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Hackerangriff Daten von Politikern und Promis wurden offenbar geleakt – Berlin prüft Datenleck

Auf Twitter sind offenbar massenhaft Daten von Politikern und Prominenten veröffentlicht worden. Die Bundesregierung prüft, ob die Daten durch einen Hackerangriff abgegriffen wurden.
Update: 04.01.2019 - 11:27 Uhr Kommentieren
Betroffen sein sollen dem Bericht zufolge Mitglieder aller Parteien – mit Ausnahme der AfD. Quelle: dpa
Daten von Hunderten Politikern wurden offenbar gestohlen

Betroffen sein sollen dem Bericht zufolge Mitglieder aller Parteien – mit Ausnahme der AfD.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Hacker haben offenbar sensible Daten und Dokumente von Hunderten deutschen Politikern und Prominenten ins Netz gestellt. Das berichtet das RBB-Inforadio. Demnach sind alle im Bundestag vertretenen Parteien betroffen – mit Ausnahme der AfD.

Bei den veröffentlichten Daten handele es sich um Handynummern, Adressen, Kopien von Personalausweisen, Chats, Briefe, Rechnungen und Kreditkarteninformationen. Verbreitet worden sein sollen die Informationen der Politiker über einen Twitter-Account – und zwar schon einige Tage vor Weihnachten in Form eines Adventskalenders. Der Account wurde laut Inforadio allerdings erst am Donnerstagabend entdeckt.

Das Handelsblatt hat auf Twitter einen Account gefunden, der den Angaben des Inforadios entspricht. Neben Informationen über Bundestagsparteien wurden dort offenbar auch persönliche Daten von Moderatoren, Musikkünstlern und Schauspielern veröffentlicht. Darunter: Jan Böhmermann, Sido, Marteria, Casper und Til Schweiger. Ob die Informationen echt sind, ist unklar. Am Freitagmittag wurde der Account gesperrt.

Die Bundesregierung prüft laut der Deutschen Presse-Agentur, ob Daten durch einen Hackerangriff abgegriffen wurden. In Berlin hält man es nach Informationen der Nachrichtenagentur auch für möglich, dass jemand, der durch seine Tätigkeit Zugang zu sensiblen Daten hat, diese online gestellt haben könnte. Fest stehe bereits, dass der Datenabfluss nicht über das Regierungsnetz erfolgt sei. Ein möglicher Angriffspunkt sei das Netz des Bundestages.

Das nationale Cyber-Abwehrzentrum ist am Freitagmorgen zu einer Krisensitzung zusammengekommen. In dem Gremium würden die Maßnahmen der Bundesbehörden koordiniert, sagte ein Sprecher des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Dazu zählten der Bundesverfassungsschutz, das Bundeskriminalamt und der Bundesnachrichtendienst. Das BSI habe kurz vor der Veröffentlichung von Medienberichten Kenntnis von dem Vorfall bekommen.

Die SPD hat eine Sondersitzung des Digitalausschusses des Bundestages beantragt. „Die öffentlich gewordenen Daten von Hackerangriffen auf Journalisten, Schauspieler und Politiker werfen erneut viele Fragen auf“, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. „Der Versuch politischer Einflussnahme steht ganz offensichtlich im Raum.“

Gerade vor dem Hintergrund der Erfahrungen in den USA und anderen Ländern müsse dieser Fall „sehr ernst“ genommen werden, betonte Zimmermann. „Aus diesem Grund hat die SPD-Bundestagsfraktion eine Sondersitzung des Ausschusses Digitale Agenda beantragt.“

Die FDP im Bundestag hat juristische Schritte eingeleitet. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien zentrale Systeme der FDP-Fraktion nicht betroffen, sagte ein Sprecher der Fraktion der dpa. Die Fraktion prüfe den Fall in enger Abstimmung mit den zuständigen Stellen. Das Netz des Bundestags könnte ein Angriffspunkt sein, über den sensible, teils private Daten abgeflossen sind.

Wer hinter dem Twitter-Account steckt und wo die Daten erbeutet wurden, ist dem Inforadio zufolge unklar. Der oder die Täter hätten sich selbst mit Begriffen wie „Security Researching“, Künstler oder auch Satire beschrieben. Nach eigenen Angaben befinde sich der Inhaber des Accounts in Hamburg.

Die Deutsche Presse-Agentur berichtet unter Berufung auf einen Datensatz, dass auch private Informationen von Bundeskanzlerin Angela Merkel geleakt wurden. Dabei soll es sich unter anderem um eine Faxnummer, eine E-Mail-Adresse und mehrere Briefe handeln.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Florian Post gehört zu den Betroffenen – und ist einer der Ersten, der sich zu der Veröffentlichung der Informationen äußert. Nach seinen Worten sind nicht alle Daten, die ihn betreffen, echt. „Es ist mindestens eine gefälschte Datei dabei. Die gehört mir nicht, sie wurde mir nie geschickt, und ich hab sie nicht gespeichert“, sagte Post der dpa. Diese werde aber in den Listen als seine Datei ausgewiesen.

Für Justizministerin Katarina Barley (SPD) ist eine massenhafte Veröffentlichung sensibler Daten ein „schwerwiegender Angriff“. „Die Urheber wollen Vertrauen in unsere Demokratie und ihre Institutionen beschädigen“, erklärte Barley am Freitag. „Kriminelle und ihre Hintermänner“ dürften keine Debatten in Deutschland bestimmen.

Der Netz-Experte der Unionsfraktion im Bundestag, Thomas Jarzombek, sieht in dem Vorfall eine politisch motivierte Aktion aus dem „AfD-freundlichen Spektrum“. „Es gibt starke Indizien dafür, weil die AfD nicht, aber Grüne und Linke und Journalisten stark betroffen sind“, sagte Jarzombek der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Die nun im Netz kursierenden Informationen über Unionsfraktionsmitglieder halte er im Großen und Ganzen nach einem ersten Überblick nicht für dramatisch. Insgesamt riet er zu mehr Eigenvorsorge vor allem im Umgang mit Twitter und Facebook und E-Mails. Oft würden dieselben Passwörter verwendet wie bei dem Kauf eines Toasters im Internet, persönliche E-Mails würden meistens nicht verschlüsselt.

Mit Agenturmaterial.

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