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Grünen-Spitzenkandidat Hartmann Dieser Mann will es in Bayern mit Markus Söder aufnehmen

Erstmals tritt ein Spitzenkandidat der Grünen vor der Landtagswahl im TV-Duell gegen den Amtsinhaber der CSU an. Die Umfragen sprechen für den Newcomer.
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Bayern: Ludwig Hartmann will es mit Markus Söder aufnehmen Quelle: picture alliance / Sammy Minkoff
Ludwig Hartmann

Der Grünen-Spitzenkandidat bereitet sich auf das TV-Duell mit Markus Söder vor.

(Foto: picture alliance / Sammy Minkoff)

MünchenLudwig Hartmann telefoniert dieser Tage öfters mit seinem Parteichef. Gerade erst hat der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck angerufen, um Hartmann auf das TV-Duell gegen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) vorzubereiten. Hartmann ist Teil der grünen Doppelspitze in Bayernund ein Grund für den Albtraum, den die CSU in diesen Tagen durchlebt.

Die Schwesterpartei der CDU kommt in Umfragen nur noch auf 35 Prozent der Wählerstimmen und bräuchte damit nach der Landtagswahl am 14. Oktober mindestens einen Koalitionspartner – seit Franz Josef Strauß hatte sie in Bayern eine absolute Mehrheit. Ludwig Hartmann und seine Co-Spitzenkandidatin Katharina Schulze hingegen haben das Grünen-Ergebnis laut der aktuellsten Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen auf 18 Prozent verdoppelt und liegen damit deutlich vor SPD, Freien Wählern und der AfD auf Platz zwei.

Und so können die Zuschauer im Bayrischen Rundfunk am Mittwoch ein Novum erleben: Hartmann ist der erste Grüne, der im TV-Duell gegen einen CSU-Ministerpräsidenten antritt. Eine große Chance, aber auch Verantwortung. Hartmann weiß: Das muss gut laufen.

Der 40-Jährige gilt als der leise Teil des grünen Spitzenduos. Dennoch tritt er gegen Söder im Duell an, da Schulze mit ihren 33 Jahren zu jung ist, um Ministerpräsidentin werden zu können. Die bayerische Verfassung sieht vor, dass der Ministerpräsident mindestens 40 Jahre alt sein muss.

Doch sein leises Image wird Hartmann nicht gerecht. Er ist vielleicht nicht so quirlig wie Schulze, aber ebenso kämpferisch. Er hat das Netzwerk „NOlympia“ und ein Bündnis gegen die „Betonflut“ mitgegründet. Kollegen beschreiben ihn als jemanden, der Themen stets bis zum Ende durchdenkt.

Bei Bürgerdialogen wartet er nur darauf, bis jemand eine Frage zur Energie- oder Agrarpolitik stellt. Dann kann Hartmann mit seiner Expertise punkten – und mit einer Flut von Zahlen, die er alle aus dem Kopf referieren kann.

Hartmann stammt aus einer Grünen-Familie: Mutter und Vater engagierten sich gegen die Atomkraft, ihr Sohn war bei Demos in Gorleben dabei. Mit 16 bekam er Ärger mit der Justiz, weil er seine erste Spontandemo nicht ordnungsgemäß angemeldet hatte.

Er studierte Kommunikations-Design, zog 2008 erstmals in den Landtag ein. Vier Jahre später wäre er fast der erste grüne Oberbürgermeister Bayerns geworden. Hartmann unterlag dem CSU-Kandidaten in Landsberg in der Stichwahl zwar mit 49 Prozent. Das Ergebnis zeigt aber, dass er auch lagerübergreifend überzeugen kann.

„Wir sind ein gutes Angebot“

Nun kann er Markus Söder ärgern. Läuft es für die CSU richtig schlecht, ist sie nach der Wahl auf die Grünen angewiesen. Hartmann warnt ob der Euphorie seine Partei zwar, dass der Wahlkampf noch nicht vorbei sei, will die bevorstehende Verantwortung aber auch nicht zurückweisen: „Für konservative Wähler sind wir ein gutes Angebot: verlässlich, aber mit klaren Zielen.“

Die Grünen würden sich keinen Gesprächen verschließen, wenn sie inhaltlich weiterkommen – auch dann nicht, wenn der Gesprächspartner Söder heißt, sagt er. Denn mit Söder hat Hartmann so seine Probleme. Im Juni hatte er sich wegen des Streits in der Asylpolitik noch von der CSU distanziert.

Inzwischen sind die Grünen wieder offen für ein mögliches Bündnis. Aber rote Linien gibt es immer noch, warnt Hartmann: „Ohne Höchstgrenze beim Flächenverbrauch wird es keine grüne Regierungsbeteiligung geben.“ Auch antieuropäische oder autoritäre Politik werde die Partei nicht dulden. Sein Kernvorwurf an Söder aber lautet: Der CSU-Ministerpräsident denke nicht langfristig genug. Söder biete alles an, „was man kaufen kann“.

Aber wo es Überzeugung brauche, beim Kampf gegen Erdüberhitzung, Artensterben und der Integration von Flüchtlingen, habe er keine Lösungen. Hartmann sagt deshalb: „Gute Politik braucht Haltung und Entschlossenheit. Für alles andere gibt es Söders Mastercard.“

Damit ist Hartmann ein Typ ganz nach Habecks Geschmack. Der Parteichef hat dem grünen Spitzenkandidaten denn auch nur einen Tipp für das Duell gegeben: Er solle einfach er selbst sein.

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