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Historiker und Publizist Arnulf Baring im Alter von 86 Jahren verstorben

Der Politologe hatte sich als Wissenschaftler früh Respekt erworben und sorgte mit seinen Thesen, Essays und Talkshow-Auftritten immer wieder für Diskussionen.
Update: 03.03.2019 - 14:36 Uhr Kommentieren
Im Alter von 86 Jahren verstorben. Quelle: dpa
Arnulf Baring

Im Alter von 86 Jahren verstorben.

(Foto: dpa)

BerlinDer Historiker und Publizist Arnulf Baring ist tot. Das teilte seine Ehefrau Gabriele Baring der Deutschen Presse-Agentur mit. Er sei am Samstagnachmittag im Kreise seiner Familie in Berlin gestorben. Baring wurde 86 Jahre alt. Zuerst hatte die „Welt“ über seinen Tod berichtet.

Sein Ansehen gründete auf historischer und politikwissenschaftlicher Expertise, liberalkonservativem Querdenkertum und Streitbarkeit. Die Werke „Im Anfang war Adenauer“ (1969) und „Machtwechsel: Die Ära Brandt-Scheel“ (1982) wurden als gründliche Analysen gelobt und verschafften ihm Anerkennung.

Bevor sich der 1932 in Dresden geborene und später in Berlin lebende Professor mit Politik beschäftigte, schlug er sich allerdings mit Jura herum: Als Sohn eines Senatspräsidenten am Bundesverwaltungsgericht hatte er sich zunächst zehn Jahre lang auf eine Karriere in der Rechtswissenschaft vorbereitet.

Er arbeitete als Politikredakteur beim WDR und wurde 1969 zum ordentlichen Professor an der FU Berlin berufen. Fast 30 Jahre lang forschte und lehrte er dort. Mit seinen Thesen, Essays und Talkshow-Auftritten sorgte er immer wieder für Diskussionen. Auch für das Handelsblatt schrieb Baring desöfteren Gastbeiträge – so etwa zum Tod der beiden Ex-Kanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl.

So verteidigte der Liberalkonservative 2010 etwa das umstrittene Buch des Ex-Bundesbankvorstands Thilo Sarrazin „Deutschland schafft sich ab“. 2002 kritisierte er das „erstarrte Parteiensystem“ und rief in einem Zeitungsartikel zum Steuerboykott auf („Bürger, auf die Barrikaden!“).

Für Empörung sorgte Barings Auftritt bei einer CDU-Veranstaltung 2006, als er Medienberichten zufolge den Holocaust eine „beklagenswerte Entgleisung“ nannte. SPD und Grüne warfen ihm vor, die Verbrechen des Nationalsozialismus zu relativieren. Er selbst wies die Vorwürfe zurück, seine Äußerungen seien aus dem Zusammenhang gerissen worden.

Die Zustände in Deutschland betrachtete Baring immer wieder kritisch. „Dieses Land ist auf eine traurige Weise erstarrt und verstockt. Es hat wesentliche Herausforderungen für die Zukunft nicht wahrgenommen“, sagte er einmal. Als Beispiele nannte er die zunehmende Überalterung der Gesellschaft, die Integration von Zuwanderern oder die Verfassung des Euro – Themen, die das Land auch heute beschäftigen.

„Eigentlich halte ich mich für ein Lamm“, sagte Baring der dpa vor einigen Jahren. „Aber irgendwie kommt es dann doch oft anders. Ich bin selbst immer wieder überrascht.“ 1983 wurde der spätere Träger des Bundesverdienstkreuzes trotz langjähriger Mitgliedschaft aus der SPD ausgeschlossen, weil er im Wahlkampf den FDP-Politiker Hans-Dietrich Genscher unterstützt hatte.

Als Kind hatte er die verheerenden Bombenangriffe der Alliierten auf Dresden miterlebt. Seine Großmutter habe ihm damals das Leben gerettet, berichtete er 2015 der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. „Wir sind durch das brennende Parterre ins Freie entkommen. Meine Großmutter und ich haben uns umklammert. Man macht sich keine Vorstellung, dass man sich beim Feuersturm eines Flächenbrandes kaum auf den Beinen halten kann.“

Im Alter empfand er als größtes Glück seines Lebens seine vier Kinder und seine Enkel, wie er der dpa zu seinem 80. Geburtstag sagte. Das Alter selbst mache ihm nicht zu schaffen: „Ich finde das trotz abnehmender Kräfte eine wunderbare Jahreszeit. Man ist den Druck los, den man das ganze Leben lang gehabt hat.“

Schäuble und Lindner würdigen Arnulf Baring

Politiker äußern nun würdigende Worte an den Publizisten. Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble hat Baring als „bedeutenden Geisteswissenschaftler und konservativen Intellektuellen“ gewürdigt. Er lobte am Sonntag Barings „Urteilskraft, sein erzählerisches Talent und seine im Angelsächsischen geschulte Argumentationsfreude“.

„Er bleibt in Erinnerung als streitbarer Publizist, der keine Konfrontation scheute, wie als meinungsstarker Politikwissenschaftler, der sich hohe Verdienste um den politischen Diskurs in unserem Land erworben hat.“ FDP-Chef Christian Lindner sagte der Deutschen Presse-Agentur, Baring sei ein Politologe gewesen, der nicht nur erklären, sondern auch selbst politisieren konnte.

„Ein linkes Übergewicht in Feuilletondebatten hat ihn stets provoziert. So wurde er zu einer streitbaren Persönlichkeit, die bereichert, selbst wenn man nicht jede These teilen kann“, sagte Lindner. „Man hat seine Stimme lange schon vermisst.“

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