Handelsblatt Deutschland Dinner Der große Optimist Schäuble

Trotz Brexit, Flüchtlingskrise und einem unberechenbaren US-Präsidenten: Wolfgang Schäuble verbreitet beim Deutschland Dinner des Handelsblatts Zuversicht. Nur eine Krise lässt den Bundesfinanzminister unruhig schlafen.
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„Wir wollen in alle Länder exportieren, aber nicht deren Probleme haben“

BerlinWolfgang Schäuble (CDU) kommt gerade aus dem Urlaub. Während der drei Wochen auf seiner traditionellen Ferieninsel hat der Bundesfinanzminister offenbar nicht nur Kraft getankt, sondern auch Zuversicht. Und so präsentierte sich der CDU-Politiker beim Deutschland Dinner des Handelsblatts nicht nur bestens gelaunt und schlagfertig, sondern auch optimistisch.

Trotz der ungelösten Flüchtlingskrise in Europa, der schwierigen Brexit-Verhandlungen und eines unberechenbaren US-Präsidenten Donald Trump steht für Schäuble fest: Gerade in Deutschland „gibt es allen Grund, zuversichtlich zu sein“.

In einer lebhaften Diskussion mit Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart am Dienstagabend in den Berliner Bolle Festsälen ging es um die großen Krisen der Welt. Rund 500 Mitglieder des Handelsblatt-Wirtschaftsclubs erlebten Schäuble in Höchstform. In einer unübersichtlichen globalen Lage versuchte der 74-jährige Finanzminister, der seit mehr als 45 Jahren Politik macht, Orientierung und Zuversicht zu geben. Was bei Schäuble nicht mit Schönreden zu verwechseln ist.

Der Finanzminister redete Klartext, etwa wenn es um die Politik der USA unter Donald Trump geht. Es sei „schrecklich“, was man derzeit an Kommunikation aus Amerika erlebe. Und Schäuble ließ keinen Zweifel daran, dass er die „America first“-Politik für falsch hält. Er machte sich aber auch keine Illusionen, was die Wirkung von europäischer Kritik auf Trump angeht: „Er kümmert sich nicht so sehr um uns“, sagte Schäuble nüchtern. Zugleich betonte der überzeugte Transatlantiker, dass die Europäer auf die USA angewiesen seien. Viele Krisen, wie etwa die mit Nordkorea, seien nur mit den Vereinigten Staaten von Amerika zu lösen.

Und Schäuble machte deutlich, dass die USA mehr sind als Trump – ein Grund für seine Zuversicht. Er sei zwar besorgt über die aktuelle Rhetorik der amerikanischen Seite, sagte Schäuble. Aber die Aufteilung der Macht mit ihren „checks and balances“ funktioniere in den USA immer noch. „Auch ein Präsident mit der unglaublichen Machtfülle des amerikanischen Präsidenten kann nicht machen, was er will“, betonte der Minister. Der Präsident sei abhängig von anderen Institutionen wie Kongress und Justiz und müsse Rücksicht nehmen. Trump könne einen Haufen Zeugs reden, aber der Widerstand wachse, auch bei den Republikanern.

Ein Abend mit dem Finanzminister
Deutschland-Dinner mit Finanzminister Wolfgang Schäuble
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Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe (Mitte) und Handelsblatt-Geschäftsführer Frank Dopheide (rechts) begrüßen die Gäste zum Deutschland Dinner in der Berliner Bolle Meierei.

Gut gelaunter Finanzminister
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Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble kommt gut gelaunt beim Handelsblatt-Dinner in Berlin an. Der CDU-Politiker hatte gerade drei Wochen Urlaub auf Sylt, seiner traditionellen Ferieninsel, gemacht.

Sven Afhüppe begrüßt die Gäste
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Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe begrüßt die 400 Gäste und zitiert zum Auftakt Hannah Arendt: „Wahrheit gibt es nur zu zweien.“

Schäuble ist glücklich über den Ausgang der Wahlen in Frankreich
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Die Wahl von Emmanuel Macron zum neuen französischen Präsidenten habe in ihm große Freude ausgelöst, sagte der Bundesfinanzminister im Gespräch. Er hofft, dass der junge Präsident seine Reformpläne umsetzen kann. „Wir brauchen ein starkes Frankreich.“ Und gemeinsam mit Paris, so Schäubles Überzeugung, werde es auch gelingen, die Europäische Union zu stärken und weiterzuentwickeln. Ohnehin gebe die wirtschaftliche Lage in der Euro-Zone Grund zum Optimismus.

Obwohl es an diesem Abend um ernste Themen ging, wurde auch viel gelacht
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Als Finanzminister Schäuble sich darüber freut, dass Emmanuel Macron bei seiner Siegesfeier zunächst die Europa- und nicht die Frankreich-Hymne spielen ließ, scherzt Steingart: „Ich war überrascht, dass es überhaupt eine Europa-Hymne gibt.“

Nordkorea bereitet Schäuble Sorgen
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Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart sprach aus aktuellem Anlass auch das Thema Nordkorea an. Bei aller Zuversicht, die der Finanzminister an diesem Abend ausstrahlen wollte, bereitet das kommunistische Land dem 74-Jährigen Sorgen. Die Eskalation zwischen Nordkorea und den USA sowie die indirekten Drohungen mit Atomschlägen haben auch bei Schäuble einen Eindruck hinterlassen. Das sei eine Situation, bei der er anfange, „nicht mehr ganz ruhig zu schlafen“, gab Schäuble zu. Auf die Frage von Steingart, ob Krieg in der Luft liege, vermied der CDU-Politiker eine klare Antwort.

Schäuble will weitermachen
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Am Ende des Gesprächs wollte Gabor Steingart noch wissen, wie es um die politischen Ambitionen des Finanzminister bestellt ist. Er bewerbe sich erneut um ein Bundestagsmandat, so Schäuble. Ob er auch Finanzminister bleibe wolle? Einer Antwort wich er aus. Wer Schäuble aber an diesem Abend erlebte, dürfte daran kaum einen Zweifel haben.

Die Lage ist ernst, aber es gibt Grund zur Hoffnung – das ist Schäubles Grundüberzeugung. Und sie gilt auch mit Blick auf die Flüchtlingskrise. Der Finanzminister verteidigte die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen im Jahr 2015. Er sei stolz, was Deutschland geleistet habe. Zugleich machte er deutlich, dass es viele Anstrengungen kosten wird, die Krise dauerhaft zu lösen.

Europa müsse einerseits seine Außengrenzen stärken, um diese Probleme in den Griff zu bekommen. Nicht die Schlepperbanden dürften bestimmen, wer nach Europa komme, fügte Schäuble hinzu. Gleichzeitig müsse man den Menschen vor Ort helfen. Deutschland und Europa müssten sehr viel mehr in die Stabilisierung Afrikas stecken - auch mehr Geld. „Wir dürfen die Leute nicht ertrinken lassen“, sagte Schäuble.

Schäuble hofft auf Erfolg von Macron
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13 Kommentare zu "Handelsblatt Deutschland Dinner: Der große Optimist Schäuble"

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  • Ja, auch Mr. Schäuble ist ein typischer Kontra-Indikator.
    '
    Mach das Gegenteil von seinem Rat und du wirst glücklich sein. Klar, als Daytrader ist die Politik irrelevant und man kann sich das Treiber der ehrenvollen, sauberen Politiker aus sicherer Entfernung ansehen.

    Aber Spaß muss sein, darum lese ich das HB.

  • Es ist doch klar, dass Schäuble von den billigen Zinsen profitiert. Dass das in Deutschland zu Lasten der eigenen Bürger geht, wie es im Ausland undenkbar wäre, ist natürlich mittlerweile noch klarer.

  • Wie war das mit dem Koffer und dem Geld ?
    Gangster erwirtschaften ihren Lebensunterhalt durch kriminelle Handlungen wie Diebstahl und Raub, Drogen- und Waffenhandel, Erpressung und Korruption.

  • Unabhängig von Trump, sollten die EU-Politiker sich endlich mal Gedanken machen, was EU-Interessen sind und diese auch vertreten. Da D mit seine Flüchtlingspolitik alleine steht, kann sie ja wohl nicht so vernünftig sein. Hoffentlich hat Italien in Zusammenarbeit im Libyen Erfolg. Wenn die Menschen gar nicht erst aufs Meer rausfahren, ertrinken sie da auch nicht. Es kann ja wohl nicht sein, dass jeder auf der Welt entscheiden kann, ob er nach D kommt oder nicht und dass Schleuser (einschl. ihrer Helfershelfer) ungestraft dabei helfen. Das die EZB Staatsfinanzierung betreibt, ist eigentlich jedem klar, auch wenn Draghi das natürlich abstreitet und Schäuble das nicht so sieht. Es hilft aber nichts, wenn der EuGH bzw. die Politiker der Euroländer nicht eingreifen. Unser größtes Problem in der EU ist die Nichteinhaltung der Verträge und die trotz, oder wegen, der EZB-Käufe und niedriger Zinsen ständig weiter steigende Verschuldung. Der Euro wird nur durch die EZB-Billionen am Leben erhalten. Wenn Trump ein Problem wird, dann nicht nur für die EU, sondern für die ganze Welt. Gottseidank kann auch er nicht tun und lassen, was er will. Sonst hätten wir bald eine Weltwirtschaftskrise.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Beste, kostenlose CDU - Werbung.
    Hier sind die besten Gesinnungsgenossen wieder unterwegs.
    Der sogenannte "Mob" versteht ja sowie so Nichts.
    the stupid germans

  • Heute morgen brachte eine junge Mutter die örtliche Gratiszeitung; ihr zweijähriges Kind führte sie im Kinderwagen mit. Respekt vor diesem Einsatz, aber eine Schande für die Nation und für deren Politiker.

    Zugleich pennen Hunderttausende von Schäubles "Flüchtlingen" im Lager oder schon im Ghetto rundumversorgt. Bis sie dann ab Mittag "einkaufen" gehen, an den Ecken rumlungern und im iphone daddeln. Und sich wundern, wo die ihnen von Merkel versprochenen Autos und Häuser bleiben.

  • @ Rainer von Horn - Chapeau! Ihrem Beitrag schliesse ich mich zu 100% an!

  • Der Finanzminister verteidigte die Aufnahme von Hunderttausenden Flüchtlingen im Jahr 2015.
    Auch dieser Herr nennt Kriminelle Flüchtlinge, was sind das nur für Leute in ihrem Bunker in Berlin.

  • Zitat "Er wies die Zweifel der Richter zurück, ob die EZB sich mit den Käufen noch im Rahmen ihres Mandats bewege. „Ich teile die Meinung nicht“, sagte Schäuble. „Ich glaube, dass das Mandat eingehalten ist“, unterstrich er. Die EZB schöpfe ihre Möglichkeiten aus, um ihre „höllisch“ schwierige Aufgabe einer Geldpolitik für viele unterschiedliche Länder zu erfüllen."

    Wieso denn eigentlich noch Gewaltenteilung? Unsere "sachverständigen" Politker wissen doch alles. Allen voran unser Finanz Ass Schäuble. Bin ich froh, wenn diese ganze €uroromantik endlich ein Ende hat...wird nur leider nicht geräuschlos geschehen, dafür hat die Politik die Karre zu sehr in den Dreck gefahren!

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