Hacker-Attacke IT-Verband Bitkom alarmiert über angebliche Spionage-Chips aus China

Trotz scharfer Dementis betroffener Unternehmen: Ein Bericht über chinesische Mini-Spionage-Chips sorgt für großen Wirbel – auch in Deutschland.
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Die Spionage-Chips sollen bei einem chinesischem Zulieferer eingebaut worden sein. Quelle: plainpicture/Westend61/Andrew Brookes
Heimliche Installation

Die Spionage-Chips sollen bei einem chinesischem Zulieferer eingebaut worden sein.

(Foto: plainpicture/Westend61/Andrew Brookes)

BerlinDer IT-Verband Bitkom hat alarmiert darauf reagiert, dass chinesische Spione schädliche Computerchips direkt in Technologie installiert haben sollen, die von rund 30 Unternehmen und verschiedenen US-Behörden genutzt wurden.

Der Bericht eines US-Mediums über eventuell kompromittierte Mikrochips in Hochleistungsservern sei zwar bislang nicht bestätigt. „Sollte er sich als zutreffend erweisen, so ist schwer vorstellbar, wie deutsche Unternehmen davon nicht zumindest mittelbar betroffen sein könnten“, sagte Nabil Alsabah, Bereichsleiter IT-Sicherheit beim Bitkom, dem Handelsblatt. „Zu stark sind die Verflechtungen der global orientierten deutschen Wirtschaft.“ Jetzt müsse es darum gehen, „den Sachverhalt umgehend zu klären und dabei für volle Transparenz gegenüber Unternehmen und Verbrauchern zu sorgen“.

Für die Grünen hat der Fall auch eine politische Dimension. „Sollte der chinesische Geheimdienst tatsächlich die Rechenzentren von mehreren Dutzend großen US-Unternehmen und auch von US-Behörden ausspioniert haben, dann ist das natürlich Wasser auf die Mühlen von Donald Trump und könnte den schon jetzt gefährlichen amerikanisch-chinesischen Handelskrieg weiter anfachen“, sagte der Obmann der Grünen im Bundestags-Digitalausschuss, Dieter Janecek, dem Handelsblatt. „Aber natürlich müssen wir uns auch in Deutschland fragen, ob und in welchem Umfang wir Ziel chinesischer Spionage sind, ob Rechenzentren in Deutschland betroffen sind.“

Derzeit verschärft sich der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt, und US-Präsident Trump bemüht sich, amerikanische Unternehmen zu mehr Hightech-Produktion im Heimatland zu bewegen.

Nach einem Bericht des Magazins „Businessweek“, der sich auf 17 nicht näher genannte Insider aus Geheimdiensten und Firmen beruft, haben chinesische Spione manipulierte Computerchips direkt in Technologie installiert, die von rund 30 Unternehmen und verschiedenen US-Behörden genutzt wurden.

Als Betroffene werden auch Apple und Amazon genannt. Beide Konzerne wiesen zurück, Ziel eines Angriffs gewesen zu sein. Auch Super Micro Computer bestritt die Vorwürfe. Dem Bericht zufolge soll der Hersteller die Server-Boards geliefert haben, die die manipulierten Halbleiter enthielten.

Durch den Bericht gerieten die Aktien von Lenovo und ZTE unter Druck. Anleger sorgten sich, dass der Absatz des Computerherstellers Lenovo und des Handy- und Netzwerkbauers ZTE einbrechen und Verbraucher davon abhalten könnte, chinesische Güter zu kaufen. Lenovo brachen um 18 Prozent ein, bei ZTE ging es elf Prozent nach unten.

Sollte sich der Bericht bestätigen, würde es sich wohl um die größte Datenspionage-Affäre seit den Enthüllungen des Whistleblowers Edward Snowden handeln. Der ehemalige NSA-Mitarbeiter hatte 2013 groß angelegte Überwachungs- und Spionageaktivitäten der Geheimdienste NSA und GCHQ in den USA und in Großbritannien aufgedeckt.

In dem Bloomberg-Bericht werden allerdings zunächst nur Apple und Amazon namentlich genannt. Die Unternehmen reagierten am Donnerstag mit ungewöhnlich ausführlichen Dementis. „Apple hat nie bösartige Chips, „manipulierte Hardware“ oder absichtlich platzierte Schwachstellen in Servern gefunden“, erklärte der iPhone-Konzern. Amazon erklärte ebenfalls, man habe keine Bestätigung für Behauptungen über Spionage-Chips oder modifizierte Technik gefunden.

Allerdings ist aber auch der „Businessweek“-Bericht sehr detailreich. Demnach laufen bereits seit drei Jahren geheime Ermittlungen der US-Behörden im Zusammenhang mit den Spionage-Chips. Die Ermittler hätten herausgefunden, dass sie in Fabriken in China in die Elektronik der Server von Super Micro eingeschleust worden seien und vermuteten chinesische Militärhacker dahinter.

Deren Ziel sei es gewesen, langfristigen Zugang zu Geheimnissen von Unternehmen und Behörden zu bekommen, habe einer der Regierungsmitarbeiter erklärt. Um Kundendaten sei es nicht gegangen. Server mit Technik von Super Micro seien unter anderem in Banken, bei Anbietern von Cloud-Diensten und Web-Hostern im Einsatz. Super Micro teilte mit, dem Unternehmen seien keine Ermittlungen zu den genannten Vorwürfen bekannt, und man sei auch von keiner Regierungsbehörde kontaktiert worden.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Enthüllungen forderte der Grünen-Politiker Janecek Konsequenzen. Das Thema digitale Souveränität müsse nun „dringend auf die Tagesordnung, um in Deutschland und Europa unsere industriepolitische Unabhängigkeit zu wahren“.

Hierbei stelle sich die Frage, wie vertrauenswert Hardware made in China überhaupt sei. Und könne man wirklich großen US-amerikanischen Chipherstellern die IT-Infrastruktur in Deutschland anvertrauen? „Die Bundesregierung muss diese Fragen schnellstmöglich klären – und im Zweifelsfall auch sehr klare Worte in Richtung Peking richten“, sagte Janecek.

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