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Handy-Verbot Smartphone erst ab 14? Regierungsberaterin stößt mit ihrer Forderung auf breite Ablehnung

Eine Beraterin der Bundesregierung will Schulkinder vor pornografischen Bildern schützen – und fordert ein Handyverbot. In Politik und Wirtschaft kommt das nicht gut an.
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Fast 90 Prozent aller 13-Jährigen verwendet ein Smartphone. Quelle: dpa
Kind mit iPhone.

Fast 90 Prozent aller 13-Jährigen verwendet ein Smartphone.

(Foto: dpa)

BerlinPolitiker von SPD und Grünen halten nichts von einem Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 Jahren. Einem entsprechenden Vorschlag der Internetexpertin im Fachbeirat des Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Julia von Weiler, erteilten sie eine klare Absage.

Die Gefahren der digitalen Welt für Kinder seien zwar „absolut real“. „Ein Zugangsverbot zum Internet für unter 14-Jährige würde ich jedoch als komplettes Ausblenden der Realität betrachten“, sagte der digitalpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Jens Zimmermann, dem Handelsblatt. „Stattdessen sollten die Anstrengungen im Bereich der Medienpädagogik massiv verstärkt werden.“ Außerdem müssten die Schulen bei den vielen Fragen im Umgang mit privaten Smartphones von den Ländern „deutlich besser“ unterstützt werden.

Der Fraktionsvize der Union im Bundestag, Thorsten Frei, warnte davor, die Gefahren für Kinder in jungem Alter zu unterschätzen. Man müsse die „fraglos erheblichen“ Risiken genau ansehen und prüfen, wie man ihnen begegnen könne, sagte Frei dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Samstag). „Dabei sollten wir aber vor allem auch die Verantwortlichkeit der Eltern in den Blick nehmen“, so der CDU-Politiker, „und uns fragen, ob technische Inhaltseinschränkungen zum Schutz der Kinder als milderes Mittel in Frage kämen“.

Auch der Obmann der Grünen im Digitalausschuss des Bundestages, Dieter Janecek, wies auf die Risiken hin. „Wenn Kinder mit pornografischen Bildern und Videos in Kontakt kommen, ist das ein ernstes Problem. Ein Handyverbot für unter 14jährige ist aber der falsche Weg“, sagte Janecek dem Handelsblatt. „Es ist Aufgabe von uns Eltern, muss aber auch an Schulen verankert werden, Kindern und Jugendlichen einen verantwortungsbewussten Umgang mit der digitalen Welt zu vermitteln.“

Von Weiler hatte sich für ein Smartphone-Verbot für Kinder unter 14 stark gemacht, weil schon 9- bis 11-Jährige pornografische Bilder anschauten oder Selbstbefriedigungsvideos von Gleichaltrigen verbreiteten. Laut einer Bitkom-Studie ist bei Kindern die Smartphone- und Tablet-Nutzung in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. „Täter und Opfer werden immer jünger“, sagte die Geschäftsführerin des Vereins „Innocence in Danger“ den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. „So, wie wir Kinder vor Alkohol oder anderen Drogen schützen, sollten wir sie auch vor den Risiken einer zu frühen Smartphone-Nutzung schützen“, sagte sie.

Auch polizeiliche Ermittler beobachten den Trend, den von Weiler beschreibt: „Die Zahl der Anzeigen in diesem Bereich ist in den letzten Jahren deutlich gestiegen“, sagte Judith Dobbrow vom Landeskriminalamt (LKA) Berlin. Die Ermittler seien inzwischen im Schnitt alle zwei Wochen in einer Schule, um dort einer solchen Anzeige nachzugehen. „Seit jedes Kind ein Smartphone hat, werden auch die Tatverdächtigen immer jünger.“

Von Weilers Verbotsvorschlag sieht auch der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig skeptisch: „Eine gesetzliche Altersbeschränkung für Smartphones wäre möglicherweise eine schnelle und vermeintlich einfache Lösung.“ Sie löse aber nicht das Grundproblem des fehlenden Schutzes im Netz, sagte Rörig den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

Der IT-Verband Bitkom wandte sich ebenfalls gegen ein Smartphone-Verbot. „Verbote sind keine Antwort auf die Digitalisierung“, wies Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder von Weilers Vorschlag zurück. „Wer schwarz-weiß denkt und Handys einfach verbieten will, macht es sich zu einfach“, sagte Rohleder dem Handelsblatt.

Der Bitkom-Hauptgeschäftsführer wies darauf hin, dass fast 90 Prozent aller 13-Jährigen heute ein Smartphone verwendeten. Sie nutzten es vor allem für die Kommunikation mit Freunden und der Familie (86 Prozent), für Spiele (84 Prozent) sowie zur Recherche von Informationen (36 Prozent), so Rohleder.
Kinder und Jugendliche sollten aus seiner Sicht frühzeitig lernen, verantwortungsvoll mit Handys umzugehen und sich sicher, souverän und selbstbewusst in der digitalen Welt zu bewegen. „Genauso wie Lesen und Schreiben sollte Medien- und Digitalkompetenz in den Schulen vermittelt werden“, sagte der IT-Experte.

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