Gute Wachstumsprognosen „Deutschland brummt“

Ob Bau, Industrie oder Handel – viele Branchen florieren in Deutschland. Deshalb gehen Wirtschaftsinstitute davon aus, dass der Schwung anhält und erhöhen die Prognose kräftig. Aber sie warnen auch vor den Risiken.
Update: 14.12.2017 - 12:34 Uhr Kommentieren
Durch den Wirtschafsboom entstehen in Deutschland immer mehr Jobs. Quelle: dpa
Viel Arbeit im Baugewerbe

Durch den Wirtschafsboom entstehen in Deutschland immer mehr Jobs.

(Foto: dpa)

BerlinDas Ifo-Institut sagt der deutschen Wirtschaft im kommenden Jahr das stärkste Wachstum seit 2011 voraus. Die Münchner Forscher hoben am Donnerstag die Prognose für das Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 2,0 auf 2,6 Prozent an. Für das zu Ende gehende Jahr erwarten sie nun 2,3 (bisher 1,8) Prozent. „Die deutsche Wirtschaft brummt“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. „Der Schwung vom Jahre 2017 verlängert sich bis weit ins Jahr 2018 hinein.“ 2019 soll es dann noch zu einem Plus von 2,1 Prozent reichen – es wäre das zehnte Wachstumsjahr in Folge.

Durch den Boom entstehen den Prognosen zufolge immer mehr Jobs. 2019 sollen 45,2 Millionen Frauen und Männer in Lohn und Brot stehen – so viele wie noch nie und 900.000 mehr als in diesem Jahr. Parallel dazu dürfte die Zahl der Arbeitslosen bis auf 2,2 Millionen sinken, was 300.000 weniger wären als 2017. „Viele Branchen florieren, vom Bau über die Industrie bis zum Handel“, sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser. Die Inflation dürfte schrittweise anziehen. 2019 soll die Teuerungsrate mit 2,2 Prozent erstmals seit Jahren über der Marke von zwei Prozent liegen, bis zu der die Europäische Zentralbank von stabilen Preisen spricht.

Das Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat angesichts einer weiter anziehenden Konjunktur vor Rückschlägen für die deutsche Wirtschaft gewarnt. Die Kieler Ökonomen rechnen im kommenden Jahr nunmehr mit 2,5 Prozent Wachstum und korrigierten am Donnerstag ihre Prognose um 0,3 Punkte nach oben. „Damit steigen auch die Risiken eines Konjunkturumschwungs“, heißt es in der Mitteilung des Instituts. „Die deutsche Wirtschaft fährt unter Volldampf“, sagte IfW-Konjunkturchef Stefan Kooths. Die nächste Bundesregierung sollte nicht dazu beitragen, die Konjunktur weiter zu befeuern.

Das IfW warnte bereits mehrfach vor einer Überhitzung – die Kapazitäten seien überlastet. Die deutsche Wirtschaft wachse schneller als nachhaltig möglich sei, hieß es in der Vergangenheit. Aus Sicht der Kieler Experten hat die deutsche Wirtschaft inzwischen ihren nachhaltigen Wachstumspfad verlassen und steht vor einer Hochkonjunktur.

Der Boom spült viel Geld in die Staatskassen. Für dieses Jahr erwartet das Ifo-Institut einen Überschuss im Staatshaushalt von 42,1 Milliarden, im kommenden Jahr von 50,6 Milliarden und 2019 sogar von 62,1 Milliarden Euro. Wegen der noch ausstehenden Regierungsbildung seien diese Schätzungen allerdings mit Unsicherheit behaftet. Auch der international viel kritisierte deutsche Leistungsbilanzüberschuss dürfte immer weiter steigen und 2019 bei 278 Milliarden Euro liegen.

Bereits am Mittwoch hob das DIW seine Wachstumsprognose für dieses und das kommende Jahr an. Für 2017 und 2018 rechnet das Institut nun damit, dass die deutsche Wirtschaft jeweils um 2,2 Prozent wächst. Bisher hatten die Forscher einen Zuwachs von jeweils 1,9 Prozent erwartet. Deutschland sei auf dem Weg in die Hochkonjunktur, sagt DIW-Chef Marcel Fratzscher. „Eine Überhitzung zeichnet sich dennoch nicht ab. Dagegen spricht die verhaltene Lohn- und Preisdynamik.“

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