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Günther Jauch „Was ist die Rendite einer Erzieherin?“

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Linke, die Unternehmer glücklich machen

Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann beklagte die Tarifflucht von immer mehr Arbeitgebern und forderte mehr soziale Gerechtigkeit im Steuerwesen. Der Linken-Politiker Gregor Gysi beklagte gesunkene Reallöhne, während alle anderen Gewinn-Arten gestiegen seien. Michael Hüther vom Institut der Deutschen Wirtschaft argumentierte, dass „gleicher Reallohn und mehr Beschäftigung“ das Land voran brächten und Aufbau von Beschäftigung das beste Mittel sei, Steuereinnahmen zu erhöhen.

Und Katja Suding, der als Hamburger Spitzenkandidatin das Kunststück gelang, mit der FDP in ein Landesparlament gewählt zu werden, betonte, dass in einer freien Gesellschaft extreme Ausnahmefälle ertragen werden müssten. Erzieherinnen sollten aber mehr verdienen.

Da war Suding nicht allein. Die Dachauer Erzieherin im Publikum bekam von allen Seiten Zuspruch - vermutlich auch deshalb, weil ein Streik der Erzieher in Kürze bevorstehen dürfte. Dennoch fiel auf, dass die noch erheblich schlechter bezahlte Altenpflegerin solche Zustimmung zu ihren Forderungen überhaupt nicht erhielt.

Was außerdem auffiel: wie bemerkenswert Jauchs Gäste immer wieder grundsätzliche Einigkeit betonten. Gysi versicherte, dass die Linke auch Unternehmer glücklich machen wolle. Suding versicherte, dass auch die FDP starke Gewerkschaften schätze. Hüther versicherte, dass es Tarifkämpfe geben müsse. Und alle kritisierten das Betreuungsgeld, bekanntlich ein bundesweit durchgesetztes Steckenpferd der bayerischen CSU. Insofern konnte eine Ahnung von der Idee der von breitem Konsens getragenen sozialen Marktwirtschaft aufkommen.

Bloß fehlten im Studio Inhaber anderer Ansichten. Weder ein Vertreter der Kommunen, die als Arbeitgeber gegen höhere Löhne für soziale Berufe eintreten, noch einer eines nicht (mehr) tarifgebundenen Unternehmens waren zugegen. Und auch der Arbeitspsychologe aus Zürich, der ein fragebogengestütztes Punktesystem entwickelt hat, um Lohngerechtigkeit zu bemessen, war ebenfalls nicht da. Nachdem das in einem kurzen Einspieler vorgestellt wurde, fand Rainer Voss es „ziemlich absurd“ - die kontroverseste Aussage des Abends, über die aber eben auch nicht diskutiert werden konnte.

Jauchs Gesprächsführung ging dazu über, Stichworte wie „Angebot und Nachfrage“ und „Wertschöpfung“ zu nennen. Zur Antwort kamen Schlagworte wie „Sinnstiftung“ (Hüther) oder „Zeitgeist“ (Gysi). Wenn alle dafür sind, dass alle mehr kriegen, müsse das ja auch bezahlt werden, warf der Moderator in leicht märchenonkelhafter Betonung in die Runde und erntete einen bunten Strauß bekannter Argumente aus den Repertoires der Anwesenden. Hoffmann forderte, „dass von Arbeit jeder vernünftig in diesem Land leben kann“. Gysi wandte sich gegen die „Schwarze Null“-Politik der Bundesregierung. Und ganz an Schluss, nachdem Jauch der Runde eine seltsame Frage zum Lokführerstreik gestellt hatte, gelang es Katja Suding auch noch, die wohl bekannteste FDP-Forderung, „endlich die Abmilderung der kalten Progression voranzutreiben“, einzubringen.

So eine gute Idee es war, die Talkshow-Ausgabe mit konkreten Menschen und Zahlen beginnen zu lassen, so bedauerlich war es, wie vage und beliebig sie dann ausführlich ausplätscherte.

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2 Kommentare zu "Günther Jauch: „Was ist die Rendite einer Erzieherin?“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • In der Sache gebe ich Ihnen recht nur Vergleiche mit früher sind immer falsch.
    Ein Smartphone was ich heute kaufe hätte vor 10 Jahren noch den 10 fachen Wert gehabt.
    Ergo hängt die Lebensqualität nicht allein vom Einkommen ab sondern auch der Produktentwicklung.

    Ein Grund für das auseinanderdriften von Gehältern ist die Verteilung der Wertschöpfung in der Welt.
    Einzelne Wertschöpfungsprozesse können genauso gut in Korea oder China gemacht werden.
    Das senkt natürlich den Wert der Arbeit einzelner Arbeitnehmer hier.
    Gut verdient dann nur noch wer im Hightech-Bereich tätig ist.

    Manche glauben vielleicht auch ohne Euro hätte es die Entwicklung in China nie gegeben und in Korea könnten sie keine Autos bauen.

  • Ich finde "Entlohnung" ist ein Teufelskreis und ich kann beide Seiten verstehen: die Arbeitnehmer die eine höhere Entlohnung gerne hätten und oftmals auch brauchen, und die Unternehmer die einfach mal auf die "Gesamtarbeitgeberbelastung" schauen.

    Viele Arbeitnehmer wissen ja nicht einmal, was ein Arbeitgeber noch alles auf eine Arbeitnehmerstelle draufzahlt, von dem ganzen bürokratischen Verwaltungsaufwand mal abgesehen. Welcher Arbeitnehmer kennt schon U1/U2, Insolvenzgeld, Berufsgenossenschaft und und und.

    Der AN als Verbraucher will gerne nichts ausgeben und gerne günstig, billig und billiger einkaufen; am Ende muss der Hersteller aber auch seine Mitarbeiter und das ganze drumherum auch bezahlen.

    Ich denke das man hier eigentlich beim Staat ansetzen muss. Der deutsche und auch andere Staaten sind einfach zu fett und aufgebläht, schmeissen mit dem Geld der AN und AG um sich, sparen gerne bei anderen...nur nicht bei sich selbst. Schlanke Verwaltung FÜR den Bürger und NICHT gegen den Bürger ist gefragt. Ach Gott; ich träume schon wieder.

    Ich persönlich denke dass das steuerfreie Einkommen so hoch angesetzt werden muss, das von 1600 brutto keine Lohnsteuern gezahlt werden müssen., Das macht im Monat etwa 70-90 Euro netto mehr aus. Für Einkommen in dieser Kategorie ist das eine Menge Holz und machen wir uns nichts vor: die Kohle ist heute nicht einmal mehr die Hälfte wert von dem was es vor 20 Jahren noch war. Verdienen Sie heute das Doppelte auf die Hand wie vor 20 Jahren?

    Ebenso hätte ich gerne mal eine logische Erläuterung vom BMfF warum AN zwar zur Arbeit hin, aber nicht zurück die Fahrtkosten steuerlich ansetzen dürfen?

    Auch muss man einfach mal hinterfragen, warum derart viele gesetzliche Krankenkassen mit den ganzen Prachtbauten und Angestellten überhaupt existieren müssen. Das sind für mich alles Quersubventionen der AN und AG an Leute, denen ich keinen echten Mehrwert für meine Person zuschreibe.

    Deutschland und die Welt verwaltet sich tot.

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