Guttenberg-Reise Eine Frage des Herzens

Der Verteidigungsminister überrascht die Soldaten in Afghanistan – mit seiner Frau. Stephanie zu Guttenberg begleitet ihren Mann auf seiner Reise zu den deutschen Truppen. Nicht überall kommt der Besuch der beiden Medien- und Publikumslieblinge gut an - vor allem im fernen Berlin schimpft man auf die "fränkischen Kennedys".
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Quelle: DAPD

BERLIN. Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist der Heimatfront gestern erneut mit einem Besuch der deutschen Truppen in Afghanistan entflohen. Die Fallstricke der wackeligen Bundeswehrreform und vor allem den Zorn der Kanzlerin über sein nicht eingehaltenes Sparversprechen ließ er gerne in der Heimat zurück.

Zur Belebung der Tour ins mörderische Kriegsgebiet nahm der 39-jährige Minister – ein Novum in der deutschen Politik – Ehefrau Stephanie mit in den Wüstensand. Nicht zufällig kürte der CSU-Politiker seinen Advents-Trip an den Hindukusch zur „Frage des Herzens“. Denn die „fränkischen Kennedys“, wie der Boulevard die eleganten Exzellenzen sieht, überbrachten den Soldaten den Dank der Heimat und zusätzlich noch frohe Weihnachtsgrüße. Die Fernsehkameras und ein Moderator waren immer dabei.

Die Frau des Verteidigungsministers – sie ist die Urenkelin Otto von Bismarcks – begegnete der Gefahr, die von islamistischen Taliban und weiteren radikalen Aufständischen ausgeht, „mit viel Respekt“, wie sie beteuerte. „Das ist kein spaßiger Ausflug, das ist bitterer Ernst“, beharrte die Freifrau im Feldlager zu Kundus. Im Nebenberuf als TV-Moderatorin aktiv, fühlte sich Stephanie im Bundeswehrlager am rechten Fleck. „Von Angst darf man sich hier nicht überwältigen lassen, sonst ist man eindeutig fehl am Platz.“ Nach Auskunft des Verteidigungsministeriums wurde die Fürstin auf eigenen Wunsch von einer Soldatin durch das Feldlager geführt und inspizierte im Quartier Mazar-i Sharif ein Lazarett.

Zum Beleg für den „bitteren Ernst“ des Erfahrungs-Trips hatte das TV-erprobte Ehepaar den Fernsehmoderator Johannes B. Kerner mit auf die Reise in die „kriegsähnlichen Zustände“ (zu Guttenberg) genommen. Er zeichnete in Kundus ein „Kerner Spezial“ mit dem Verteidigungsminister auf. Neben den „Superguttis“ („Bild am Sonntag“) waren auch – ebenfalls ein Novum – die CDU-Ministerpräsidenten David McAllister (Niedersachsen) und Wolfgang Böhmer (Sachsen-Anhalt) mit im Einsatz.

2010 ist das blutigste Jahr des Afghanistan-Einsatzes. Insgesamt verloren im Kriegseinsatz seit 2002 über 2000 Isaf-Soldaten ihr Leben, darunter 44 deutsche, rund 400 Zivilisten starben durch Einsätze der Nato.

Krieg als Kulisse gehört für US-Politiker zum selbstverständlichen Repertoire der Selbstinszenierung. Und entsprechend lässt auch zu Guttenberg, der Fan der USA und der dortigen Wahlkämpfe ist, seine Auftritte ins rechte Bild rücken.

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