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Handelsblatt-Zukunftsforum „Pathfinder“ Revolution muss neu gedacht werden

Der moderne Mensch verlangt nach Aufklärung und Partizipation. Er glaubt nicht, er will wissen. Die Revolution hat sich verändert – und mit ihr die Gesellschaft. Auch für Unternehmen gilt: Change or die.
08.05.2015 - 10:32 Uhr 3 Kommentare

7 CEOs - ein Tag: Das war Pathfinder 2015

Berlin Um dem Revolutionär unserer Tage näher zu kommen, brauchen wir keine Parteihochschule zu besuchen, und auch die Reise in das Getto unser Vorstädte können wir uns sparen. Wir müssen morgens nur die Tür zum eigenen Badezimmer aufstoßen, um dort beherzt vor den Spiegel zu treten. Schon steht das revolutionäre Subjekt mit verschlafenen Augen vor uns: Es sieht aus wie du und ich. Der Fremde aus Albert Camus' gleichnamigem Roman kommt einem in den Sinn: „Und ich hatte das sonderbare Gefühl, von mir selbst angesehen zu werden.“

Je gründlicher wir das eigene Spiegelbild betrachten, desto absurder allerdings scheint die Idee, dass uns hier Geschichtsmächtiges gegenübersteht. Den neuen Che Guevara stellen wir uns leidenschaftlicher vor. Eine Kämpfernatur wie Rosa Luxemburg, der wir den lebensfrohen Satz „Revolution ist großartig, alles andere ist Quark“ verdanken, erschien wahrscheinlich schon zur Morgentoilette in wilder Entschlossenheit.

Uns springt also bereits an dieser Stelle der Selbstzweifel an, ob die Rede hier wirklich an uns gerichtet ist. Wir wissen ja aus dem täglichen Zusammenleben mit uns selbst, dass die bei weitem schwierigste Form der Beherrschung die Selbstbeherrschung ist. Kurz und gut: Es muss sich um eine Verwechslung handeln. Der Revolutionär wohnt womöglich eine Tür weiter.

Was Spitzenkräfte und Talente inspiriert
Rikka Hamilton, 40, Daimler (Dänemark)
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„Für mich kommt Inspiration vor allem von anderen Menschen, also aus anderen Konzernen oder von Kollegen aus anderen Branchen. Vor allem große, internationale Konzerne wirken mit ihrem Handeln inspirierend und vorbildhaft für mich. Ich bin bei Daimler im Sales und Marketing, es geht bei mir viel um meine Ziele. Aber gerade im Marketing geht es auch um Idee, um Internationalität, um Kreativität. Da ist Inspiration durch Austausch sehr wichtig. Deshalb erhoffe ich mir heute viel Input und viel Wissen von anderen.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)
Jörn Solms, 49, eon
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„Mich inspiriert vor allen Dingen der Austausch mit den anderen Unternehmen, gerade eben nicht innerhalb der Branche sondern zu fremden Firmen. Bei jeder Gelegenheit wo man das schafft, auch beispielsweise Dinge aus dem Privaten ins geschäftliche Umfeld zu übertragen, das ist inspirierend. Ein Abendessen mit Freunden zum Beispiel. Manchmal geht es dann auch anders herum und die Arbeit inspiriert einen für die Familie.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)
Matthias Karge, 36, eon
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„Mir fällt spontan Sport ein. Sport inspiriert immer, wenn es um Einstellungen geht oder Strategie oder Ehrgeiz. Und natürlich andere Kulturen, Reisen, Gespräche mit Menschen in anderen Ländern. Musik oder Theater inspiriert mich eher nicht.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)
Stefan Frank Ullerich, 42 Jahre, Deloitte
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„Musik inspiriert mich sehr. Wenn ich Musik höre, komme ich auf Gedanken, die man sonst nicht hat. Vor allem bei klassischer Musik kann ich sehr gut abschalten – und mich auf Ideen konzentrieren, die ich später für den Beruf nutze.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)
Stefanie King, 26 Jahre, Deloitte
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„Für mich ist der Austausch mit anderen Leuten sehr anregend, ich möchte wissen, was sie bewegt, welche Ideen sie haben, welche Wege sie gegangen sind. Vor allem Menschen aus anderen Bereichen können einem neue Einblicke geben – neudeutsch heißt das wohl interdisziplinärer Austausch.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)
Benjamin Müller, 30, Bayer
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„Was mich inspiriert, dass man gerade bei Bayer sehr professionell agiert und gleichzeitig eine sehr offene Arbeitskultur hat. Man geht in den Meetings sehr sachorientiert vor, ist dann in den Pausen aber sehr offen und zugänglich. Diese Abwechslung ist sehr bereichernd. Eine gute Arbeitsatmosphäre ist mir sehr wichtig – und wenn dann wie im Moment die wirtschaftlich sehr gute Entwicklung dazu kommt, dann ist das sehr elektrisierend für die Mitarbeiter. Und das überträgt sich dann auf alle. Heute zum Beispiel lernen wir unseren Vorstandsvorsitzenden Dekkers aus einer völlig neuen Perspektive kennen: professionell und aber auch auf eine sehr lockere Art. Das macht es sehr einzigartig und außergewöhnlich. Das zieht junge Leute an und wenn die dann reinkommen und ihre Ideen auch zugelassen werden, ist es wunderbar.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)
Kristin Dicke, 29, Deutsche Bank
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„Mich inspirieren Reisen, Urlaub, andere Menschen, andere Kulturen. In der Firma inspirieren mich vor allem die Kollegen, auch mein Chef. Der hat so viel Erfahrung, ich arbeite jetzt seit drei Jahren für ihn und er überrascht mich immer wieder aufs Neue. Die Art wie er führt ist sehr inspirierend. Er ist sehr integer, man kann ihn alles fragen. Wenn ich mal in eine Führungsaufgabe gehe möchte ich ein Stück weit seinen Stil übernehmen.“

(Foto: Marco Urban für Handelsblatt)

Der Fluchtgedanke ist verständlich, aber voreilig. Der Leser, auch wenn der Zweifel die Finger nach ihm ausstreckt, ist nicht nur der richtige Empfänger, sondern in Personalunion auch der Absender dieser Geschichte, weil sie seine ureigene ist.

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    Was vor 500 Jahren mit den ersten gedanklichen Lossagungen von Kirche und Kaiser begann und wenige Hundert Jahre später zu den Revolutionen in Frankreich und Amerika führte, setzt sich in den modernen Alltagswelten fort. Unsere Lehrer haben sich geirrt, als sie uns die „Aufklärung“ als eine historisch abgeschlossene Epoche verkauften. In Wahrheit war, was sich rund um die Pariser Bastille, im Hafen von Boston oder auf dem Hambacher Schloss abspielte, nicht ein längst beendetes Stück Weltgeschichte, sondern dessen Präludium.

    Mit hohem Tempo und großer Vitalität jagen wir seither durch die Akte; an dramaturgischen Höhepunkten herrscht kein Mangel. Es sei die Natur des Menschen, feuert Kant uns an, „Erkenntnisse zu erweitern, von Irrtümern zu reinigen und überhaupt in der Aufklärung weiterzuschreiten“. Genau das tut der heutige Revolutionär mit einer Leidenschaft, die ihresgleichen sucht. Er glaubt nicht, er will wissen; er sprengt keine Ketten, er legt sie ab; er fordert nicht, er nimmt; er folgt nicht, er führt, und sei es das eigene Leben.

    Der moderne Bürger verlangt nach neuen Formen der Partizipation. Quelle: Marco Urban für Handelsblatt
    Handelsblatt-Herausgeber Gabor Steingart

    Der moderne Bürger verlangt nach neuen Formen der Partizipation.

    (Foto: Marco Urban für Handelsblatt)

    Der moderne Revolutionär muss den französischen Schriftsteller Charles-Pierre Baudelaire gar nicht kennen, um die zwei von ihm proklamierten Grundrechte mit unbekümmerter Selbstverständlichkeit in Anspruch zu nehmen – das Recht, sich selbst zu widersprechen; und das Recht, wegzugehen.

    Der „Strom der Revolution“
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    3 Kommentare zu "Handelsblatt-Zukunftsforum „Pathfinder“: Revolution muss neu gedacht werden"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Viel geschrieben, noch mehr wiederholt aber voll daneben liegend. Hier wurde viel vergessen oder nicht erwähnt. Die Beispiele lassen einen schmunzeln - wie das offene oder wieder zugeknöpfte Hemdchen der Uschi Obermeier. REVOLUTION??? was denn? wie denn, wo denn? Das haben wir doch nicht! Allerhöchstens Frust und die geballte Faust im Sack. Und das ganze findet statt von einer verweichlichten, überfressenen, OpaInnen-Generation, die noch mal den Bär tanzen lassen will - aber wegen Knie-,Hüft- und Hirnleiden leider nicht mehr Sex and Drugs and Rock´n Roll mit Pflasterstein und Molli -- nur noch per Rolli und ShitStorm agieren kann. Ab und zu kommt es zur Minidemo - wenn alles was jung ist aus Europa zusammenkommt, um vor der EZB die grauen Haare schüttelt und mit den 3. Zähnen klappert. Unsere Bevölkerung ist zu alt für die REVOLUTION. Was hier geschieht ist Nörgeln mit GutMenschAttitüde gepaart mit gemainstreamten Genderismen. Mehr auch nicht. Und die Jungen...die sind ausschließlich mit sich und ihrer virtuellen Freundesblase beschäftigt. Im Netz toben sie die Guerilleros der Bits and Bytes. Allzeit bereit Titten und Schwanz zu zeigen und ihre Empörung über jede Sau die gerade durchs virtuelle Dorf getrieben wird. Revulution? Nein vielleicht mal Evolution - aber nur wenn die Rente gesichert bleibt - und die Lebensversicherung, und das Häuschen. und bloß kein Asylheim nebenan. Sonst klag ich.
      Wir werden hier eine Revolution erleben... eine islamische.

    • Hervorragendes Essay wie ich finde, es bringt den "Zeitgeist" gut zur Geltung und bringt ihn auch vielleicht einmal denen nahe, die Ihn immer noch nicht bemerkt haben oder aber am liebsten verschweigen.
      In Zeiten der Informationsrevolution ist eben die Interpretation nicht mehr nur einigen wenigen vorbehalten, das Ausbilden einer eigenen Meinung war noch nie so detailliert möglich wie heute.
      Detailinformationen, Zusammenhänge, übergeordnete Doktrinen aber auch Personen und Institutionen können heute nach eigenem Gutdünken analysiert und persönlich bewertet werden.
      Die "alten Eliten" fürchten sich zu recht vor dieser Emanzipation des Denkens, können Sie doch heute nicht mehr die Deutungshoheit über alle bewahren sondern nur noch über die "Ihrigen".

    • Ein gelungener Essay, der sich munter historisch gewachsener Baustellen bedient und der durchaus die Bezeichnung Prospekt verdient:
      Von einem immer wieder mißverstanden wirkenden "anything goes", das sein(e) Urheber ggf hintersinniger gemeint haben könnte(n), als es bislang zu vermuten stehen könnte, bis hin zu einer permanent wirkenden Revolution, die ihre Kinder nicht mehr fressen muss...
      Ein gütig wirkendes "Von hier aus", den Blick nach vorn gerichtet.
      Ein Sonntagsaufsatz, wie er zum 70jährigen Ende des letzten Weltkrieges passt.
      Der Leser dankt.

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