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Hitzewelle Greenpeace gibt Waldbesitzern Mitschuld an Dürreschäden

Für Waldbesitzer ist die Dürre eine „Jahrhundertkatastrophe“, für Umweltschützer ein hausgemachtes Problem. Trotzdem soll der Staat nun helfen.
3 Kommentare
Hitzewelle: Greenpeace gibt Waldbesitzern Mitschuld an Dürreschäden Quelle: dpa
Dürreperiode

Wegen der hohen Temperaturen steigt die Waldbrandgefahr.

(Foto: dpa)

BerlinDie Umweltorganisation Greenpeace hat die Waldbesitzer mitverantwortlich für die aktuellen Dürreschäden gemacht. „Große Teile der Forstwirtschaft haben das Problem selbst verschärft, indem naturferne und nicht an ihren Standort angepasste Waldbestände wie Kiefern oder Fichten mit hohem Volumen-Wachstum geschaffen wurden, die aber leicht brennbar und anfällig gegenüber Dürren sind“, sagte der Greenpeace-Waldexperte Christoph Thies dem Handelsblatt.

Thies sprach von „deutlich spürbaren“ Dürreschäden im deutschen Wald, die aber noch genauer erfasst werden müssten. „Besonders stark betroffen sind Nadelholz-Monokulturen, die wenig Wasser speichern – also genau diejenigen, die viele Bäume pflanzen.“

Regelrecht düster klingt dagegen die Einschätzung der Waldbesitzer. „Mittlerweile müssen wir von einer Jahrhundertkatastrophe sprechen“, sagte der Präsident des Deutschen Forstwirtschafsrats, Georg Schirmbeck, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es seien dieses Jahr Bäume im Wert von etwa 500 Millionen Euro angepflanzt worden. „Große Teile der Jungpflanzen sind mittlerweile nicht mehr zu retten“, so Schirmbeck.

Der Waldlobbyist schätzt die unmittelbaren Vermögensschaden auf etwa eine halbe Milliarde Euro. Hinzu kämen die langfristigen Auswirkungen auf die Bestände, die sich derzeit nur schwer beziffern ließen. „Das merken wir erst in einigen Jahren, Jahrzehnten oder Generationen, wenn die Bäume gefällt werden. Dieser Sommer wird seine Spuren hinterlassen“, ist Schirmbeck überzeugt.

Um sich auf die Herausforderungen des Klimawandels vorzubereiten, bräuchten die Waldbesitzer daher bei der Anpassung „kompetente Hilfe vom Staat“. Tatsächlich seien in der Vergangenheit aber Stellen in den Forstverwaltungen abgebaut worden, kritisierte Schirmbeck. Der durchschnittliche Waldbesitzer habe weniger als 20 Hektar Wald. „Der braucht Hilfe.“

Greenpeace-Experte Thies forderte, etwaige staatliche Unterstützungsmaßnahmen an Bedingungen zu knüpfen. „Wenn Waldflächen abgebrannt sind, muss es staatliche Hilfen geben, aber nur für die Umstellung auf eine naturnahe Waldwirtschaft mit der Vielfalt heimischer Baumarten und mehr Laubbäumen, Naturverjüngung und wachsenden Wäldern, die viel zusätzliches CO2 binden“, sagte er. „Diese ist wesentlich robuster gegenüber Dürren, Waldbränden und anderen Klima-Extremen.“

Nicht nur Waldbesitzer leiden unter der schon langanhaltenden Trockenheit. Die Betreiber von Biogas-Anlagen etwa befürchten wegen der schlechten Ernte deutliche Einbußen. Der Fachverband Biogas rechnete vor, dass bei Mais in vielen Fällen mit Ausfällen über 50 Prozent zu rechnen sei. Auch die Ernte von Acker- und Wiesengras sei extrem unbefriedigend.

Die regenlose Zeit trifft auch die Schifffahrt in Deutschland. Wegen der niedrigen Pegelstände können Binnenschiffe auf dem Rhein nach Angaben der zuständigen Generaldirektion derzeit oft nur noch mit halber Ladung oder weniger fahren. Bei noch niedrigeren Wasserständen könne der Schiffsverkehr dann streckenweise auch zum Erliegen kommen. Diese könnte Warentransporte verteuern.

Auf dem Rhein werden rund 80 Prozent aller Güter der Binnenschiffer transportiert. Auch auf der Elbe ist der Schiffverkehr den Angaben zufolge eingeschränkt. Auf der Oder können Schiffe für Güter und Fahrgäste gar nicht mehr fahren.

So tief wie im Rekordsommer 2003 ist der Wasserstand jedoch noch nicht. Der Rhein hat laut Generaldirektion Wasserstraßen und Schifffahrt noch rund 50 Zentimeter mehr Wasser als damals. Außerdem gibt es auf einigen Flüssen kaum Einschränkungen für Schiffe. Dort, wo es Schleusen gibt, beispielsweise im westdeutschen Kanalgebiet sowie an Mosel, Neckar, Main, Weser oder Havel, kann der Wasserstand manuell reguliert werden.

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3 Kommentare zu "Hitzewelle: Greenpeace gibt Waldbesitzern Mitschuld an Dürreschäden"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Richtig die Fichte ist ein Flachwurzler. Der Baum und das Holz haben dafür aber wunderbare Eigenschaften.
    Der Baum lässt sich sehr gut natürlich verjüngen, da es sich um eine Schatten verträgliche Baumart handelt.
    Anders z. B. bei der Eiche, die als Lichtbaumart eine riesige Lichtung oder gar einen Kahlschlag benötigt um sich natürlich Verjüngen zu können.

    Das Holz der Fichte hat trotz seiner geringen Dichte (leichtes Holz) sehr gute Werte hinsichtlich des E-Moduls (, daher lässt es sich sehr gut z.B. für den Dachstuhl einsetzen und ist daher sehr gefragt.

    Wichtig ist, das die richtigen Bäume für den richtigen Standort ausgewählt werden. Bei mir wachsen im Wald (schweere Böden) wachsen z.B. Laubbaumarten viel besser als die Fichte. Daher pflanze ich keine Fichten, sondern Eichen, Nüsse, Elsbeeren oder Kirschen.
    Auf sandigen, trockenen Standorten bleibt dem Waldbauer häufig aber keine alternative als auf die Kiefer oder die amerikanische Roteiche zu setzen.

    Der Standort und die Mischung machts.

    Meine Kritik richtete sich nicht an Prof. Dr. Thies oder Herrn Schirmbeck, da deren Aussagen für sich genommen in Teilen richtig sind.
    Sondern meine Kritik richtete sich gegen die Tendenz des Autors die Waldbauern für etwas verantwortlich zu machen, dessen Verursacher wir nicht sind.
    Der nachhaltige Waldbau wirkt nämlich schlechter Luft, Dürre, Stürme, Saurer Regen und Klimawandel entgegen.





  • Herr Nikolaus Graf von Westerholt
    03.08.2018, 18:25 Uhr Eine Frage an den Walbauer, warum setzen sie als Umweltschützer dann Fichten die nach meinem Schulwissen Flachwurzler sind, die Wind und Wasserknappheit schlecht vertragen.

  • Sehr geehrter Herr Neuerer,

    Unsere bewirtschafteten deutschen Wälder sind:

    - NICHT die Erzeuger von Dürren,
    - NICHT die Erzeuger von "Sauren Regen"
    - NICHT die Erzeuger von Waldbränden
    - NICHT die Erzeuger vom Klimawandel.

    sondern unser täglich Arbeit und unsere Wälder sind:

    - die, die den Sauerstoff zum Atmen produzieren
    - die, die das CO2 im Rohstoff Holz binden, um dem Klimawandel entgegenzuwirken
    - die, die noch Rückzugsorte für Tiere und Insekten liefern
    - die, die das Papier erzeugen um einen Liebesbrief zu schrieben
    - die, die trotz Privateigentum offen der Erholung dienen
    - die, die vor Lärm und Lavienen schützen
    - die, die das Wasser speichern und reinigen
    - die, die aktiv Klimaschutz betreiben.

    Beste Grüße,

    Ihr, Nikolaus Westerholt

    von Beruf: Waldbauer
    und damit von Natur aus Naturschützer
    (und KEIN von Ihnen erkorener "Experte" oder "Lobbyist")

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