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Halle Merkel drückt Netanjahu „tiefe Betroffenheit“ nach Anschlag aus – Richter erlässt Haftbefehl gegen Attentäter

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Fehlender Schutz der Synagoge

Der Präsident des Zentralrats der Juden erhob schwere Vorwürfe gegen die Polizei. „Dass die Synagoge in Halle an einem Feiertag wie Jom Kippur nicht durch die Polizei geschützt war, ist skandalös“, sagte Schuster. „Diese Fahrlässigkeit hat sich jetzt bitter gerächt.“ Nur glückliche Umstände hätten ein Massaker verhindert, sagte Schuster in Würzburg. „Die Brutalität des Angriffs übersteigt alles bisher Dagewesene der vergangenen Jahre und ist für alle Juden in Deutschland ein tiefer Schock.“

Nach Einschätzung von Extremismusforscher Matthias Quent wollte der Täter offenkundig eine international verbreitete, rechte Internet-Subkultur erreichen. „Er spricht Englisch, und er greift Verschwörungstheorien auf, zum Beispiel über die angeblich zerstörerische Macht des Judentums. Er äußert sich auch abwertend über Feminismus“, sagte Quent der Deutschen Presse-Agentur. Das seien Motive der weltweiten populistischen und radikalen Rechten. „Das Video folgt der Ästhetik eines Videospiels, auch durch die Ego-Shooter-Perspektive“, sagte Quent.

Innenminister Seehofer hatte schon am Mittwochabend gesagt, der Generalbundesanwalt, der die Ermittlungen rasch an sich gezogen hatte, habe „ausreichend Anhaltspunkte für einen möglichen rechtsextremistischen Hintergrund“. Seehofer sprach von einem antisemitischen Motiv. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) übermittelte den Angehörigen der Opfer ihr tiefes Beileid.

Die Solidarität gelte allen Jüdinnen und Juden am Feiertag Jom Kippur, schrieb Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter. Am Abend nahm Merkel an einer Solidaritätsveranstaltung an der Synagoge in der Oranienburger Straße in Berlin teil.

Auch in anderen deutschen Städten versammelten sich Menschen in der Nähe von Synagogen und gedachten der Toten. In Halle legten Menschen am Marktplatz Blumen und Kerzen nieder.

Angela Merkel telefonierte am Donnerstag mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu. Dabei habe sie ihre tiefe Betroffenheit über den antisemitischen Anschlag in Halle am Mittwoch zum Ausdruck gebracht, teilte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer am Donnerstagabend mit. Merkel habe deutlich gemacht, dass Deutschland fest zu seiner historischen Verantwortung stehe, jüdisches Leben zu schützen. Die Bundesregierung werde den Kampf gegen den Antisemitismus entschlossen fortsetzen. Weiteres Thema des Telefonats sei die aktuelle Lage im Nahen Osten gewesen.

Zudem telefonierte Israels Staatspräsident Reuven Rivlin mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, wie Rivlins Büro mitteilte. „Wir schätzen die Bemühungen der deutschen Behörden, um deutsche Juden zu sichern und zu beschützen, und trotzdem gibt es noch mehr zu tun, und der Kampf muss ohne Zögern oder Kompromiss geführt werden“, sagte Rivlin laut der Mitteilung bei dem Gespräch. „Wir müssen von dem Vorfall lernen, um sicherzustellen, dass sowas niemals wieder passiert. Faschismus, Neo-Faschismus und Antisemitismus bereiten Sorgen auf der ganzen Welt.“

Steinmeier sagte laut Rivlins Mitteilung: „Der deutsche Staat muss seiner Verantwortung für den Schutz jüdischen Lebens gerecht werden. Die große Mehrheit der Deutschen, die das wollen, muss aktiver und lauter sein.“

Sperrzone in Landsberger Stadtteil Wiedersdorf

Im etwa 15 Kilometer entfernten Landsberg (Saalekreis) läuft währenddessen die Spurensicherung der Polizei weiter. Dafür bleibe eine Sperrzone in der Nähe des Ortseingangs im Stadtteil Wiedersdorf bestehen, sagte ein Polizist am Donnerstagmorgen vor Ort.

Die zuvor erweiterte Sperrzone wurde verkleinert. Immer wieder fuhren Polizeiwagen die Landstraße rund um den Ort ab. Streifen patrouillierten in der Sperrzone. Ein Linienbus durfte seine Fahrt durch den kleinen Ort erst nach wenigen Minuten fortsetzen.

Kurz nach den Angriffen vom Mittwoch in Halle war das kleine Örtchen abgeriegelt worden. Mehrere Häuser sollen durchsucht worden sein. Mit Maschinenpistolen in den Händen gingen Polizisten durch die Straßen des Ortsteils.

Mehr: Der Anschlag in Halle ist kein isolierter Einzelfall: Der Rechtsextremismus internationalisiert sich. Er ist inzwischen genauso mörderisch wie der radikale Islamismus.

  • dpa
  • rtr
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