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Handelsblatt-Report „Ich ess’ noch eine Currywurst!“

Die SPD nimmt Abschied von der Macht: auf dem Hoffest, in der Fraktion und im Kanzleramt - Szenen einer Woche, an deren Ende sich die Partei selbst abwählt.
  • Karl Doemens
Bundeskanzler Gerhard Schröder und Parteichef Franz Müntefering kosten beim Hoffest der SPD-Fraktion eine Currywurst.

Bundeskanzler Gerhard Schröder und Parteichef Franz Müntefering kosten beim Hoffest der SPD-Fraktion eine Currywurst.

BERLIN. Eigentlich müsste Klaus Kirschner jetzt wohl im Plenum sitzen. Das Hohe Haus debattiert gerade über die Nebentätigkeiten von Abgeordneten. Aber was heißt hier schon "eigentlich" in Zeiten wie diesen? Und was gehen Kirschner die künftigen Abgeordneten an?

29 Jahre hat der gelernte Mechanikermeister als SPD-Abgeordneter an den Schräubchen der Sozialpolitik gedreht. Nun endet sein politisches Leben jäh ein Jahr früher als geplant. Viele Projekte sind unerledigt, die Mitarbeiter nicht versorgt. Und er liegt plötzlich im Clinch mit Parteichef Franz Müntefering.

"Das wühlt mich ganz schön auf", gesteht der 63-Jährige. Es fällt ihm schwer, seinen Gefühlszustand so kurz vor der Vertrauensfrage zu beschreiben. "Diffus" sei der passendste Begriff, findet er.

Damit steht er nicht allein. Im politischen Berlin überschlagen sich zwar die Ereignisse, aber fast alle folgen doch einem Leitthema: Die Sozialdemokraten nehmen Abschied von der Macht. Heute bei der Vertrauensfrage des Bundeskanzlers werden sich viele enthalten und sich so quasi selbst abwählen. Es ist ein Showdown, der dieser Tage alles in Berlin überlagert, das Hoffest und den Fachkongress, das "Vorwärts"-Fest und selbst die Arbeit der Abgeordneten in ihren Büros - Szenen einer bemerkenswerten Woche.

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