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Gustav Horn über Sigmar Gabriel „Es gab SPD-Chefs, die sich für so etwas geschämt hätten“

Mit deutlichen Wort hat sich Sigmar Gabriel in die Griechenland-Debatte eingebracht. Doch sein „Wir-lassen-uns-nicht-erpressen“-Aufruf kommt bei vielen Genossen nicht gut an – vor allem ein Top-Ökonom ist enttäuscht.
15.06.2015 - 12:21 Uhr 22 Kommentare
Sigmar Gabriel stößt mit einem Beitrag in der „Bild“ viele SPD-Anhänger vor den Kopf. Quelle: dpa
Parteichef

Sigmar Gabriel stößt mit einem Beitrag in der „Bild“ viele SPD-Anhänger vor den Kopf.

(Foto: dpa)

Düsseldorf In der deutschen Regierungskoalition mehren sich die Stimmen, die für Härte gegenüber Griechenland plädieren. Auch auf sozialdemokratischer Seite. Allen voran prescht der Parteichef. In einem Beitrag für „Bild“ schreibt der Vizekanzler: „Der Schatten des Austritts von Griechenland aus der Euro-Zone bekommt immer mehr Konturen.“ Wenn es nicht bald eine Einigung gebe, drohe vielen in Europa der Geduldsfaden zu reißen. Die Regierung in Athen spiele ein gefährliches Spiel.

Schwere Vorwürfe richtet er an die griechische Regierung unter Premier Alexis Tsipras: „Immer neue, angebliche letzte Einigungsversuche beginnen den gesamten Prozess lächerlich zu machen. Immer mehr fühlen sich von der griechischen Regierung an der Nase herumgeführt“, sagte der SPD-Chef. „Wir wollen Griechenland helfen und sie auch im Euro halten. Aber nicht nur die Zeit wird knapp, sondern überall in Europa auch die Geduld. Überall in Europa wächst die Stimmung 'Es reicht!'“

Europa und Deutschland würden sich nicht erpressen lassen. „Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen.“ Mit dieser Haltung brüskiert Gabriel allerdings alle Genossen, die nicht in den Erpressungs-Chor einstimmen wollen. Gustav Horn, Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) und selbst SPD-Mitglied, kommentierte Gabriels Ausführungen auf seiner Facebook-Seite: „Es gab SPD-Vorsitzende, die sich für so etwas geschämt hätten.“

Und der Bundesvorstand des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) twittert zur Causa Gabriel: „Apropos 'Es reicht!' – Stimmt: Es reicht mit der sinnlosen Sparpolitik“. Linken-Parteichefin Katja Kipping wirbt via Twitter gleich für eine Solidaritäts-Demo an diesem Samstag in Berlin: „Aussagen der SPD zu Griechenland zeigen, wie wichtig es ist, auf die Straße zu gehen. Europa.Anders.Machen #20jBerlin.“ Die Demonstration unter dem Motto „Europa anders machen“ ist Teil eines europaweiten Aktionstages gegen die Europapolitik der Bundesregierung.

Auch auf Gabriels eigener Seite sammelten sich zahlreiche Postings unter dem Griechen-Beitrag des SPD-Politikers. Richard Heigl warf Gabriel vor, AfD-Positionen zu übernehmen. Immer wieder taucht der Vorwurf des Rechtspopulismus auf. Ein anderer Kommentator schrieb in Anlehnung an den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer: „So etwas erwarte ich von Herr Scheuer, und nicht von dir. Ganz schwach.“

Nadia Glatzel wünscht sich von Gabriel, mal ein „bisschen sozial und demokratisch“ zu denken. „Herr Gabriel, Sie sind der Grund, warum ich aus der SPD austrete“, schreibt Ulla Claus-Graf. Dass Sie als Sozialdemokrat die Ärmsten in Griechenland erneut mit Rentenkürzungen mit dem Rasenmäher auf einen Schnitt von 350 € kürzen, die Löhne runter, dafür die MwSt bei Strom um 10% erhöhen, wie sollen dann die Menschen noch (über)leben können? Keine medizinische Versorgung mehr, kein Strom für warmes Essen oder im Sommer für den Kühlschrank – das bringt die Armen dann wenigstens sozialverträglich ins Grab.“

Doch der SPD-Chef hat auch Unterstützer. Einer, der als Florian Fiele kommentiert, schreibt in seinem Posting: „Klare Worte, Herr Gabriel! Es freut mich, dass die Bundesregierung das im Grundsatz ähnlich sieht wie viele Bürger und Volkswirte. Geostrategische Überlegungen der NATO, solidarische Überlegungen der EU hin oder her: Wenn sich dieses Theater in solch extremer Form weiterführt, muss mit dem berühmten Ende mit Schrecken ein Schlussstrich gezogen werden.“

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22 Kommentare zu "Gustav Horn über Sigmar Gabriel: „Es gab SPD-Chefs, die sich für so etwas geschämt hätten“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Ausgerechnet der Horn.
    Der soll doch seinen Mund halten

  • Schade : immer wenn sich ein Parteivorsitzender der SPD an der wirtschaftlichen Realität orientiert, wird er von seinen linken Genossen ausgebremst.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Es wäre m.E. ein Fehler, die hiesigen Politiker ob ihrer Weitsicht hochleben zu lassen, weil auf der griechischen Seite offensichtlich Gauner sitzen.

    Dadurch, dass in Deutschland die Parlamentarier "alternativlos" entschieden haben und entscheiden, der ehemaligen Volkskammer der DDR nacheifern, sind diese Politiker für die Verschwendung von Steuergeld eben solche Verbrecher wie auf der Gegenseite.

    Zum Schmunzeln komme ich, wenn ich höre, dass Griechenland keine Steuern eintreibt, weil sie ansonsten eine Steuerverwaltung aufbauen müssten. Und dafür fehle das Geld.

    Ebenso fand ich den Spruch, dass man dann keine neuen Gelder zur Bedienung der Alt-Schulden benötige, wenn man jetzt die Alt-Schulden streicht.

    Zugegeben, die Argumentationen haben etwas. Vor allem haben sie deshalb etwas, weil sie Auskunft über die Dummheit der bisherigen Regierungen und den deutschen Politikern insgesamt zum Ausdruck bringen. Diesen Mut mit solcher Klarheit in die Medien zu bringen, das zeugt von Selbstbewusstesein.

  • >> „Und wir werden nicht die überzogenen Wahlversprechen einer zum Teil kommunistischen Regierung durch die deutschen Arbeitnehmer und ihre Familien bezahlen lassen.“ >>

    Und was hat die SPD mit der CDU über ein Jahrzehnt mit Kreditvergaben an den Pleitestaat Griechenland getan...?

    Hat man hier nicht einen Pleitegeier mit Steuergeldern alimentiert und den Konkurs Griechenlands verschleppt...?

    Gabriel ist als Wirtschaftsminister Deutschlands genau so ein Witz, wie die Kanzlerin Merkel.

    Sprüche klopfen und das Land vor die Hunde gehen lassen. Das können Beide sehr gut. Und reißen natürlich auch andere in Europa mit.

    Politabschaum !



  • Da gibt der Gabriel mal was durchaus vernünftiges von sich - und dann dieses. Ich weiß schon warum ich vor soviel Dummheit kapituliert habe und aus der SPD ausgetreten bin.
    Zu den Linken wäre eigentlich nur noch zu sagen, das sie sich genauso widerlich verhalten wir ihre Kollegen um die Radikal Linken in Griechenland. Wetten das jetzt kein SED Genossen gegen ein weiteres, und noch ein weiteres Hilfspaket stimmt.
    Schlimm auch, das der Grieche ausgerechnet bei der Boeckler Stiftung sein Blödsinn verbreiterten kann. In seiner Bewertung der Lage hat Grieche durchaus Recht, aber keine Kohle zu zahlen, und das auch noch mit krimineller Energie der griechischen Regierung. Die Griechen verblüffen nach wie vor. Wenn sie wenigsten ein bisschen Energie für ihre eigene Wirtschaft erübrigen könnten, oder die Chinesen über den Tisch ziehen würde.

  • Ach nein? wer hat denn die DDR ruiniert? Wo sind denn die Millionen geblieben, die das marode DDR-System noch in der Schatulle hatte. Und jetzt das Lied von der "internationalen Solidarität"? Völlig unglaubwürdig.

  • Welcher "Top-Ökonom" ist denn enttäuscht? Ein Top-Ökonom sollte konkrete Vorschläge zur Lösung machen, nicht die Forderung nach immer mehr Alimente. "Schämen" gehört nicht zum Vokabular eines Ökonomen. Wenn er als Herr Horn sich "schämt", ist das sein Bier. Die griechischen Regierungen haben über 4 Jahre Zeit gehabt, erforderliche Reformen durch zu führen. Hätten sie das gemacht, müßten sie keine Renten kürzen und Geld für Medikamente wäre auch da, wenn die Rüstungsausgaben gekürzt würden. Ist aber alles nicht passiert. Das alles ist die Schuld der griechischen Regierungen, nicht von Gabriel. Die jetzige Regierung aus Sozialisten, Kommunisten und Rechtsextremen hat seit über 4 Monaten nichts unternommen, außer ihre Partner im Euroraum zu erpressen. Wer denen Geld geben will, kann ja ein Spendenkonto einrichten. Dass deutsche Linke und Kommunisten das anders sehen, ist mir schon klar. Das ist SPD aber schon so weit nach linksaussen abgedriftet ist, dass sie berechtigte Forderungen ihres Vorsitzenden massiv kritisiert, ist schon bemerkenswert. Es wird Zeit, dass im Griechenlandkonflikt endlich das Phrasendreschen aufhört und was unternommen wird. Wenn die griechische Regierung das nicht will, muß eine Entscheidung ohne sie erfolgen.

  • @Michael Conconi
    Die Linken Parteien machen genauso Schulden wie alle anderen politischen Parteien. Die Politik lebt so zu sagen von den Schulden der Gesellschaft. Zwischen Schulden und Schulden gibt es jedoch gewaltige unterschiede. Ein Investment, dass einen Kredit braucht, muss sich erst einmal verschulden, bis es selbst zu einen wirtschtlichen Selbstläufer wird und seine Schulden gerechtfertig sind. Die Linken und alle anderen Parteien in Deutschland haben aber stets Schulden gemacht, also Investment getätigt, die keine wirtschaftliche Wertschöpfung in sich tragen. Der EURO (ESM) ist so was, oder der Länderfinanzausgleich oder auch die Energiewende = EEG, die der deutschen Volkswirtschaft = Gesellschaft dann komplett den Hals bricht.

  • "Nichts fürchtet Brüssel mehr" Genau das ist der springende Punkt!!! Schert Griechenland erfolgreich aus machen es andere Länder nach. Dann wird es extrem schwer von Brüssel aus alle Europäer zu kontrollieren.

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