Guttenberg-Affäre Droht eine Regierungskrise?

Die Plagiatsaffäre von Verteidigungsminister zu Guttenberg ist politisch noch lange nicht ausgestanden. Sie könnte sogar noch eine Regierungskrise hervorrufen. Ein Gastkommentar von Gerd Langguth
  • Gerd Langguth
Update: 27.02.2011 - 06:27 Uhr 24 Kommentare
Merkel und Guttenberg: Droht eine Regierungskrise? Quelle: dpa

Merkel und Guttenberg: Droht eine Regierungskrise?

(Foto: dpa)

Der Fall zu Guttenberg wird weitergehen. Vielleicht wird die Opposition merken, dass ihre zu erwartenden weiteren Angriffe gegen Freiherrn zu Guttenberg eher eine Solidarisierung mit ihm bewirken werden – eine Solidarisierung vor allem der „kleinen Leute“ mit ihrem Idol. Zu Guttenberg versucht einen Schulterschluss mit ihnen, die sich einig in ihrer Ablehnung wissen mit den von ihnen als arrogant empfundenen Medien. Trittin muss mit seinen scharfen Angriffen wissen, dass er die Solidarisierung mit zu Guttenberg eher erhöht. Es ist schon bemerkenswert, dass trotz der heftigen Oppositionsangriffe noch mehr Menschen als zuvor hinter dem adeligen Franken stehen, mehr noch als vor ein oder zwei Wochen.

Ob sich Karl-Theodor zu Guttenberg strafbar gemacht hat, dürfte in erster Linie eine Frage sein, die sich an die Universität Bayreuth richtet. Gleichwohl gab es schon erste Anzeigen. Noch ist diesbezüglich die örtliche Zuständigkeit der Staatsanwaltschaften ungeklärt. Auch wird Kanzlerin Merkel an ihrem Argument knabbern müssen, sie habe ja schließlich keinen wissenschaftlichen Assistenten, sondern einen Verteidigungsminister eingestellt. Merkel hätte von dem „frühen Kohl“ lernen können – aber die Kohl-Schülerin lernte erst den „späten Kohl“ kennen -, der vor fast exakt 26 Jahren seinen Regierungssprecher Peter Boenisch entließ, als gegen diesen ein steuerrechtliches Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde.  

Gerd Langguth unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn und ist Publizist. Quelle: picture-alliance/ dpa

Gerd Langguth unterrichtet Politische Wissenschaft an der Universität Bonn und ist Publizist.

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Der Kanzler hatte damals auch nicht argumentiert, er habe Boenisch nicht wegen seiner Pflichten als Steuerzahler eingestellt, sondern wegen seiner Kenntnisse der Medienlandschaft. Natürlich ist zu Guttenberg durch seine CSU-Mitgliedschaft eher geschützt, weil Merkel im Prinzip nur frei über CDU-Minister „verfügen“ kann.

Die Affäre wird sich wohl nicht zu einer Regierungskrise ausweiten, eher zu einer Glaubwürdigkeitskrise der bürgerlich-liberalen Koalition, da ja aus dieser Richtung in besonderer Weise Werte wie Glaubwürdigkeit und Ehrlichkeit eingefordert werden. Steigerungen in diesem Konflikt sind aber durchaus noch denkbar, keinesfalls ist der Fall mit einer Fragestunde im Deutschen Bundestag abgeschlossen. Auszuschließen sind neue Erkenntnisse nicht. Erst diese könnten eine Regierungskrise hervorrufen.

Andererseits muss jetzt zu Guttenberg die größte Krise seiner politischen Laufbahn durchstehen. Politiker wachsen durch Schrammen, die erden helfen. Er könnte dadurch sogar weiterhin im Kreis der Kanzlerkandidaten verbleiben. Zu Guttenberg wird aber lernen müssen, dass die Unterstützung, die er jetzt durch Merkel und durch Seehofer erhielt, vor dem Hintergrund der weiteren sechs anstehenden Landtagswahlen rein machtpolitisch bestimmt ist und nicht aus Sympathie seiner Person gegenüber erfolgte.  Guttenberg ist jetzt viel stärker von Merkel und seinem Parteichef Seehofer abhängig.

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24 Kommentare zu "Guttenberg-Affäre: Droht eine Regierungskrise?"

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  • Hallo,

    im Zusammenhang mit der Guttenberg-Affäre sollte man allmählich mal fragen, ob Frau Merkel wirklich seriös ist oder ist sie etwa unantastbar?

    Gruß,

    Brändlein

  • Herr Gerd Langguth als Teil der Propandamaschine: Herr Dr. Oliver Lepsius von der Universität Bayreuth nennt Herrn von Guttenberg in aller Öffentlichkeit einen Betrüger. Und Sie, Herr Langguth, gehen mit dessen Beliebheit hausieren und nennen einen schweren Betrug ohne Reue eine "Schramme" (ich nehme an in dessen zukünftiger Vita, wenn alles Vergessen ist). Das so jemand als Bundesminister noch nicht zurückgetreten ist sagt alles über dieses System und Ihr Artikel alles über Ihren wissentschaftlichen Anspruch.

  • Volksverarschung HOCH DREI und die Kanzlerin macht mit!!!
    Unsere Wissenschaftsministerin, Frau Schavan ist wohl vor Scham ganz abgetaucht...oder?
    Mittäter ist die ganze Polit-Bande, die diese Gaunerei auch noch deckt, denn sie leistet Beihilfe an dieser Volksverarschung!!!
    Ein Betrüger und Hochstapler der sich hinstellt und vor laufenden Kameras das Volk derart verarscht und behauptet, nicht gewusst zu haben was er tat. Der muss doch unter Realitätsverlust leiden. Oder ist es schwachsinnige Inzucht?
    In welchen Fällen begreift er denn überhaupt was er tut???
    Muss dieser Lügenbaron nun bis an sein Lebensende aus Steuergeldern am kacken gehalten werden?
    Frau Dr. Merkel entsorgen sie diesen Blender, aber schnell.

  • Guttenberg scheint schon so ein bißchen ein Problem mit sich und der Wahrheit zu haben.
    In seinem Lebenslauf z. B. geht nicht hervor, dass er kein Volljurist ist, denn ihm fehlt das 2. Staatsexamen.
    Aus irgendwelchen Praktika machte er Berufstätigkeiten.
    Also schon ein kleiner Aufschneider udn Blender.

  • Der Harr Langguth, Merkel-Biograf, kann ja eigentlich nur etwas sanft schreiben, sonst würde er ja die geliebte Merkel düpieren. Anstatt einen guten Rat zu erteieln, nämlich Guttenberg möge selbst zurück treten, meint er noch, er können doch noch Kanzler werden.
    Mein Gott, und so was von einem Wissenschaftler. Das ist schon ein Armutszeugnis.
    Guttenberg sollte es machen wie seinerzeit Friedmann: Abtreten und dann hat er die Chance in einigen Jahren wieder zu kommen.
    Er sollte sich und dem Land jetzt das Geschacher ersparen und die ständigen Diskussionen um seine Person.

  • "Waren und Dienstleistungen sind im Überfluß vorhanden. Weniger Arbeit und mehr Freizeit wäre für die meisten Menschen kein Unheil sondern eine Errungenschaft. Man müßte nur die Verteilung des Nutzens sinnvoll gestalten, und zwar so, daß sich Fleiß wieder lohnt.<br/><br/>Viele unsinnige Arbeiten könnte man in einem vernünftigen Geldsystem ersatzlos streichen. Der Gesellschaft nützt es nichts, wenn sich Millionen von Menschen nur damit beschäftigen, sich gegenseitig durch Werbung für Produkte, die keiner braucht, zu manipulieren, durch ungebetene Callcenter-Anrufe und Vertreterbesuche gegenseitig zu belästigen oder durch alle möglichen übrigen Gaunereien das Geld abzujagen. Anstatt sinnlose Formulare, Gesetze, Versicherungen, Abmahnungen, Gifte und Gegengifte, CO2-Zertifikate, Waffen, Lügen und sonstige Absurditäten herzustellen, die andere und einen selbst nur drangsalieren, könnte man doch einfach mal die wohlverdiente Freizeit genießen und die über Jahrhunderte geschaffene Technik arbeiten lassen.<br/><br/>Vernünftige Wirtschaftssysteme existieren schon lange in der Theorie. Man könnte zum Beispiel die Marktwirtschaft einführen, die es aber nur dann geben kann, wenn auch das Geldsystem marktwirtschaftlichen Mechanismen folgt. Aber solche Alternativen werden von den Nutznießern des etablierten Systems natürlich nicht zugelassen.<br/><br/>"


  • Regierungskrise ha ha ha.Finanzkrise,Wirtschaftskrise und jetzt noch eine Regierungskrise,es ganz System muß sich ändern."Die arbeitsteilige Wirtschaft und der technologische Fortschritt dienen eigentlich dazu, den Menschen die Arbeit abzunehmen. Und das tun sie so erfolgreich, daß die Menschen immer weniger arbeiten müssen und die Arbeitslosenquote stets wächst. Das „Problem“ daran ist nur, daß dieser Erfolg nicht zu unserem Finanzsystem paßt, das permanentes Wachstum von Schulden benötigt. Und für Schulden muß man schließlich arbeiten. Die allseits nachgeplapperte Forderung nach „mehr Arbeit“ unter dem Motto: „Hätte man bloß nicht die Maschinen erfunden, dann hätten wir alle mehr Arbeit,“ ist – genau wie das Märchen von der Rückzahlung der Staatsschulden – einer der dümmsten und lächerlichsten Schildbürgerstreiche, die es je gab.<br/><br/>"


  • Für mich ist die angebliche Solidarisierung der kleinen Leute ein Hirngspinst. In den Onlineforen stehen maximal 20% auf seiner Seite und alle Online-Abstimmungen fordern mit überwältigender Mehrheit seinen Rücktritt. Ich kenne auch persönlich niemanden der einen derart dreisten und unverschämten Betrug eines Bundesministers bereit wäre, zu tollerieren! Ich glaube den Meinungsforschern nicht!

  • Nach meiner Erkenntnis, auch aus den Erfahrungen des Schreibens einer Diplomarbeit, wird doch jede Arbeit bewertet.
    Wieso ist es bei der Bewertung der Doktorarbeit des Herrn von zu Gutenberg nicht aufgefallen, dass "Plagiate" verwendet wurden.
    Macht es sich die Universität Bayreuth nicht ein bißchen einfach? Es ist eben einfach schnell die Verantwortung auf einen anderen übertragen.
    Welcher Professor hat den die Bewertung der Arbeit vorgenommen und diese auch gelesen?
    Wäre mal interessant hierauf eine Antwort zu erhalten.

  • "Wenn jetzt noch etwas herauskommt ..." Merkel-Biograph Langguth scheint den Sturm auf die Kanzlerin herbeizuschreiben. Unklar ist, ob er damit die Stimmung in der Union wiedergibt, oder die in der Publizistik. Aber bitte, es gibt noch Details, über die nur auf Blogs berichtet wird, die gleichwohl belastbar und und eindeutig sind: http://berlin2011.wordpress.com/2011/02/26/uni-bayreuth-beschaftigt-csu-lobbyisten/

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