Habermas, Bofinger, Nida-Rümelin Wer hinter Gabriels Euro-Vorstoß steckt

In der Euro-Debatte holt sich Sigmar Gabriel Hilfe von drei prominenten Wissenschaftlern. Ihre Ideen sollen die Wahlprogramm-Debatte der SPD beleben und sorgen schon für Diskussionen. Wer sind die Vordenker?
29 Kommentare
Jürgen Habermas Quelle: dpa

Jürgen Habermas

(Foto: dpa)

DüsseldorfKurzer Ausflug nach München: SPD-Chef Sigmar Gabriel macht eine Stippvisite beim Philosophen und Soziologen Jürgen Habermas. Kurz darauf treffen auch Peter Bofinger, Wirtschaftsweise, und Julian Nida-Rümelin, ebenfalls Philosoph, ein. Heraus kommt ein Beitrag zur Programmdiskussion der SPD. In dem Artikel, der in der FAZ veröffentlicht wurde, schlagen die Wissenschaftler die Vertiefung der europäischen Integration vor, um die Krise zu überwinden. Gabriel jedenfalls scheinen dieser und andere Vorschläge zu gefallen, denn auch er will nun die Euro-Schuldenlast auf alle Euro-Länder verteilen. Wer aber sind die klugen Köpfe, die hinter den SPD-Ideen zur Bewältigung der Eurokrise stehen?

Peter Bofinger Quelle: Reuters

Peter Bofinger

(Foto: Reuters)

„Wirtschaftsweise“, Ökonomieprofessor, überzeugter Keynesianer: Peter Bofinger berät die Bundesregierung im Sachverständigenrat in Sachen Europa und Geldpolitik. „Wirtschaftsweise“ wurde er auf Vorschlag der Gewerkschaften. Der 59 Jahre alte Professor der Uni Würzburg vertritt einen Standpunkt, der unter Ökonomen selten geworden ist: Bofinger glaubt, dass sich viele der Wirtschaftsprobleme durch Nachfragepolitik lösen ließen. Das zeigte sich auch, als zu Schröder-Zeiten Agenda 2010 und Harz IV diskutiert wurden. Bofinger sprach sich gegen dagegen aus, weil die Reformen seiner Meinung nach die Nachfrageseite nicht unterstützten. Jetzt fordert er in einem Interview: „Wir brauchen für die Länder, die in der Rezession sind, eine Pause. Keine weiteren Sparmaßnahmen, solange die Wirtschaft nicht Tritt gefasst hat.“ Die Rückkehr zur D-Mark hält er hingegen für „eine ökonomische Katastrophe.“

Bofinger gilt als netter, als freundlicher Mann. Klar ist aber: Er kann auch anders. Das zeigte der Streit der Ökonomen: Der Dortmunder Statistikprofessor Walter Krämer hatte sich in einem Aufruf – neben weiteren 250 Ökonomen -  gegen die Beschlüsse des Euro-Gipfels zur Ausweitung des Rettungsschirms. Einer der prominentesten Unterzeichner ist Ifo-Chef Hans-Werner Sinn. Bofinger warf den Unterzeichnern vor, ihren Job verfehlt zu haben, sprach von „schlimmster Stammtisch-Ökonomie“.

Jürgen Habermas Quelle: dapd

Jürgen Habermas

(Foto: dapd)

Seine Texte gelten als Pflichtlektüre und er ist vielleicht einer der bekanntesten Philosophen und Soziologen der Gegenwart: Jürgen Habermas. Geboren 1929 in Düsseldorf, wurde Habermas 1964 Professor für Philosophie und Soziologie in Frankfurt am Main. Dort feierten ihn linke Studenten bald als Vordenker. Seitdem hat er an vielen Universitäten gelehrt – auch in den USA, viel publiziert, auch noch im Ruhestand.

Die Juristin und Publizisten Sibylle Tönnies schrieb anlässlich seines 80. Geburtstags über den Philosophen: „Kein Thema, das der große Mann nicht angefasst - und auch kein Thema, das er nicht liegen gelassen hätte - kein Standpunkt, den er nicht vertreten - aber auch wieder aufgegeben hätte.“ Nun hat Habermas, der auch Ökonomie studierte, Europa im Visier und fordert - gemeinsam mit seinen Kollegen – mehr Macht für Brüssel.

Julian Nida-Ruemelin Quelle: Reuters

Julian Nida-Ruemelin

(Foto: Reuters)

Er ist in Politik und Philosophie gleichermaßen Zuhause: Julian Nida-Rümelin. Unter Gerhard Schröder war er erster Kulturstaatsminister im ersten Kabinett, seit 2009 ist er Professor für Philosophie und Dekan an der Ludwig- Maximilians-Universität München.

Dass er sich jetzt gemeinsam mit seinen Kollegen zu Europas Zukunft zu Wort meldet, ist nicht ganz verwunderlich: Denn schon zuvor hatte er darauf hingewiesen, dass sich die europäischen Institutionen neuordnen müssen. Nun fordert Nida-Rümelin in dem Artikel mit Peter Bofinger und Jürgen Habermas auf seiner Internetseite: „Wir plädieren für die vertiefte Integration eines Kerneuropa. Nur so kann die gemeinsame Währung zu vertretbaren Kosten bewahrt werden und nur so kann das Demokratiedefizit behoben werden.“

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
  • mai
  • dpa
Startseite

Mehr zu: Habermas, Bofinger, Nida-Rümelin - Wer hinter Gabriels Euro-Vorstoß steckt

29 Kommentare zu "Habermas, Bofinger, Nida-Rümelin: Wer hinter Gabriels Euro-Vorstoß steckt"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • In Zeiten, in denen die Krise zum Dauerphänomen geworden ist und sich mit Habermas, Bofinger, Nida-Rümelin eine Troika aus Philosophen und Ökonomen zu Wort meldet, schnürt die agora42 das Rettungspaket für alle, die die Krise besser verstehen wollen: Fünf Ausgaben, die die grundlegenden Begriffen unseres ökonomischen Selbstverständnisses erklären, zusammengestellt zu einem Paket: WACHSTUM - SCHULDEN - FORTSCHRITT - RISIKO - GELD

    Im Editorial der GELD-Ausgabe schreibt Richard David Precht: "In den Zeiten der Krise – in den Zeiten eines prognostizierten Untergangs sogar der westlichen Geldwertegemeinschaft – ertönt aus vielen Kehlen der Ruf nach einer neuen Ordnung der Finanzmärkte. Doch nicht nur die Regulation eines ungebändigten Marktes erscheint als das Gebot der Stunde. Nicht selten wird im gleichen Atemzug der Wunsch geäußert, die Menschen (wer auch immer dies ist) mögen ein anderes Verhältnis (was auch immer dies sein soll) zum Geld entwickeln."

    mehr: www.agora42.de

  • auch Weltökonom Trittin wäre ein würdiges Ratsmitglied. Und als Pressesprecher "Wer sind wir und doch nicht"-Philosoph Precht. Haben alle garantiert keine Ahnung von Ökonomie.

  • Wenn ich einen guten Philisophen lesen möchte, lese ich was von/über Aristoteles oder Sokrates Ideen, aber sicherlich nicht die anderen im Artikel genannten Strategen. Demnächst gilt auch noch der Unfug von Gabriel als "Philosophie". Das Wort bedeutet ja "Liebe zur Weisheit". Allein das verbietet die Nennung in einem Satz mit dem Politiker Gabriel. Und Bofinger ist ein recht sicherlich kein erstklassiger Ökonom, sondern klar die zweite Reihe. M.E. gehört er in die letzte.

  • Wir sollten für die EURO-Rettung - wie seinerzeit für die Energiewende - einen Ethik-Rat installieren. Ausser den hier präsentierten Herren
    - Bofinger
    - Nida-Rümelin
    - Habermas
    bieten sich an:
    - Ulrich Schneider (Paritätischer Wohlfahrtsverband)
    - M. Kässmann (Nichts ist gut in Europa)
    - Präses Nikolaus Schneider
    - Erzbischof Zöllitsch
    - Christoh Butterwegge (Armutsforscher und Dauergast bei A. Will)

    Dazu noch als Berater des Rates
    - Papandreou
    - Berlusconi
    - Helmut Schmidt

    Damit kann nichts mehr schiefgehen.

  • Ob dem Popbeauftragten und den beiden Herren Philosophen eigentlich klar ist, daß Deutschlands Schulden ABSOLUT gesehen wesentlich höher sind, als die von z.B. Italien?
    Die Anteil der deutschen an den gesamten Staatschulden Europas beträgt ein gutes Viertel!!! (Quelle Wikipedia)

    Wenn man genauer drüber nachdenkt, ist die Idee einer Vergemeinschaftung eigentlich gar nicht so schlecht ;-)))

  • Alle paar Monate tauchen immer wieder die selben Gestalteneliten
    der deutschen Philosophie u.Ökonomie auf.( Ist satirisch gemeint).Bofinger,Nida- Ruemmlein,Habermas, sind eher die Elite des linken Spektrums, die regelmäßig ihren schwachsinn verbreiten.Zu Bofinger, sollte man der Kanzlerin einmal erklären, daß er als Gewerkschaftsberater
    nicht gerade das gelbe vom Ei ist.Sie sollte sich von ihm trennen.Zu Nida-Ruemmlein,Habermas fällt einem schon garnichts mehr ein. Deshalb hat auch der Heißlufballon Gabriel so von dem treffen profitiert.gez.walterwerner.artists.de

  • Mein Gott, der ist noch schlimmer als Eichel. Davon zwei in einer Partei.

    Ich erinnere mich noch immer an das Bundesland Hessen, als Eichel ein Parteimitglied undemokratisch entmachten wollte.

    Alles echte Genossen, wie damals in der DDR. Woher das Geld für die EU-Wohltaten kommen soll, das konnte weder die UDSSR noch Ost-Deutschland den Bürgern verdeutlichen. Heute alles Geschichte, so wie die EU ein einziger Irrtum ist.

  • Ich hatte vor einigen Wochen die Gelegenheit, Herrn Prof. Bofinger in einem Vortrag zu erleben. Die Worte waren in keiner Weise überzeugend, der Vortrag war lustlos, die Zuhörerschaft war entsetzt. Einige verließen den Saal schon vor Ende des Vortrags.

    Die überzeugten Alt-Sozialisten, so wie Honecker, Ulbricht etc. hätten den Bofinger-Darbietungen noch Folge leisten können.

    Ich habe den Eindruck, der Mann will sich mit seinen Thesen nur noch wichtig machen und ist innerlich auch nicht mehr von dem was er sagt überzeugt. Wenn Gorbatschow einen Vertrag hält, dann ist ihm bewusst, von was er spricht!

  • Auch die UdSSR war nicht überlebensfähig und ist dank Gorbatschow Geschichte. Ein Starker Mann, dieser Gorbatschow, vor dem ich großem Respekt habe. Jetzt brauchen wir starke Persönlichkeiten, die Europa entflechten und die vollständige Souveränität der einzelnen Staaten wieder herstellen.

    Die EU und ihr Zahlmeister Deutschland haben stolze Nationen mit ihren bisherigen EU-Hilfszahlungen zu „abhängigen Bettlern“ gemacht, die ohne diese Zahlungen nicht mehr lebensfähig sind. Diese Hilfsgelder sind natürlich willkommen wie eine Droge für Süchtige.

    Wir sollten unsere Zahlungen kurzfristig einstellen, damit die Länder sich wieder auf ihre eigenen Stärken besinnen können. Dies löst wie bei Drogenabhängigen einen gewaltigen Schock aus, der auch für unsere Industrie und die Beschäftigungslage große Einschnitte mit sich bringen wird. Warum haben wir bzw. alle davor Angst…..Angst, den Gürtel enger schnallen zu müssen?

  • der gute Habermas ist doch aus der Zeit gefallen, wenn er jetzt Ratschläge zum Euro geben will. Und Nieda-Rümelin? Ein Schöngeist, der schon in der SPD nur eine Randfichte war. Jetzt mobilisieren die Europhantasten den Volkssturm als letztes Aufgebot.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%