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Härteres Vorgehen gefordert Bundesbank schlittert in die Sarrazin-Falle

Alle hatten auf eine Reaktion der Bundesbank auf die provokanten Thesen ihres Vorstandsmitglieds Thilo Sarrazin (SPD) gewartet. Als sie nun kam, fiel sie hart und unmissverständlich aus. Doch von einer Abberufung Sarrazins war nicht die Rede. Damit wird für Bundesbankchef Weber das Thema zum Bumerang. Kritisch äußerte sich der Zentralrat der Juden, der einen Rauswurf des SPD-Politikers aus dem Führungsgremium für unumgänglich hält.
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Verbogenes Image durch Sarrazin: Die Deutsche Bundesbank. Quelle: dpa

Verbogenes Image durch Sarrazin: Die Deutsche Bundesbank.

(Foto: dpa)

DÜSSELDORF. „Ich war selbst als jüngerer Mann etwa zweieinhalb Jahre Mitarbeiter in der volkswirtschaftlichen Abteilung der Deutschen Bundesbank. Damals wären solche Aussagen eines Vorstands der Bundesbank undenkbar gewesen. Sie sollten es auch heute sein“, sagte der Vizepräsident des Zentralrats, Dieter Graumann, Handelsblatt Online. Im Moment entstehe der Bundesbank, die Deutschland nach wie vor „hervorragend“ im nationalen und internationalen Finanzwesen vertritt, großer Schaden. „Das kann so nicht weiter gehen.“ Es sei zwar das gute Recht von Sarrazin, seine Meinung zu äußern, so sehr man sie auch ablehnen möge und ablehnen müsse, fügte Graumann hinzu. „Allerdings: Die Meinung von Herrn Sarrazin hat nichts mit der Bundesbank zu tun. Daher sollte die Bundesbank auch besser nichts mit Herrn Sarrazin zu tun haben.“

Die Bundesbank hatte sich am Montag von ihrem Vorstandsmitglied distanziert und angekündigt, unverzüglich das Gespräch mit ihm zu suchen. Trotz der Verärgerung bei seinem Arbeitgeber hatte Sarrazin an den umstrittenen Thesen zur Integration am Montag weiter festgehalten und bekräftigt: „Es gibt Gene, anhand von denen man Volksgruppen voneinander unterscheiden kann. Das gilt für viele Volksgruppen, also nicht nur für die Juden“.

Zentralratsvize Graumann sagte dazu: Zwar sei er gegen eine „hysterische Dämonisierung von Herrn Sarrazin“, und natürlich sei es legitim, die Defizite in Sachen Integration „heftig und auch kontrovers“ anzusprechen. „Aber hier werden doch Menschen verletzt, verunglimpft und gekränkt - und das geht in jedem Fall zu weit“, sagte Graumann. „Nicht zufällig wird Herr Sarrazin gerade von der NPD lauthals gepriesen, und wer von der NPD gelobt wird, liegt schon fast definitionsgemäß falsch.“ Mit seinen Ausflügen ins Reich der Genetik habe Sarrazin sich vollends ins politische Abseits gestellt: „Wer Menschen reduzieren will auf bloßes Genmaterial, entmenschlicht den Menschen“, so Graumann. „Er transportiert ein kaltes Menschenbild ohne Seele und Substanz.“

Grünen-Chef Cem Özdemir warf Sarrazin vor, Integrationsprobleme zu verschärfen. „Die Thesen, die Herr Sarrazin vertritt, sind außerhalb des demokratischen Bogens“, sagte Özdemir in der ARD. Wenn jemand Genforschung mit jüdischen und baskischen Genen betreibe und Volksgruppen nach bestimmten Äußerlichkeiten zuordne, verabschiede er sich vom seriösen Diskurs. „Es geht ihm nicht um die Probleme, es geht ihm offensichtlich darum, Probleme zu verschärfen.“

Sarrazins Thesen zur genetisch bedingten Ausprägung von Eigenschaften wie der Intelligenz einzelner Volksgruppen sind aus wissenschaftlicher Sicht nicht haltbar. Eine solche These sei „absurd“, sagte der Direktor des Instituts für Humangenetik an der Universität Bonn, Markus Nöthen, dem „Kölner Stadt-Anzeiger“. „Bei hochkomplexen Eigenschaften wie der Intelligenz sind hunderte von Genen im Spiel.“ Auch weniger intelligente Eltern könnten hochintelligente Kinder haben und umgekehrt. Sarrazin beziehe sich auf Studien, nach denen 50 bis 80 Prozent der Intelligenz genetisch begründet seien.

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