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Handelsblatt-Report „Ich ess’ noch eine Currywurst!“

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Im Bundestag, Montagmorgen.

Ludwig Erhard hat ausgedient. Aber Heinz Erhardt geht immer. "Es ist schlimm, wenn man alt wird. Aber schlimmer ist es, man wird es nicht", zitiert Gesundheitsministerin Ulla Schmidt den Komiker. Die unermüdlich gut gelaunte Rheinländerin redet nicht über das bevorstehende Ende der Koalition. Auf einer Fachtagung der Fraktion am Vormittag will die Gesundheitsministerin tatsächlich in aller Ausführlichkeit die "Chancen des längeren Lebens" erörtern.

Der Kongress "Altern hat Zukunft" war seit Monaten geplant. Nun bleiben etliche Plätze im SPD-Fraktionssaal leer. Auf einer Bank am Rande kämpft sich der parlamentarische Geschäftsführer Wilhelm Schmidt durch eine dicke Aktenmappe. Der erfahrene Abgeordnete ahnt, welche Schlagzeile die Zeitungen am nächsten Tag wohl bringen: "Alte Säcke treffen sich bei der SPD."

Gegen Mittag fällt Franz Müntefering mit einem Schwarm von Fernsehkameras ein. "Wir sind 83 Tage vor dem Tag, an dem wir hoffen, dass Bundestagswahl ist", sagt der Parteichef, ohne allzu viel Rücksicht auf das Thema der Veranstaltung zu nehmen.

Sachpolitik war gestern. Jetzt ist Wahlkampf. "Wir haben in den vergangenen sieben Jahren viele Dinge gut gemacht", ruft Müntefering den versammelten Betriebsräten, Krankenkassenvertretern und Sozial-Lobbyisten zu. "Das Geld darf nicht die Welt regieren", fordert Müntefering am Schluss und erntet höflichen Applaus.

Am nächsten Tag berichten die Zeitungen über den Fachkongress der Sozialdemokraten mit keiner einzigen Zeile.

Auf dem "Vorwärts"-Fest, Montagabend.

Nein, er will nicht noch einmal erzählen, wie das passiert ist. Und vor allem möchte er keine dummen Scharping-Witze hören. Also gut: Es war ein Stein auf der Straße, der Rainer Wend vom Fahrradsattel geholt hat. Ausgerechnet jetzt. Ein Finger gebrochen, die Zähne lädiert, die Backe aufgeschürft - den Wirtschaftsexperten hat es böse erwischt.

Gerade ruft Müntefering auf dem Sommerfest des Parteiorgans "Vorwärts" von einem Podium den Anwesenden zu, dass es noch 83 Tage bis zur Wahl und die Umfragewerte "ehrlich gesagt sauschlecht" sind. Wend weiß, wovon der Parteichef spricht. Er kommt aus Nordrhein-Westfalen. Bei der letzten Bundestagswahl holte er den Wahlkreis 133 in Bielefeld mit fast 14 Prozentpunkten Vorsprung vor dem CDU-Bewerber. Ein sattes Polster, sollte man meinen. Doch wenn am Sonntag Wahl wäre, würde er das Direktmandat verlieren.

Dem gelernten Rechtsanwalt geht es wie vielen SPD-Parlamentariern an Rhein und Ruhr: Er braucht einen sicheren Platz auf der Landesliste. Dafür will er kämpfen. Doch kaum verhindern kann der Verfechter einer wirtschaftspolitischen Modernisierung, dass die SPD nach links rücken wird. "Ich sehe die Zukunft mit gemischten Gefühlen", gesteht der 51-Jährige.

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