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Hans Joachim Schellnhuber „Empfehlungen der Kohlekommission müssen vollumfänglich umgesetzt werden“

Schellnhuber kritisiert als Mitglied der Kommission die zu einseitige Ausrichtung auf wirtschaftliche Interessen. Die Bundesregierung habe sich vor ihrer Verantwortung gedrückt.
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„Die Bundesregierung hat sich selbst vor ihrer Klimaverantwortung gedrückt.“ Quelle: dpa
Hans Joachim Schellnhuber

„Die Bundesregierung hat sich selbst vor ihrer Klimaverantwortung gedrückt.“

(Foto: dpa)

Hans Joachim Schellnhuber (68) hat ein Vierteljahrhundert lang das von ihm gegründete Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) geleitet und es zu einem der renommiertesten Forschungseinrichtungen zum Klimawandel gemacht. Im vergangenen September übergab der Physiker die Institutsspitze an Ottmar Edenhofer und Johan Rockström.

Er fungierte als wissenschaftlicher Berater für eine Vielzahl führender Politiker und Religionsvertreter, darunter Bundeskanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso und Papst Franziskus und ist langjähriges Mitglied des Weltklimarats.

Schellnhuber macht sich für die Einhaltung des Pariser Klimaabkommens stark, das eine Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad im vorindustriellen Vergleich vorsieht. Den Konsens in der Kohlekommission bezeichnet er als „mühsam errungen“ und hält ihn zur Erfüllung des Pariser Klimaabkommens für nicht ausreichend. Die Umweltverbände sind für ihn aufgrund ihrer Kompromissbereitschaft die moralischen Sieger in der Kommission.

Lesen Sie hier das gesamte Interview:

Herr Schellnhuber, war die Einigung der Kohlekommission ein „historischer Kraftakt“?
Ein Kraftakt war es sicherlich. Die Anstrengung, die extrem unterschiedlichen Positionen zusammenzubringen, könnte man tatsächlich auch als historisch bezeichnen. Das heißt aber noch lange nicht, dass es ein historischer Erfolg war.

Warum nicht?
Es war ein ungleicher Kampf mit ungleichen Mitteln. Die Interessenvertreter der Industrie, der Arbeitnehmer und der Bundesländer hatten das gemeinsame Projekt, möglichst viel Steuerzahler-Geld für ihre Sonderinteressen einzuwerben. Sie standen wie ein Block den wenigen Vertretern der Umweltverbände gegenüber, denen es um das Gemeinwohl ging, nämlich um die Stabilisierung unseres Klimas.

Der Klimaschutz ist also nicht genügend beachtet worden?
Deutschland steigt aus der Kohle aus – das ist jetzt Fakt. Hinter diese Vereinbarung kann keiner mehr zurück. Insofern bewerte ich das Ergebnis als „ermutigenden Misserfolg“. Wir haben zwar nicht das erreicht, was für die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens notwendig gewesen wäre. Dafür müssten wir bis 2030 aus der Kohle aussteigen. Aber was vielleicht im Moment noch wichtiger ist, ist das Symbolische.

Was meinen Sie damit?
Dass eine Kommission mit so großer Unwucht in der Lage ist, einen Kompromiss zu finden, das hat Vorbildcharakter für andere Sektoren, beispielsweise für den Verkehr oder die Landwirtschaft.

Das heißt, jetzt müssen die anderen Branchen liefern?
Natürlich, und schnell. Ich erfahre täglich, welche Illusionen sich fast alle über Geschwindigkeit und Ausmaß der zu erwartenden Erderwärmung machen. Der Kohleausstieg war noch der einfachste Akt im Projekt Klimastabilisierung. Beim Verkehr sehe ich noch gar kein ernsthaftes Bemühen.

Welche Erwartungen haben Sie an die Bundesregierung?
Die Bundesregierung hat sich selbst vor ihrer Klimaverantwortung gedrückt. Jetzt erwarte ich, dass die Empfehlungen der Kommission vollumfänglich umgesetzt werden – vor allem, da wir ein Ergebnis geliefert haben, in das politische Vorstellungen ja schon eingepreist sind. Ansonsten würde man die Kommission im Nachhinein lächerlich machen – und dieses anstrengende zivilgesellschaftliche Format weitgehend entwerten.

Herr Schellnhuber, vielen Dank für das Interview!

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