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Güterverkehr Deutschland gehen die Lkw-Fahrer aus

Die Wirtschaftsverbände BDI und BDA sehen im Lkw-Fahrermangel eine Bedrohung. Bürokratische Hürden können die Just-in-time-Produktion behindern.
Update: 13.08.2018 - 11:04 Uhr 4 Kommentare
Laut Arbeitsagentur fehlen heute bereits 45.000 Fahrer. Quelle: dpa
Gütertransport auf der Straße

Laut Arbeitsagentur fehlen heute bereits 45.000 Fahrer.

(Foto: dpa)

BerlinDer Alarmruf klingt dramatisch: Man beobachte „mit großer Sorge einen wachsenden Versorgungsmangel im Bereich der Logistikdienstleistungen in Deutschland“, warnten die Wirtschaftsverbände BDA und BDI Mitte Juli in einem Papier. Der Mangel an Berufskraftfahrern und bürokratischen Hürden seien eine Gefahr für die Just-in-time-Produktion.

Schon heute fehlen laut Arbeitsagentur 45.000 Lkw-Fahrer in Deutschland. Eine ähnlich hohe Zahl geht jährlich in den Ruhestand. Weil aber nur rund 16.000 Nachwuchskräfte pro Jahr ihre Ausbildung abschließen, wächst die Lücke stetig. Die Bundesregierung erkennt an, dass der Engpass bereits zu Lohnerhöhungen oder steigenden Anteilen ausländischer Fahrer geführt hat.

Zwar sei der Umsatz deutscher Anbieter im Straßengüterverkehr 2017 gegenüber dem Vorjahr um 3,9 Prozent und damit stärker als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre gestiegen, heißt es in einer Antwort des Verkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP. Aber: Ohne Fachkräftemangel hätten die Umsätze deutscher Unternehmen „zum Teil höher“ ausfallen können.

Es sei fatal, dass in der Hochkonjunktur nicht alle Wachstumspotenziale ausgeschöpft werden könnten, kritisiert der FDP-Abgeordnete Christian Jung, der die Anfrage gestellt hat. Man müsse „die Engpässe bei qualifizierten Menschen im Logistiksektor und insbesondere bei Lkw-Fahrern sehr ernst nehmen“.

Aufgefangen wird der Mangel bisher durch ausländische Fahrer und Fahrzeuge, auf die inzwischen 43 Prozent des mautpflichtigen Lkw-Verkehrs in Deutschland entfallen. Der Einsatz osteuropäischer Fahrer, der durch Mindestlohnregelungen in Deutschland und anderen westeuropäischen Ländern bereits erschwert sei, dürfe nicht zusätzlich reglementiert werden, fordern BDA und BDI.

Genau darüber aber ist erbitterter Streit entbrannt, seit die EU-Kommission im Mai 2017 in ihrem „Mobility Package“ Vorschläge zur Überarbeitung der Sozialvorschriften und des Marktzugangs im Straßengüterverkehr vorgelegt hat. Auf der einen Seite stehen westeuropäische Länder, Gewerkschaften und der Unternehmerverband BGL, die heimische Fahrer und Firmen vor „Dumpingkonkurrenz“ aus Osteuropa schützen wollen.

Auf der anderen Seite neben osteuropäischen Ländern, die ihre Lohnkostenvorteile im Binnenmarkt ausspielen wollen, BDI, BDA und der Logistikverband DSLV.

Anfang Juli hatte das EU-Parlament einen Kompromissvorschlag seines Verkehrsausschusses zurückgewiesen, der aus Sicht der Wirtschaft viele gute Ansätze bei Entlohnung oder Lenk- und Ruhezeiten enthielt. Die Gewerkschaften geißelten ihn dagegen als „neoliberal“. Nun ist fraglich, ob der Verkehrsausschuss im Herbst einen neuen Anlauf startet.

Nach Ansicht des Hauptgeschäftsführers des Logistikverbands DSLV, Frank Huster, hat sich die Bundesregierung in dem Streit „zu schnell festgelegt, in der falschen Annahme, durch Marktabschottung würde man Fahrer und deutsche Transportunternehmen schützen“. Die Logistik sei international hochgradig arbeitsteilig: „Ohne den zusätzlichen Einsatz vor allem osteuropäischer Lkw-Flotten würde die Güternachfrage westeuropäischer Staaten nicht mehr befriedigt werden können“, betont Huster.

Schon heute ist deren Einsatz erschwert: Um dem „Fahrernomadentum“ zu begegnen, verbietet seit 2017 ein Gesetz unter Strafe, die wöchentliche reguläre Ruhezeit von 45 Stunden im Fahrzeug zu verbringen. Die Wirtschaftsverbände hegen den Verdacht, dass damit „insbesondere osteuropäischen Fahrern der Marktzugang signifikant erschwert werden sollte“.

Denn für geschätzt 50.000 Fahrer stünden weniger als 11.000 Betten in Hotels und Pensionen mit Lkw-Stellplatz zur Verfügung.

Statt auf ohnehin kaum kontrollierbaren Hotelübernachtungen zu pochen, sollte die Bundesregierung lieber für gut ausgestattete Rastplätze mit ausreichend Sanitäranlagen und Videoüberwachung sorgen. Laut Antwort auf die FDP-Anfrage arbeitet das Verkehrsministerium derzeit an einer Prognose für den 2030 zu erwartenden Lkw-Stellplatz-Bedarf.

Verkehrsexperte Jung fordert hier mehr Einsatz – wie auch bei der Rekrutierung von Fahrern: Die Bundesregierung habe „viele Hausaufgaben trotz zahlreicher Ermahnungen aus Politik und Wirtschaft nicht gemacht“.

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4 Kommentare zu "Güterverkehr: Deutschland gehen die Lkw-Fahrer aus"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Warum will keiner das neue patentierte System zur Reduktion der Ladungsgröße durch Kompression von leichten Schüttgütern, das zudem auch einen erheblichen Sicherheitsgewinn für Fahrer, Transportgut und vor allen auch für Unbeteiligte bringt diese Erfindung riesigen Nutzen! Den gesparten CO2-Auto nicht vergessen! Der Erfinder will sein Produkt in Deutschland bauen lassen, aber kein Hersteller ist bereit dazu. Grund: Dann können die Transportfirmen ja weniger transportieren und machen weiniger Umsatz!
    Ein Hohn! Vor allem wenn man den Bericht oben ernst nimmt! Derzeit haben wir Kontakt mit dem Ausland aufgenommen. Diese Arbeitsplätze könnten in Deutschland entstehen.
    Wann wird die Industrie wach und jammert nicht mehr?
    Erfinderverein SIGNO-1-SAAR e.V.
    der Vorsitzende Karl-Josef Schuhmann

  • Die just- in-time Lieferzeiten führt zu einem sehr starken Zeitdruck bei den Fahrern, da die Auslastung der Autobahnen nicht ausreichend einkalkuliert wird. Zuständig für die Errichtung von Lkw Stellplätzen für vorgeschriebene Ruhezustand ist doch der Besitzer des Kfz und nicht der Steuerzahler. Wäre es nicht die Aufgabe der Spediteure für die Einrichtung der notwendigen Rastplätze zu sorgen, damit gesetzliche Vorschriften eingehalten werden? Die Pausenzeitdn im Unternehmen werden auch nicht vom Steuerzahler bezahlt oder organisiert, woher kommt der Anspruch, dass der Steuerzahler zufällig sein soll?
    Wie kommt man auf einen Fahrer Angel, wenn die Herstellers schon heute Lkw auf die Straße bringen wo in 3 Fahrzeugen nur noch noch ein Fahrer sitzt. Wir reden doch von einem Übergang auf halb autonomes fahren zum voll autonomen fahren.

  • Just-in-time-Produktion ist Umweltverschutzung hoch zehn.

    Die Straßen sind eh zu voll, Park- und Rastplatze auf den Atobahnen überbelegt wegen wartenden Just-in-time LKWs, daher braucht es nicht mehr Fahrer sondern weniger.
    Transporte kann man auch mit der Bahn erledigen, mit einem Lager kann man Puffer schaffen.

    Der Staat, die Umwelt, wir Bürger sind nicht dazu da jeden Unfug zu bezahlen und unsinnige Belästigungen hinzunehmen wenn alternativ bessere Lösungen bestehen, wenn man nur wollte.

  • Vielleicht versucht man es mal mit dem Güterverkehr per Bahn. Selbst wenn es länger dauert, die Autobahnen und Bundesstrassen sind viel zuuuuu voll!

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