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Hauptstadt-Flughafen Eröffnung mit acht Jahren Verspätung: Das waren die peinlichsten Pannen am BER

Pleiten, Pech und Pannen begleiteten jahrelang den Bau des Berliner Airports, der 2012 eröffnen sollte und nun am 31. Oktober startet. Die größten Fehlschläge – ein Rückblick.
20.10.2020 - 10:30 Uhr Kommentieren
BER-Eröffnung 2020: Die wichtigsten Fragen und Antworten Quelle: dpa
Hauptstadtflughafen BER

Ein Baugerüst in einem Gebäude des Hauptstadtflughafens in Schönefeld (Brandenburg).

(Foto: dpa)

Berlin Es grenzt schon fast an ein Wunder, dass der neue Berliner Flughafen BER nun tatsächlich am 31. Oktober ans Netz gehen soll. „Wir haben uns sehr gründlich auf die Inbetriebnahme vorbereitet“, sagte der Chef der Flughafengesellschaft FBB, Engelbert Lütke Daldrup, am Montag.

Das Hauptziel des Probebetriebs sei erreicht worden. „Wir haben aus dem fertiggestellten Gebäude einen funktionsfähigen Flughafen gemacht.“ Damit könne der BER „guten Gewissens“ eröffnet werden.

Die ursprünglich im Jahr 2012 geplante Eröffnung hatte sich immer wieder verzögert: Dafür sorgten Tausende Baumängel, ein nicht funktionsfähiger Brandschutz, unter Wasser stehende Kabelschächte sowie ein insolventes Planungsbüro.

Dass ein Prestigeprojekt wie der BER derart aus dem Ruder laufen konnte, dafür gibt es plausible Gründe. Man habe nicht nur „munter drauflosgebaut“, es seien auch Planungsänderungen und -erweiterungen „vollkommen unprofessionell und unsystematisch“ umgesetzt worden, sagte Klaus-Heiner Röhl, Experte für Strukturpolitik und Mittelstand am Institut der deutschen Wirtschaft (IW), dem Handelsblatt.

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    Die daraus resultierenden Fehler haben aus dem BER so etwas wie die neuzeitliche Variante des Rathauses von Schilda gemacht. Das hatten die Schildbürger schön gebaut, aber die Fenster vergessen.

    Hier eine Auswahl besonders peinlicher BER-Pannen:

    Hohe Energiekosten für leeren Airport

    Mit hohen Kosten überraschte der Flughafen 2013. Der nicht eröffnete BER-Flughafen verschlang monatlich einen zweistelligen Millionenbetrag. Das Geld musste für Reinigung, Bewachung, Wartung, Instandhaltung und vor allem Energie aufgebracht werden. Allein die Stromkosten zum Illuminieren der Baustelle seien höher als beim Betrieb in Tegel, hieß es seinerzeit. Der menschenleere Hightech-Terminal sei rund um die Uhr erleuchtet. Angaben des damaligen Technikchefs, das Licht lasse sich nicht ausschalten, weil die Steuerung nicht funktioniere, wies die Flughafengesellschaft aber umgehend zurück.

    2006 erfolgte der Spatenstich für den BER mit dem damaligen Airportchef Rainer Schwarz, Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und den Ex-Regierungschefs Klaus Wowereit (SPD, Berlin) und Matthias Platzeck (SPD, Brandenburg). Quelle: dpa
    Hauptstadtflughafen BER

    2006 erfolgte der Spatenstich für den BER mit dem damaligen Airportchef Rainer Schwarz, Ex-Bahn-Chef Hartmut Mehdorn und den Ex-Regierungschefs Klaus Wowereit (SPD, Berlin) und Matthias Platzeck (SPD, Brandenburg).

    (Foto: dpa)

    Zu kurze Rolltreppen

    Die Rolltreppen aus dem unterirdischen Bahnhof hoch auf den Willy-Brandt-Platz vor dem Hauptterminal waren zu kurz: Drei bis vier Stufen mussten dazugemauert werden. Wie es zu der Panne kam? Die Rolltreppe war schon bestellt, als noch Umplanungen stattfanden.

    Rauchabzug durch den Keller

    Üblicherweise sind Brandschutzanlagen so konzipiert, dass im Fall eines Feuers entstehender Rauch durch das Dach abgeleitet wird. Nicht so beim BER. Aus ästhetischen Gründen drehten die Architekten das Prinzip um. Der Rauch sollte nach unten abgesaugt werden, quasi in den Keller. Ermöglichen sollte dies ein komplexes Brandschutzsystem mit vielen Klappen und Steuerungen. Doch das hat leider nicht wie gewünscht funktioniert. Gelöst wurde das Problem schließlich durch Abluftkamine im Dach.

    Veraltete Bauteile

    Eine „deutsche Besonderheit“ machte dem BER zusätzlich zu schaffen. Die Sicherheits- und Brandschutzauflagen seien fortlaufend verschärft worden, sagte IW-Experte Röhl. „Selbst Einrichtungen und Bauteile, die 2012 hätten in Betrieb gehen können, entsprechen oft nicht mehr den heutigen Anforderungen und müssen ersetzt, überarbeitet oder nachgeprüft werden.“ So entsprachen etwa Metalldübel an Tragsystemen für Kabel unter anderem für Brandschutz und Sicherheits-Stromversorgung im Hauptterminal nicht mehr der Norm. Der Flughafen musste nachträglich eine Zulassung beantragen.

    Blick auf das Flugvorfeld. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Flughafen BER

    Blick auf das Flugvorfeld.

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Falsch nummerierte Türen

    Knapp jeder dritte der 4000 Räume im Flughafen war falsch nummeriert, weil umgeplant wurde, ohne dass jemand den Überblick wahrte. Das kann schwerwiegende Folgen haben, weil Türen und Lüftungsklappen den Raumnummern folgen. Auch Rettungsdienste brauchen verlässliche Nummern. 2014 ging die Flughafengesellschaft das Problem an.

    Kabelsalat im Terminal

    Mit den Terminal-Erweiterungen legten die verschiedenen Firmen immer mehr Leitungen auf die Kabeltrassen – bis sie überbelegt waren, was etwa wegen Hitzebildung riskant ist. Kabel führen auch durch Kanäle mit Hauptleitungen für Wärme, Kälte und Wasser, teilweise fehlen Pläne. Mehr als 90 Kilometer Kabel mussten neu gezogen werden.

    Vertrauliche Unterlagen im Müll

    Ordnerweise Baupläne lagen 2014 in einem Abfallcontainer auf offener Straße in Berlin. Bei den Unterlagen soll es sich um Planungs- und Kontrollberichte einer am Bau des Airports beteiligten Architektengemeinschaft gehandelt haben. Sie enthielten demnach detaillierte Angaben etwa zu Fahrstühlen und Starkstromanlagen sowie Grundrisse des Fluggastterminals.

    Die Haupthalle in Terminal 1 ist fertig – doch die Passagiere fehlen. Quelle: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt
    Flughafen BER

    Die Haupthalle in Terminal 1 ist fertig – doch die Passagiere fehlen.

    (Foto: Marc-Steffen Unger für Handelsblatt)

    Zu früh im Einsatz: Hunderte Monitore defekt

    750 Monitore für die Fluggastinformation mussten 2018 ausgetauscht werden, weil sie sechs Jahre mit der allgemeinen Stromversorgung in dem Gebäude mitliefen. Die meisten hätten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht, erklärte seinerzeit ein Flughafensprecher. Die Monitore seien 2012 vor der damals geplanten Eröffnung eingebaut worden.

    Geisterzüge sorgen für Durchlüftung

    Anders als der Flughafen war der unterirdische Bahnhof pünktlich zur geplanten Eröffnung im Juni 2012 fertig. Seitdem fuhr eine S-Bahn ohne Fahrgäste in den Tunnel des Geisterbahnhofs hinein und wieder heraus, um auf diese Weise den ungenutzten Tunnel zu entlüften. Ansonsten hätte sich dort Schimmel bilden können.

    Mehr: Vier Milliarden Euro mehr, neun Jahre zu spät: Die wichtigsten Fakten zum Start des BER.

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