Handelsblatt-Tagung Digitalisierung der Energiewirtschaft „Wir müssen zurück auf Augenhöhe“

Im IT-Bereich haben deutsche Unternehmen noch viel aufzuholen, könnten das Rennen aber noch gewinnen, glaubt EU-Kommissar Oettinger. Bei der Handelsblatt-Tagung „Digitalisierung der Energiewirtschaft“ sagt er, wie.
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Der Energiekommissar hat viel Kritik für deutsche Unternehmen mitgebracht. Quelle: Dietmar Gust/Euroforum
Günther Oettinger

Der Energiekommissar hat viel Kritik für deutsche Unternehmen mitgebracht.

BerlinDeutschland hinkt hinterher, die USA seien digital überlegen, fünf amerikanische „Youngster“-Unternehmen hätten inzwischen eine doppelt so große Kapitalstärke wie alle Dax-Firmen zusammen. EU-Digitalkommissar Günther Oettinger hatte viel Kritik für die deutschen Unternehmen mitgebracht. Bei der Handelsblatt-Tagung „Digitalisierung der Energiewirtschaft“ im Steigenberger Hotel in Berlin mahnte er am Montag die Teilnehmer: „Wir sollten zurückkehren auf Augenhöhe.“

Smart Grids, Big Data – auch Energieunternehmen müssen sich längst mit den Themen der Digitalisierung befassen. Die Branche ist im Umbruch. Laut einer aktuellen Umfrage der Unternehmensberatung PwC sagen 35 Prozent der europäischen Energieversorger, dass ihre Geschäftsmodelle „bereits heute nicht mehr funktionieren" und „dringend angepasst" werden müssten.

Doch gerade beim Thema IT könne Deutschland nicht allein vorangehen, sagte EU-Kommissar Oettinger und forderte eine Digitalunion Europas, eine gemeinsame digitale Strategie mit gemeinsamen IT-Standards. Ein Alleingang werde dagegen teurer sein und möglicherweise nicht funktionieren.

Jobs der Zukunft
Neue Technologien, neue Jobs
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Wegen neuer Technologien fallen in den kommenden 20 Jahren einige Berufsbilder weg, doch gleichzeitig schafft der Fortschritt völlig neue Job-Perspektiven. An Programmierer als Experten für Industrial Internet, App-Designer oder Social-Media-Manager etwa, war vor zehn Jahren noch nicht zu denken. Mit welchen Tätigkeiten wird dann erst die Arbeitnehmergeneration der nächsten beiden Jahrzehnte ihr Geld verdienen? Ein Blick in die Zukunft.

Raumschiff-Pilot
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Allen gegenwärtigen Herausforderungen zum Trotz verschreiben sich Konzerne wie Virgin, XCOR, Boing und SpaceX auch in zwanzig Jahren noch der Raumfahrt. Sie arbeiten an der größten bemannten Weltraum-Mission aller Zeiten. Für die nächste Generation der Raumfahrt könnte Besatzung gebraucht werden, die wie Flugzeug-Crews von heute Passagiere in Kürze von einem Kontinent zum nächsten bringt.

Die digitale nach der industriellen Revolution
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Unternehmen wie GE verfolgen die Vision „brillanter“ Fabriken, in denen die Grenze zwischen digitalen und physikalischen Arbeitsabläufen verschwimmt; neue Produktionsmethoden werden möglich. In solchen Fabriken wird nicht nur die der gesamte Fertigungsprozess digital integriert, auch die enormen Datenmengen, die Maschinen und Produkte austauschen, werden mithilfe leistungsstarker Analytik-Tools nutzbar gemacht. So lassen sich in Echtzeit systemweite Analysen durchführen. Das schafft auch neue Perspektiven für den Arbeitnehmer.

Verstärkung am Bau
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Der Bauarbeiter der Zukunft ist gegenüber seinem Pendant von gestern nicht nur zeitlich voraus, sondern auch körperlich klar im Vorteil. Noch schwerere Lasten wuchtet er mit mehr Präzision und weniger Anstrengung. Exoskelette, die schon heute die Produktivität etwa im Schiffsbau erhöhen, könnten bald auch alternde Arbeiternehmer unterstützen.

Psychiater für den Roboter
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Die Roboter-Entwicklung schreitet voran. Je eigenständiger die Maschinen werden, umso lauter der Ruf nach ethischen Standards für die Branche: Wie können ethische Überlegungen bei der Programmierung bedacht werden? Um sicherzustellen, dass der Roboter keinen ungewollten Schaden verursacht, wird es künftig Bedarf an spezialisierten Programmierern geben.

Designer künstlichen Lebens
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Das Werkzeug, mit dem Wissenschaftler biologische Eigenschaften neu kombinieren, wird sich bald auch der engagierte Hobby-Einstein leisten können. Auf dieser Entwicklungsstufe synthetischer Biologie – dem Schaffen von Lebewesen, die in der Natur so nicht vorkommen, wie etwa Mikroorganismen, die Medikamente absondern – werden mehr Bioingenieure denn je gefragt sein.

Der Inhalt dieser Bilderstrecke stammt aus einer Publikation auf GE Look Ahead und kann unter folgendem Link eingesehen werden: http://gelookahead.economist.com/slideshow/industrial-jobs-of-the-future/

Ein großes Thema sei dabei der Datenschutz. Die Menschen müssten darauf vertrauen können, dass ihre Daten auch sicher sind, wenn sie etwa dokumentieren lassen, wann und wie viel Strom sie verbrauchen. Carl-Ernst Giesting, Chef der RWE-Vertriebs-AG pflichtete dem EU-Kommissar bei: „Da müssen wir höllisch aufpassen.“ Matthias Brückmann, stellvertretender Vorsitzender des Energieversorgers EWE, wies auf die Möglichkeiten und Fähigkeiten der Hacker hin: „Ich habe immer die Angst, dass Daten – auch bei uns – nicht so sicher sind, dass sie nicht hackbar sind.“

Datensicherheit sei wichtig, damit digitale Energieinfrastruktur überhaupt entstehe. Angriffe auf IT-Systeme sollten daher europäisch zentral gemeldet werden, damit künftige besser abgewehrt werden könnten, forderte Oettinger. „Zu glauben, dass ein Mitgliedsland Daten allein schützen kann – vergessen sie's“, sagte er.

Auch die Energieversorger haben erkannt, wie wichtig Daten für ihr Geschäft sind. „Alle zukünftigen Geschäftsmodelle sind datenbasiert“, erklärte RWE-Manager Carl-Ernst Giesting. EWE-Vizechef Brückmann lobte die Vorzüge der Digitalisierung. Damit seien Unternehmen in der Lage „die individuellen Bedürfnisse des Menschen zu erkennen“.

Bei der Umsetzung hapert es jedoch noch an Know-How. Auch deshalb würden künftige Geschäftsmodelle gemeinsam mit Partnern entwickelt, erklärte Giesting. Das sei für einen großen Konzern wie RWE ein Lernprozess. Er riet auch anderen Unternehmen der Branchen, vor allem kleineren Stadtwerken dazu, sich Partner zu suchen.

Oettinger forderte die Unternehmen aber auch dazu auf, mehr in die IT-Kompetenz ihrer Mitarbeiter zu investieren und dabei auch über denen eigenen Tellerrand hinauszuschauen. „Ich rate der Energiewirtschaft in Verbindung mit der Start-Up-Szene zu gehen“, mahnte er.

Oettinger kritisierte, dass Deutschland im Vergleich zu den USA ausländischen IT-Spezialisten, die hier arbeiten wollen, viele bürokratische Hürden in den Weg stelle. „Der Inder, der Junge aus Singapur“ gehe eher in die USA. Da komme er schneller an, „während er bei uns erstmal Deutsch lernen soll“.

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  • Die sog. Energiewende mit ihren politischen Diktat und marktfeindlichen EEG lässt in Zukunft keine zuverlässige, preisgünstige und sichere Stromversorgung mehr in Deutschland zu. Das EEG = Energiewende VERNICHTET unsere wirtschaftliche Wertschöpfungskette in Deutschland und damit auch in der EU. Damit hat sich alles andere auch erledgit...vor allen die stromintensive IT-Branche, die gerade auf eine preisgünstige und zuverlässige Stromerzeugung und Versorgung angewiesen ist.

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