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Grüne Woche Digitalisierung und Subventionen – die neuen Baustellen der Landwirtschaft

Drohnen auf der Grünen Woche: Die Landwirtschaft wird von der Digitalisierung stark verändert. Doch auch auf politischer Ebene drohen Umbrüche.
Update: 16.01.2019 - 11:05 Uhr Kommentieren
Auch Bauern müssen sich auf das digitalisierte Zeitalter einstellen. Quelle: dpa
Drohnen verändern auf die Landwirtschaft

Auch Bauern müssen sich auf das digitalisierte Zeitalter einstellen.

(Foto: dpa)

BerlinZuletzt galten Drohnen eher als unliebsame Störenfriede. Die kleinen unbemannten Luftfahrzeuge legten den Betrieb an den britischen Flughäfen London-Gatwick und Heathrow lahm. Mehrere tausend Flüge fielen aus, Reisende saßen stundenlang fest.

Doch Drohnen können auch kleine fliegende Helfer sein und werden in der Landwirtschaft eingesetzt, um Betriebsabläufe zu optimieren. So können die Fluggeräte kleine Larven von Schlupfwespen über Maisfeldern abwerfen, um Schädlinge zu vernichten. Drohnen vermessen auch Landabschnitte oder machen Luftbilder der Ackerflächen, um den richtigen Erntezeitpunkt zu bestimmen.

Fast jeder zehnte Bauer setzt bereits in seinem Betrieb Drohnen ein, ergab jüngst eine Umfrage im Auftrag des Deutschen Bauernverbandes in Zusammenarbeit mit dem Digitalverband Bitkom. In keiner anderen Branche würden Drohnen vergleichbar intensiv genutzt wie in der Landwirtschaft, hieß es. Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder hält die Landwirte gar für „Vorreiter der Digitalisierung“.

Tatsächlich ist die Digitalisierung in der Landwirtschaft längst angekommen. Drohnen kartieren Felder, Roboter melken Kühe, Sensoren messen den Nährstoffbedarf von Pflanzen, Traktoren bringen per Lenkhilfe und Spurführung die Saat punktgenau aus. „Digitalisierung ist ein Werkzeug und eröffnet Möglichkeiten“, sagte Hubertus Paetow, Präsident Deutsche Landwirtschaftsminister-Gesellschaft (DLG), auf dem Agrarkongress des Bundesumweltministeriums am Dienstag in Berlin.

Das Potenzial der Digitalisierung wird jedoch noch längst nicht ausgeschöpft. Im Bundeslandwirtschaftsministerium geht man davon aus, dass die bisherigen Einsparungen bei Dünger, Pflanzenschutzmitteln und Kraftstoff lediglich im einstelligen Prozentbereich liegen.

Der Wandel geht also weiter. „Die Landwirtschaft 4.0, die digitalisierte Landwirtschaft, spielt eine immer stärkere Rolle und ermöglicht es auch, umweltschonender Landwirtschaft zu betreiben“, sagt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in ihrem aktuellen Podcast. Diese technischen Möglichkeiten sollten weiterentwickelt werden.

Für die Kanzlerin ist das Thema sogar Anlass, darüber in Berlin am Freitag bei der weltweit größten Agrarministerkonferenz zu sprechen. Dieses so genannte Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) findet traditionell parallel zur Grünen Woche statt, die am Donnerstagabend eröffnet wird. Leitthema des GFFA: „Landwirtschaft digital – Intelligente Lösungen für die Zukunft“.

Klaus Josef Lutz, Vorstandsvorsitzender des Agrarhandelskonzerns BayWa AG, appellierte an die Bundesregierung, die in Deutschland dringend benötigte digitale Infrastruktur jetzt mit voller Kraft anzugehen. „Unseren Landwirten droht ein herber Verlust ihrer Wettbewerbsfähigkeit, wenn außerhalb Deutschlands die Bereitstellung digitaler Infrastruktur wesentlich weiter vorangeschritten ist als hierzulande“, warnte Lutz. Er forderte, dass politische Versprechen endlich eingehalten werden, damit Deutschland den Vorsprung anderer Länder aufholt.

„Kein Landwirtschaftsbetrieb kommt heute mehr ohne IT aus“, sagte Lutz weiter. Um aber das Potenzial der Digitalisierung für eine effizientere, ressourcen- und umweltschonendere Landwirtschaft umfassend nutzen zu können, bleibe flächendeckendes Internet eine Grundvoraussetzung – erst recht dort, wo Maschinen mit Maschinen kommunizierten. „Was nützen unseren Landwirten die besten digitalen Lösungen, wenn sie diese aufgrund fehlender Netzabdeckung gar nicht anwenden können?“ Ohne konsequente Digitalisierung werde es im Übrigen immer schwieriger werden, die Welternährung sicherzustellen.

Die Landwirtschaft, sagt Bundeskanzlerin Merkel im Podcast, „befindet sich in einem starken Umbruch“. Deshalb spiele die Zukunft der europäischen Agrarpolitik eine große Rolle. Es gehe darum, „dass wir einerseits wettbewerbsfähig sind, aber andererseits auch umweltfreundlich wirtschaften“. Und so werde die neue europäische Agrarpolitik genau diese beiden Punkte im Auge behalten.

Die GAP, die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik, ist der größte Posten des EU-Haushalts. Allein in Deutschland stehen von 2014 bis 2020 jährlich rund 6,2 Milliarden Euro an EU-Fördermitteln zur Verfügung, davon 4,85 Milliarden Euro in Form von Direktsubventionen, die abhängig von der Größe der landwirtschaftlichen Fläche gewährt werden. Der Rest ist an bestimmte Leistungen gebunden, etwa für den Umwelt- und Naturschutz. Insgesamt stellt die Europäische Union jedes Jahr fast 60 Milliarden Euro für Bauern und den ländlichen Raum zur Verfügung.

2021 beginnt die nächste Förderperiode, die nach den Vorstellungen des Bundesumweltministeriums grundlegend neu ausgerichtet werden muss. Gehe es weiter in Richtung Intensivierung, Weltmarkt oder erhielten die Landwirte, die nachhaltig arbeiteten, Anreize und Unterstützung? Diese Frage stellte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) ihren Kollegen am Dienstag in Berlin.

Aktuell würden dafür in Brüssel gerade die Weichen gestellt, so Schulze, doch sie habe „die große Sorge, dass selbst die ohnehin nur zaghaften Ansätze der EU-Kommission von Rat und EU-Parlament abgelehnt dort weiter verwässert werden“.

Sie habe ihre Kollegin, Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) mehrfach gebeten, in Brüssel klar Flagge zu zeigen, sagte Schulze auf dem mittlerweile im dritten Jahr stattfindenden Agrarkongress. „Aber das scheitert schon daran, dass sich ihr Haus nicht über die Umweltaspekte der zukünftigen GAP im Klaren ist.“ Es gebe deswegen keine abgestimmte Position der Bundesregierung. Deutschland laufe deswegen Gefahr, bei den Verhandlungen in Brüssel nicht gehört zu werden.

Klöckner habe vielfach deutlich gemacht, dass sie ein höheres Umweltambitionsniveau der GAP anstrebe, hieß es dagegen vom Agrarministerium. „Von Beginn an und mehrfach hat sie auch im EU-Agrarrat die in den Vorschlägen der EU-Kommission für die GAP nach 2020 vorgesehene stärkere Ausrichtung an Belangen des Umwelt-, Klima- und Naturschutzes sowie des Tierwohls begrüßt und konstruktiv unterstützt.“

Aus der Opposition kommen Forderungen für grundlegenden Veränderungen. „Die Bundesregierung muss endlich dafür sorgen, dass wir eine Wende in der Landwirtschaftspolitik einleiten“, forderte am Dienstag die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katrin Göring-Eckardt. Sie bezeichnete Klöckner als „Lobbyistin für die industrielle Landwirtschaft“. Das sei schlecht für die Verbraucher, die Natur und die Tiere, so Göring-Eckardt. Es brauche eine Landwirtschaft, die garantiere, dass Ackergifte vom Feld kämen und Glyphosat nicht mehr verwendet werde. Es brauche einen echten Ausstieg aus der Massentierhaltung.

Auch Umweltschutzverbände sind derzeit nicht gut auf die Landwirtschaftsministerin zu sprechen. Klöckner habe bei den voranschreitenden EU-Agrarverhandlungen bisher keine Positionen zu Umweltaspekten vorgelegt, erklärten die Umweltverbände Bund für Naturschutz BUND und Naturschutzbund Deutschland Nabu. Kritisch bewerten sie auch ihr Engagement im Kampf gegen das Insektensterben und für ein staatliches Tierwohllabel.

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