Hochhuth über Grass Debatte um Grass-Gedicht geht weiter

Rolf Hochhuth mischt sich in die Debatte um Grass' Israel-kritisches Gedicht ein. Der Schriftsteller richtet sich in einem Brief an Günter Grass. Auch Günter Grass hat sich ausführlicher zu Wort gemeldet.
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Literaturnobelpreisträger Günter Grass in seinem Atelier in Behlendorf. Quelle: dpa

Literaturnobelpreisträger Günter Grass in seinem Atelier in Behlendorf.

(Foto: dpa)

Berlin/MünchenDer Schriftsteller Rolf Hochhuth, Verfasser des Dramas „Der Stellvertreter“ über den Vatikan während der NS-Zeit, hat den Literaturnobelpreisträger Günter Grass wegen eines Israel-kritischen Gedichts scharf kritisiert. In einem Beitrag in den Zeitungen „Die Welt“ und „Münchner Merkur“ schreibt Hochhuth in Briefform, seit Hitler habe kein anderer Staat als der Iran dem jüdischen Volk die Ausrottung angedroht.

Hochhuth schreibt weiter, er schäme sich als Deutscher, „Deiner anmaßenden Albernheit, den Israelis verbieten zu wollen, ein U-Boot deutscher Produktion zu kaufen, das möglicherweise allein ihrem kleinen Staat die letzte Sicherheit geben kann, von einer engst benachbarten Atommacht buchstäblich über Nacht nicht ausgerottet zu werden“. Der an Grass gerichtete Beitrag schließt mit den Worten: „Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann, der das 60 Jahre verschwiegen hat, aber den Bundeskanzler Kohl anpöbelte, weil der Hand in Hand mit einem amerikanischen Präsidenten einen Soldatenfriedhof besuchte, auf dem auch 40 SS-Gefallene liegen - nie gab es einen meisterhafteren Tartuffe als Dich!“

Der Literaturnobelpreisträger verteidigte sich gegen Angriffe wegen des Gedichts und beteuerte zugleich, er würde es jetzt anders schreiben. Er würde nun seine Kritik präziser formulieren, sagte Grass der „Süddeutschen Zeitung“: „Ich würde den pauschalen Begriff „Israel' vermeiden und deutlicher machen, dass es mir in erster Linie um die derzeitige Regierung von Premierminister Benjamin Netanjahu geht“, sagte Grass.

Grass: „Kritisiere Politik, die Israel mehr und mehr Feinde schafft“
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121 Kommentare zu "Hochhuth über Grass: „Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann“"

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  • @rumor

    Danke für die schöne Geschichte, auch wenn der Name meines "Zaddik", Michel de Montaigne, in Ihrer Liste fehlte und ich gerade damit konfrontiert bin, wie wenig ich "Bescheid" weiss, seit mich "Schlag auf Schlag" von Münch-Müller mit ein paar essentiellen Fragen konfrontiert hat.

    http://mp3-download.swr.de/swr2/kontext/2012/02/22/swr2-kontext-20120222-1905-schlag-auf-schlag.6444m.mp3

  • „Du bist geblieben, was Du freiwillig geworden bist: der SS-Mann“
    Hat man keine Argumente, muß man die Person demontieren, nicht wahr Herr Hochmut?
    Zum Ende des Krieges konnte sich niemand, ob Kind oder Greis, etwas aussuchen. Grass ging freiwillg als 15-jähriger zur Flack, machte seinen Dienst an der Schippe und wurde anschließend der 10. SS-Panzerdivision zugeteilt.
    Hier etwas naziähnliches abzuleiten,ist absurd.

    Wenn hier überhaupt etwas zählt, dann ist es der Stunk, den die Auserwählten über 5000 Jahre anrichten. Wer zwingt Israel,den Palestinensern das Wasser abzugraben und deren Land zu besiedeln? Können sie nicht mit dem zufrieden sein, was sie haben? So hätten sie jeden gewünschten Beistand.

  • @energieelite

    "Es ist Vollbracht, wir haben ihn mit recht "Zerlegt""

    Ach, das hat er schon ganz ohne unser Zutun selbst getan, indem er einen Blogpost als Gedicht zu verkaufen sucht, Könnte dem Mann bitte mal einer das Internet schenken, dann müssen wir uns nicht mit seiner "Lyrik" herumschlagen.

    Ansonsten hoffe ich, der Beitrag von Knut Cordsen hat ein wenig zu Ihrer Entspannung beigetragen - ein schöner Rundumschlag, wie ich finde, bei dem jeder sein Fett abbekommen hat.

    Grüße und noch einen schönen Ostermontag.

  • @deltaone

    Nevor Sie nun mutmaßen, ich säße hier und arbeite an Plänen für einen atombombensicheren Bunker - nein, ich fürchte mich nicht vor Atomraketen aus Israel, ich "lenke nur das Augenmerk".

    Wir starren ja alle auf den Iran, der ja kein Atombombenarsenal besitzt, und wir diskutieren darüber, ob es einen Grund gibt, den Iran anzugreifen oder das den Israelis zu überlassen. Wenn ich das recht sehe, haben alle, aber auch wirklich alle Barack erklärt, was sie von seiner Schnappsidee halten - nämlich nichts.

    Ich finde also, daß wir gerade jetzt, wo Israel seinen Willen, Iran anzugreifen, weil die dort Atomraketen entwickeln und irgendwann besitzen _könnten_, wir nicht ausser acht lassen sollten, wer schon welche besitzt und uns fragen, wie es denn mit der Stabilität Israels aussieht. Ob wir uns _sicher_ sein können, daß da nicht mal Fundis ihre Hand an die Dinger legen könnten - deshalb mein Hinweis auf den Vortrag von Gert Heidenreich über das Internet.

    Ich bin auch optimistisch, aber ich nehme auch zur Kenntnis, daß gerade eine Ihrer Prämissen einkassiert wurde - die orthodoxen werden demnächst auch zur Armee gezogen. Man sollte eben den Status Quo nicht in die Zukunft projezieren und sich lieber fragen, was alles sein _könnte_. Für einen Programmierer die halbe Miete, um es mal so zu sagen, mein täglich Handwerk, mir Dinge und Entwicklungen zumindest vorstellen zu können.

    Dazu gehört nun einmal auch diese Vorstellung, die ich gerne ab und an in den Ring werfe, um zu irritieren.

    Ach ja: Auch der Iran würde eine der heiligen Stätten des Islam nicht mit Atomraketen verstrahlen wollen, auch das gehört zu den Dingen, über die man mal nachdenken sollte, bevor wir uns von einer korrupten israelischen Regierung instrumentalisieren lassen.

    Liebe Grüße

  • wo ist das problem
    dann kommt eben israel mal unter arabischer verwaltung
    die israelis waren doch immer nett zu den palestinensern,
    also werden doch auch die araber nett zu den israelis sein,
    oder?

  • @Energieelite

    Gerne!

    Von den modernen Erfindungen

    "Von allem vermag man zu lernen," sagte einmal der Rabbi von Sadagora zu seinen Chassidim, "alles vermag uns zu lehren. Nicht bloß alles was Gott geschaffen hat auch alles, was der Mensch gemacht hat, vermag uns zu lehren."
    "Was können wir,"fragte ein Chassid zweifelnd, "von der Eisenbahn lernen?" "Dass man um eines Augenblicks willen alles versäumen kann." "Und vom Telegraphen?" "Dass jedes Wort gezählt und angerechnet wird." "Und vom Telephon?" "Dass man dort hört, was wir hier reden."

    Nochmals einen freundlichen Gruß

  • 08.04.2012, 19:07 Uhr @ Rumor

    Ich denke ich habe sie enorm unterschätzt !!! Nein sie sind keine(r) der/die sich in erwartet-triviale Verehrungsorgien eines Nobelpreisträgers einreit .
    Auch sie haben ihren Kopf zum denken und sie wissen ihn zu gebrauchen !
    Ihre Geschichte gefällt mir , ist mir fremd und doch vertraut !!!
    Davon bitte mehr !
    Shalom Freund .

  • 08.04.2012, 19:04 Uhr @ hardy

    " Egokult " Ganz recht , das ist es was ich diesem "Schmierfink" ankreide !

    Aus diesen Grund muss man sagen : Es ist Vollbracht, wir haben ihn mit recht "Zerlegt"

    Frohe Ostern @ hardy !!!

  • @Hardy:
    Die Darstellung und Hochrechung der Geburtenzahlen der Ultraorthodoxen ist eine rein mathematische Betrachtungsweise. Ich wäre allerdings vorsichtig, einen momentan vorherrschenden demographischen Trend linear in die Zukunft zu extrapolieren. ALs in langfristigen Dingen optimistisch denkender Mensch glaube ich nicht, dass die Zivilgesellschaft Israels es zulassen wird, wenn sich die Extremisten den grundsätzlich säkularen Staat immer mehr zur Beute machen. Eventuell aber muss es erst noch schlechter werden, bevor es besser wird.
    Auch aus o.g. Gründen glaube ich nicht an israelische Atombomben auf andere als arabische Ziele, und dies auch nur als letztes Mittel unmittelbar vor dem Untergang, zumal die konventionelle Überlegenheit Israels erdrückend ist - nicht quantitativ, sondern qualitativ. Wie jede andere Militärmacht kann es bei asymetrischer Kriegsführung (vgl. letzter Libanonkonflikt) nicht wirklich etwas ausrichten. Andere gegnerische Kampfmittel wie Luft- und Panzerwaffe wären hingegen m.E. kein echtes Problem. Krasser Treppenwitz, dass diese verdammten Ultraortohdoxen sich von den normalen Israelis den Arsch retten lassen, weil diese "Erlesenen" ja den Dienst an der Waffe konsequent verweigern. Die Ultraorthodoxen würden noch im Strahlenschutzanzug das Heilige Land kultivieren...

  • @energieelite

    Müssen Sie auch nicht. Ich haben Ihnen nur eine Geschichte erzählt. Sie sind ja wahrscheinlich auch kein Chassidim. Also nichts für ungut.

    Aber ich erzähle Ihnen gerne noch eine Geschichte, auch nur eine Geschichte.

    Flickarbeit

    Ein Chassid des Lubliners fastete einmal von Sabbat zu Sabbat. Am Freitagnachmittag überkam ihn so ein grausamer Durst, dass er meinte sterben zu müssen. Das erblickte er einen Brunnen, ging hin und wollte trinken. Aber sogleich besann er sich, um einer kleinen Stunde willen, die er noch zu ertragen hätte, würde er das ganze Werk dieser Woche vernichten. Er trank nicht und entfernte sich vom Brunnen. Stolz flog ihn an, dass er die schwere Probe bestanden habe. Wie er dessen inneward, sprach er zu sich:"Besser ich gehe hin und trinke, weil mein Herz dem Hochmut verfällt" Er kehrte um und trat an den Brunnen. Schon wollte er sich darüberneigen, um Wasser zu schöpfen, da merkte er, dass der Durst von ihm gewichen war. Nach Sabbatanbruch betrat er das Haus seines Lehrers. "Flickarbeit!" rief ihm der auf der Schwelle zu.

    Ich grüße Sie freundlich.

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