfungsmythen versinnbildlicht Wasser den Ursprung allen Lebens.

850.000 Staudämme
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Weltweit produzieren rund 850.000 Staudämme Strom aus Wasserkraft. Etwa 50.000 dieser Anlagen sind so groß, dass sie als Mega-Staudämme gelten.

Kaum Abwasser-Reinigung weltweit
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Mit seinem hohen Standard in Sachen Abwasseraufbereitung zählt Deutschland im globalen Vergleich zu den Ausnahmen. Weltweit fließen 80 Prozent des städtischen Abwassers unbehandelt in Flüsse, Seen oder ins Meer.

Kein Zugang zu sauberem Trinkwasser
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Knapp 900 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Der Verband der kommunalen Unternehmen (VKU) stellte die Preisangaben der Grünen in Frage und verwies darauf, dass das Statistische Bundesamt seine Berechnungsgrundlage 2013 geändert habe. Der Anstieg liege bei vergleichbarer Grundlage weitaus niedriger.

Die Statistiker erklärten in einer Stellungnahme am Nachmittag, die Trinkwasserpreise seien zwischen 2005 und 2016 um 17,6 Prozent gestiegen und damit nur etwas mehr als die allgemeine Inflation mit 16,1 Prozent. Bei den von den Grünen herangezogenen Angaben handle es sich nicht um Zahlen aus der Preisstatistik, sondern aus der Umweltstatistik. Damit widersprach die Behörde der These, in der Analyse, es habe einen erheblichen Preisanstieg gegeben.

Die Grünen fordern indes schärfere Gesetze für den Einsatz von Gülle, Pestiziden und Arzneien, die Grundwasser verunreinigten. „Die steigenden Trinkwasserpreise sind auch das Ergebnis der katastrophalen Agrarindustriepolitik der Bundesregierung“, erklärte Fraktionsvorsitzender Anton Hofreiter.

Brunnen müssten zunehmend wegen Verschmutzung durch Nitratdünger sowie Arzneien aufgegeben werden. Zudem sinke der Wasserverbrauch pro Kopf seit Jahren, wodurch höhere Kosten für das Spülen der Leitungen entstünden. Teils müssten auch Netze verkleinert werden. Wasserversorger legten die Kosten oft auf Verbraucher um. „Die Bundesregierung lässt die Verbraucher mit den steigenden Trinkwasserkosten alleine“, kritisierte die Partei.

Der Bauernverband entgegnete, die Auflagen für Landwirte in Trinkwassergebieten seien bereits „exorbitant“. Der stellvertretende Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Udo Hemmerling, sprach von „Panikmache“ der Grünen.

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) erklärte, der Anstieg der Trinkwasserpreise seit 2005 verlaufe entlang der Inflation. Erst seit 2015 sei der Zuwachs höher als die allgemeine Teuerung. Die Versorger hätten ferner mehr in die Infrastruktur investiert, alleine für 2018 seien 2,7 Milliarden vorgesehen.

Jedoch müsse Trinkwasser besser geschützt werden. „Die zunehmende Verschmutzung des Grundwassers erfordert eine immer kostenintensivere Trinkwasseraufbereitung“, sagte Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer beim BDEW für Wasser und Abwasser. Ein EU-Gutachten zeige, dass an 28 Prozent der Messstationen die Nitratbelastung überschritten werde.

Zudem steige mit der Überalterung der Gesellschaft der Einsatz von Medikamenten. Zwar gebe es heute „keinerlei Anlass zur Sorge um die hohe Trinkwasserqualität“, sagte Weyand. Doch müsse zum Umweltschutz sichergestellt werden, dass möglichst wenige Arzneien ins Trinkwasser gelangten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass die Preise für Trinkwasser zwischen 2005 und 2016 um 25 Prozent gestiegen seien. Diese Zahl bezog sich auf die Auswertung der grünen Bundestagsfraktion. Die Stellungnahme des Statistischen Bundesamts wurde erst später ergänzt.

  • dpa
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8 Kommentare zu "Grüne geben Gülle die Schuld: Trinkwasserpreise ziehen kontinuierlich an"

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  • Tja liebe Regierung:
    Wenn Ihr Biogas fördert - Gen-Energie-Mais wird massiv angebaut, massiv gedüngt und gespritzt - führt das zu schlechtem Trinkwasser.
    Wenn Ihr Massentierhaltung fördert, die Gülle wird ausgebracht - führt das zu schlechtem Trinkwasser.
    Schlechtes Trinkwasser muss teuer aufbereitet werden.
    Deshalb ist Trinkwasser so teuer - nur wegen unwichtigen komischen Projekten von unfähigen Politikern!

    Meine klare Forderung:
    Keine Förderung von Biogas - Strompreis sollte Marktpreis sein, entsprechend der Leipziger Strompreisbörse.
    Keine Förderung/Subventionierung von Massentierhaltung. Deutschland sollte nur soviel produzieren, wie es verbraucht und mit einer sehr guten Qualität.

  • Warum muss der Wasserpreis überhaupt steigen?? der könnte doch auch quersubvensioniert werden wie Schwimmbäder u.a. !! Wasser braucht jeder, Schwimmbad nicht unbedingt ! Nein, hier hatte man natürlich wieder gute Argumente um an der Steuer zu drehen!
    Betriebswirtschaftliches Denken ist nicht unbedingt die stärke der Kommunen...
    Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Offenbach, sanierte die Pleite- Stadt mit betriebswirtschaftlichen Methoden!!
    Unnötig zu erwähnen, dass dieser von der freien Wirtschaft kam und nicht von einer Verwaltungshochschule !!!

  • Wie gut daß man in diesem übersiedelten Land immer mehr Menschen unterbringt und Schweine für die Welt züchtet, wobei die Gülle besonders gut für das Wasser ist. Kann es sein, daß die Regierung verblödet ist?

  • Hätte man doch die Wasser-Fachleute gefragt...

    Der Wasserpreis hat einen Fixkosten-Anteil von mehr als 90 %. Jeder Kaufmann weiß, das insofern bei einer Halbierung des Absatzes der Preis nahezu verdoppelt werden muss, um Verluste zu vermeiden. So darf man sich bei den ständigen Spar-Apellen für den Wasserverbrauch nicht wundern, wenn der Wasserpreis steigt. Das ist der Hauptgrund für höhere Wasserpreise. Die ferner im Forum genannten Gründe sind nebensächlich.

    in unseren Breitengraden ist das Wassersparen für Haushalte geradezu kontraproduktiv. Nur ca. 3 % des Niederschlagswassers werden für private Haushalte verbraucht. Sparen hat zur Folge, dass die Abwasserrohre nicht ausreichend durchgespült werden und deshalb mit Frischwasser einer Verdickung des Abwassers entgegengewirkt wird. Eingespartes Wasser im Haushalt wird insofern für das Spülen der Abwasser-Kanäle verbraucht.

  • Eigentlich muß die Schlagzeile heißen:

    Trinkwasserpreise und A b w a s s e r p r e i s e ziehen drastisch an.

    Alle Kommentatoren haben Recht; schließlich sind Wasserwerke, die Kläranlagen und andere Teile in öffentlicher Hand. Dazu gehören auch Verwaltungsräte, deren Mitglieder fast immer aus nicht mehr aktiven Politikern und deren Parteifreunden bestehen.
    Also können so einige noch ein "kleines Zubrot" hin zu verdienen.
    the stuoid german

  • So lange ich jetzt denken kann, geben Kommunen mehr aus als sie einnehmen!
    Auch ohne unsere neuen Gäste ,wären die meisten Kommunen ( trotz immer steigender Einnahmen ) klamm.... mehr ausgeben als einnehmen, ist quasi das Geschäftsmodell der Kommunen Stichwort " Ausgabeproblem". !!
    Nach dem Motto, wenn wir das Geld nicht ausgeben, bekommen es andere Kommunen ...
    Dass unsere Kommunen die vielen, von unseren Steuern und Abgaben , bezahlten ( überflüssigen )Sesselfurzer mit " Arbeitsplätzen" verwechseln, bestärkt diese noch in Ihrem Handeln !!
    Das Drehen an der Gebührenschraube bei dem loebensnotwenigem Wasser ist besonders verwerflich !!

  • Herr Holger Narrog 11.05.2018, 11:13 Uhr

    Kann ein Grund sein, muss aber nicht.
    Sicher ist aber, wenn ein Wasserwerk privatisert wird, steigen die Preise für Wasser sofort auch um die 25% an. Schließlich müssen ja Gewinne für die Aktionäre erzielt werden. Und das jedes Jahr mehr.

    Infrastruktur, die extrem wichtig sind (Wasser, Strom, Bahn, Strassen, Alterspflege etc.) gehören nicht in private Hand. Alles Geld, das an die Aktionäre fließt, fehlt im Unterhalt.

    Aktiengesellschaften in allen Bereichen werden letztendlich der Welt den Garaus machen. Die Menschheit ist in ihrer Gier nicht zu retten.

  • Das ist de Facto eine Steuererhöhung zugunsten von Fr. Merkels Geistesblitzen.

    Deutschland ist ein regenreiches Land. Dennoch ist Wasser hierzulande teurer als in den meisten Teilen der Erde inklusive diverser Wüstenstaaten. Ein wesentlicher Grund sind die staatlichen Wasserwerke der Kommunen. Die Kommunen werden mit vielen Kosten der Gäste der Kanzlerin belastet. Das motiviert die Kommunen über Gebühren, Steuern und Preise Einnahmen zu erzielen.

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