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Halle Merkel drückt Netanjahu „tiefe Betroffenheit“ nach Anschlag aus – Richter erlässt Haftbefehl gegen Attentäter

Nur glückliche Umstände haben offenbar ein Massaker in Halle verhindert. Der Ermittlungsrichter hat Haftbefehl gegen den Verdächtigen erlassen, bestätigte ein Sprecher.
Update: 11.10.2019 - 04:34 Uhr Kommentieren

„Es macht einen tieftraurig“ – Halles Anwohner halten Mahnwache

Halle Der mutmaßliche Attentäter von Halle führte nach einem Medienbericht bei seiner Tat auch Waffen bei sich, die teilweise mit 3D-Druckern hergestellt worden waren. Das ZDF-Magazin „Frontal 21“ berichtete am Donnerstag, Stephan B. habe die aus Kunststoff bestehenden Teile hergestellt. Zudem habe er 3D-Anleitungen unter anderem für Magazine und andere Waffenteile ins Internet gestellt.

In einem vor der Tat verfassten Dokument beschreibt der Attentäter anhand von Fotos detailliert seine Bewaffnung. Er führt aus, dass diese selbstgebauten Waffen nicht zuverlässig seien. Zudem behauptet er in dem Schreiben, selbst Anleitungen zum Waffenbau veröffentlicht zu haben.

In seinem live im Internet übertragenen Video des Anschlags kommentiert er mehrfach den Einsatz seiner in Eigenbau hergestellten Waffen. Die Polizei in Halle kann nach eigenen Angaben nicht bestätigen, dass der Täter Waffenteile aus dem 3D-Drucker verwendete.

Einen Tag nach der Bluttat von Halle hat der Ermittlungsrichter am Bundesgerichtshof Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Rechtsterroristen Stephan B. erlassen. Das erklärte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft am Donnerstagabend in Karlsruhe der Deutschen Presse-Agentur. Der Richter habe Untersuchungshaft angeordnet. Zuerst hatte der Südwestrundfunk darüber berichtet. Der Beschuldigte war am Mittwoch vorläufig festgenommen worden.

Generalbundesanwalt Peter Frank bezeichnete die Tat von Halle als Terror. „Was wir gestern erlebt haben, war Terror“, sagte er. Der Täter habe sich zum Ziel gesetzt, in der Synagoge ein Massaker anzurichten. Auch Justizministerin Christine Lambrecht spricht von „rechtsextremistischen Terror“.

„Ein Tag der Scham und der Schande“

Nach den Schüssen auf eine Synagoge in Halle an der Saale und der Tötung von zwei Menschen durch einen schwerbewaffneten Täter besuchte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an diesem Donnerstagmittag das jüdische Gotteshaus in der Stadt in Sachsen-Anhalt. „Dieser Tag ist ein Tag der Scham und der Schande“, sagt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach dem Besuch der Synagoge.

„Wer jetzt noch einen Funken Verständnis zeigt für Rechtsextremismus und Rassenhass, wer die Bereitschaft anderer fördert durch das Schüren von Hass, wer politisch motivierte Gewalt gegen Andersdenkende, Andersgläubige oder auch Repräsentanten demokratischer Institutionen, wenn ich an den Fall Walter Lübcke denke - wer das rechtfertigt, der macht sich mitschuldig.“ Der Attentäter sei „offensichtlich zu allem bereit“ gewesen. Die Gesellschaft müsse eine klare, entschiedene Haltung der Solidarität mit den jüdischen Mitbürgern zeigen. „Wir müssen jüdisches Leben schützen.“

Ungeklärt ist bislang unter anderem die Identität der beiden Opfer. Unbestätigt ist auch, ob ein im Internet aufgetauchtes Bekennervideo und ein angebliches „Manifest“ tatsächlich vom mutmaßlichen Täter stammen. Der Zentralrat der Juden erhebt derweil schwere Vorwürfe gegen die Polizei.

Der mutmaßliche Rechtsextremist Stephan B. aus Sachsen-Anhalt wurde am Mittwochnachmittag festgenommen. Er hatte nach Angaben aus Sicherheitskreisen gegen Mittag versucht, die Synagoge mit Waffengewalt zu stürmen. Mehr als 50 Menschen hielten sich zu dem Zeitpunkt in dem Gotteshaus auf und feierten das wichtigste jüdische Fest, Jom Kippur.

Nachdem der Anschlagsversuch scheiterte, soll der 27-jährige Deutsche vor der Synagoge und danach in einem nahen Döner-Imbiss zwei Menschen erschossen und mindestens zwei weitere verletzt haben. B. soll die Tat gefilmt und per Helmkamera live ins Internet übertragen haben, bevor er vom Tatort floh.

Mögliches Bekennerschreiben aufgetaucht

Nach der Tat tauchte ein Dokument im Internet auf, bei dem es sich nach Angaben einer Expertin um eine Erklärung des Angreifers zu handeln scheint. Das PDF-Dokument zeige Bilder von Waffen und enthalte einen Verweis auf das Live-Video, das von der Tat verbreitet worden sei, schrieb Rita Katz, Leiterin der auf die Beobachtung von Extremisten spezialisierten Site Intelligence Group, auf Twitter.

In dem Text wird laut Katz das Ziel genannt, „so viele Anti-Weiße zu töten wie möglich, vorzugsweise Juden“. Das Dokument sei anscheinend am 1. Oktober angelegt worden und gebe Hinweise darauf, wie viel Planung und Vorbereitung der Täter in die Attacke gesteckt habe.

Ob es tatsächlich von dem mutmaßlichen Täter stammt, ist bislang unklar. Nach ersten Prüfungen werde es von den Ermittlern aber als „authentisch“ bewertet, berichtete der „Spiegel“ unter Berufung auf Sicherheitskreise. Unter anderem stimmten die in dem „Manifest“ abgebildeten und vom Täter offenbar teils selbst gebauten Schusswaffen mit den tatsächlich bei dem Anschlag eingesetzten Waffen überein.

Katz bezog sich auch auf ein Bekennervideo, das der mutmaßliche Täter in sozialen Netzwerken hochgeladen haben soll. Das Video dokumentiert allem Anschein nach den Ablauf der Angriffe in Halle aus Sicht des Attentäters. Die Aufnahmen stammen wohl von einer Kamera, die am Helm des Schützen befestigt war.

Bis zum Morgen gab es aber keine Bestätigung der Behörden dafür, dass es sich bei dem Mann im Video um den Attentäter handelt. Das Video wurde nach Angaben der Streaming-Plattform Twitch von rund 2200 Menschen angesehen, bevor es dann nach 30 Minuten gelöscht wurde. Über den vor etwa zwei Monaten erstellten Account sei zuvor nur einmal etwas veröffentlicht worden.

Weitere große Unternehmen haben nur Stunden nach dem Anschlag das Video von ihren Plattformen gelöscht. So erklärte die Gruppe „Global Internet Forum to Counter Terrorism“, zu der unter anderem Facebook, Google, Microsoft und Twitter gehören: „Wir stehen in engem Kontakt miteinander und bleiben entschlossen, die Online-Verbreitung von gewalttätigen und extremistischen Inhalten zu stören.“

Fehlender Schutz der Synagoge
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