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Hauptgeschäftsführer Joachim Lang BDI lehnt Begrenzung von Managergehältern ab – „Aufsichtsräte handeln verantwortungsvoll“

Die Bundesregierung will Managergehälter deckeln. Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Industrieverbands BDI, spricht von einem nicht durchdachten Vorhaben.
13.11.2019 - 06:00 Uhr 1 Kommentar
Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) ist strikt gegen eine gesetzliche Deckelung. Quelle: imago/Reiner Zensen
Joachim Lang

Der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) ist strikt gegen eine gesetzliche Deckelung.

(Foto: imago/Reiner Zensen)

Berlin Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) hat mit scharfer Kritik auf die Pläne der Großen Koalition zur Begrenzung von Vorstandsvergütungen in deutschen Unternehmen reagiert. „Man kann sicherlich die Aufsichtsräte einzelner Gesellschaften kritisieren, wenn in deren Entscheidungen das Gefühl von Maß und Mitte abhandengekommen zu sein scheint“, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang dem Handelsblatt. „Es gibt einzelne fragwürdige Fälle, die nicht zu beschönigen sind.“

Dies rechtfertige „aber keine gesetzliche Regelung für 10.000 Aktiengesellschaften und 900 börsennotierte Unternehmen.“ Grundsätzlich handelten deutsche Aufsichtsräte bei der Festlegung der Vorstandsvergütung „verantwortungsvoll“, so Lang.

Hintergrund ist, dass sich Union und SPD im Rahmen der Umsetzung der zweiten EU-Aktionärsrechterichtlinie jetzt darauf verständigt haben, dass der Aufsichtsrat im Rahmen des Vergütungssystems gesetzlich dazu verpflichtet werden soll, eine Maximalvergütung (Cap) für die Vorstandsmitglieder festzulegen. Die Hauptversammlung als Vertreterin der Aktionäre erhält zugleich die Möglichkeit, diese Vergütung noch weiter herabzusetzen.

Der BDI-Hauptgeschäftsführer warnte vor der Umsetzung der Pläne. Wenn der Beschluss der Koalition so Realität werde, „nimmt man Aktiengesellschaften und börsennotierte Gesellschaften für eine Handvoll Ausreißer durch weitere Bürokratie und Beschränkungen in Mithaftung“, sagte Lang. „Ich frage mich, ob dies in der Union, die doch so entschieden für den Abbau von Bürokratie eingetreten ist, ausreichend durchdacht wurde.“

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    Aus Sicht des BDI sollte die Festlegung der Vorstandsvergütung auch weiterhin beim mitbestimmten Aufsichtsrat liegen. „Genau dort werden die strategischen Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens gefällt“, so Lang. „Dazu gehört die Besetzung der Führungsposition.“

    Lesen Sie hier das vollständige Interview:

    Herr Lang, der Aufsichtsrat wird verpflichtet, künftig einen Deckel für Managergehälter einzuziehen. Was halten Sie davon?
    Wir halten nichts von einer gesetzlichen Begrenzungspflicht. Die Vergütungshöhe ist Teil des Gestaltungsspielraums, die dem Aufsichtsrat bei der Vergütung zukommt. Der Deutsche Corporate Governance Kodex empfiehlt bereits die Einführung von Gehaltsobergrenzen. Viele Unternehmen folgen dieser Empfehlung. Deutlich kritischer sehen wir die Möglichkeiten der Hauptversammlung, das Votum des Aufsichtsrats einseitig absenken zu können.

    Gibt es denn aus Ihrer Sicht Auswüchse in einzelnen Unternehmen, die eine solche Regelung notwendig machen?
    Man kann sicherlich die Aufsichtsräte einzelner Gesellschaften kritisieren, wenn in deren Entscheidungen das Gefühl von Maß und Mitte abhandengekommen zu sein scheint. Es gibt einzelne fragwürdige Fälle, die nicht zu beschönigen sind. Dies rechtfertigt aber keine gesetzliche Regelung für 10.000 Aktiengesellschaften und 900 börsennotierte Unternehmen.

    Grafik

    Grundsätzlich handeln deutsche Aufsichtsräte bei der Festlegung der Vorstandsvergütung verantwortungsvoll. Einzelfälle – von denen jeder einer zu viel ist – sind kein Grund, neue Gesetze zu erlassen und damit tausende unkritische Vorstandsverträge in Mithaftung zu nehmen. Jenseits von deutschen Top-Gesellschaften, die hunderttausende von Mitarbeitern beschäftigen und Milliardenumsätze erwirtschaften, sind in allen übrigen Börsensegmenten Millionengehälter – wenn überhaupt – die absolute Ausnahme.

    Wenn man die Regelung schon ändert, müssten das nicht grundsätzlich die Aktionäre entscheiden? Sie sind doch die Eigentümer der Unternehmen?
    Die Festlegung der Vorstandsvergütung sollte aus Sicht des BDI auch weiterhin beim mitbestimmten Aufsichtsrat liegen. Genau dort werden die strategischen Entscheidungen für die Zukunft des Unternehmens gefällt. Dazu gehört die Besetzung der Führungsposition. Denn so vielfältig wie die Unternehmenslandschaft in Deutschland aussieht, so unterschiedlich könnten Antworten auf diese Frage ausfallen. In börsennotierten Aktiengesellschaften mit breitem Streubesitz gibt es sehr heterogene Anlegerinteressen.

    Sind Sie enttäuscht über die CDU, dass sie bei diesem Vorhaben mitmacht?
    Wenn der Beschluss der Bundesregierung so Realität wird, nimmt man Aktiengesellschaften und börsennotierte Gesellschaften für eine Handvoll Ausreißer durch weitere Bürokratie und Beschränkungen in Mithaftung. Ich frage mich, ob dies in der Union, die doch so entschieden für den Abbau von Bürokratie eingetreten ist, ausreichend durchdacht wurde. Ganz abgesehen davon, dass jede Regulierung das Risiko der Schaffung von Fehlanreizen mit sich bringt.

    In Deutschland sind die Aufsichtsräte paritätisch besetzt. Die Gewerkschaften entscheiden also heute schon immer mit. Haben die aus Sicht der Regierung einen schlechten Job gemacht?
    Bereits jetzt ist der Aufsichtsrat verpflichtet, die Vergütungsstruktur auf eine nachhaltige Unternehmensentwicklung auszurichten. Damit wird verhindert, dass Boni Anreize schaffen, für kurzfristige Ziele hohe Risiken einzugehen, die die Geschäftsentwicklung auf längere Sicht beschädigen können. Das ist richtig. Jeder Auswuchs schadet dem Image der deutschen Wirtschaft in Gänze. Und es trifft zu Unrecht all die Aufsichtsräte, die gut kooperieren und einen exzellenten Job machen.
    Herr Lang, vielen Dank für das Interview.

    Mehr: Managergehälter im Vergleich – US-Kollegen hängen die Dax-Chefs ab.

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    1 Kommentar zu "Hauptgeschäftsführer Joachim Lang: BDI lehnt Begrenzung von Managergehältern ab – „Aufsichtsräte handeln verantwortungsvoll“"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Der Staat sollte in Privatgesellschaften die ihren gesetzlichen Verpflichtungen korrekt nach-
      kommen, moeglichst wenig eingreifen. Aber die HV - das sind schliesslich die Eigentuemer -
      muessen letztendlich bestimmen, was die Vorstaende bekommen, und wenn der Aufsichtsrat damit nicht einverstanden ist, kann er zuruecktreten oder auch schlicht
      abgewaehlt werden.

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