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Hochschulabsolventen Viele Frauen bewerten Digitalisierung als Risiko

Akademiker haben gute Berufsaussichten, doch die Digitalisierung macht vielen Studierenden Sorgen. Besonders Frauen sind pessimistisch, wie eine Studie zeigt.
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Nur 51 Prozent der Studentinnen glauben, dass die Digitalisierung ihre Jobchancen verbessert. Bei den Studenten sind es 64 Prozent. Quelle: imago/Science Photo Library
Vielen Studierenden macht die Digitalisierung Sorgen.

Nur 51 Prozent der Studentinnen glauben, dass die Digitalisierung ihre Jobchancen verbessert. Bei den Studenten sind es 64 Prozent.

(Foto: imago/Science Photo Library)

DüsseldorfAkademiker haben in Deutschland derzeit beste Aussichten, wenn es um den Beruf geht: Aktuelle Zahlen der Bundesagentur für Arbeit belegen, dass die Arbeitslosenzahl unter Akademikern 2018 um vier Prozent geringer ausfiel als im Vorjahr, die Arbeitslosenquote von nur 2,2 Prozent entsprach im April Vollbeschäftigung. Diese herrscht bei einer Quote von zwei bis vier Prozent. Dabei studieren so viele Menschen wie noch nie in Deutschland: Im vergangenen Wintersemester waren es 2,9 Millionen Menschen. Auch der Jobmarkt für Akademiker sehe gut aus, so die Arbeitsagentur. Besonders in IT-Berufen und der Medizin gebe es freie Jobs.

Dennoch sind viele Studierende skeptisch, wenn es um die eigene Zukunft geht, Grund dafür ist die Digitalisierung. Besonders besorgt sind Studentinnen, künftige Beamte und Studierende in den alten Bundesländern. Das zeigt die Studie „Studium und Beruf in Zeiten des digitalen Wandels“, die der Personaldienstleister Studitemps gemeinsam mit der Universität Maastricht durchführte. Dafür befragten die Herausgeber 22.000 Studierende und Absolventen.

Frauen pessimistischer im Hinblick auf Digitalisierung

So ergab die Studie, dass Studentinnen sich deutlich weniger gut auf die digitalen Anforderungen im zukünftigen Beruf vorbereitet fühlen als ihre männlichen Kommilitonen. Nur 41 Prozent der Frauen gaben an, sich „gut vorbereitet“ zu fühlen, bei den Männern waren es immerhin 52 Prozent. Der Aussage „die Digitalisierung verbessert meine Jobchancen“ stimmten 51 Prozent der Studentinnen zu, bei den Studenten waren es 64 Prozent.

Eckhard Köhn, CEO von Studitemps, erklärt die unterschiedliche Wahrnehmung so: „Computerspiele, LAN-Partys und Coden als Hobby waren in der öffentlichen Wahrnehmung lange Zeit allein Männern zugeschrieben. Das kann ein Grund dafür sein, dass eine Affinität von Frauen für digitale Technik und ein Studium sowie Beruf in diesem Bereich kaum in das gesellschaftliche Bild passte. In der Folge beschäftigten sich Frauen eventuell tatsächlich weniger mit solchen Dingen – warum auch, wenn das wohl nur einem Kreis aus Männern zugänglich scheint.“ Köhn ist aber optimistisch: „Solche geschlossene Gruppen werden zunehmend aufgebrochen.“ Die Quote von Frauen in IT-Berufen stieg zuletzt leicht an.

Eine Studie des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) erklärt den geringen Frauenanteil im Informatikstudium beispielsweise so: Frauen werde der Zugang zum Fach „durch sozialisationsbedingte, gesellschaftliche und strukturelle Hindernisse verwehrt“. Das geschehe beispielsweise durch verbreitete Zuschreibungen zur „Technikunfähigkeit“ von Frauen, aber auch durch gesellschaftlich verfestigte Geschlechterrollen, nach denen Informatik männlich besetzt sei.

Das wirkt sich auch auf die Berufsaussichten aus, so Köhn: „Massenarbeitslosigkeit unter weiblichen Akademikern wird das bestimmt nicht auslösen.“ Dennoch warnt er vor Ungleichheiten, die sich weiter verfestigen, vor allem durch den Gender Pay Gap: „Die Bezahlung ist in Berufen mit digitalem Anstrich zumeist höher als in anderen Jobs.“ Deshalb rät er, Frauen schon in der Schulzeit für Technik und IT zu begeistern. „Während des Studiums kann es sich lohnen, sich einen Nebenjob zu suchen, der digital herausfordernd ist. Hier kann man sich dem Thema langsam annähern und Erfahrungen sammeln.“

Auch zukünftige Beamte sind besorgt

Der Blick auf die Digitalisierung unterscheidet sich auch je nach Studienfach, wie die Studie ergab: „Studierende, die ein Staatsexamen als Abschluss anstreben – also später zum Großteil für den Staat arbeiten werden – sehen sich am schlechtesten auf die digitalen Anforderungen in ihrem späteren Beruf vorbereitet“, so die Verfasser. Bei den Sprach- und Kulturwissenschaftlern sowie Erziehungswissenschaftlern fühlten sich nur etwa ein Drittel „gut“ oder „eher gut“ auf die Digitalisierung vorbereitet. Angehende Juristen sehen sich genauso schlecht vorbereitet.

Eckhard Köhn sieht das mit Sorge: „Die angehenden Lehrer und Erziehungswissenschaftler werden mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, die zu einem großen Teil in der digitalen Welt unterwegs sind. Wie wollen sie ihnen hier auf Augenhöhe begegnen?“ Er sieht deshalb die Politik in der Verantwortung: „Der Digitalpakt von Bund und Ländern läuft ins Leere, wenn selbst junge Lehrer nicht auf die digitalen Anforderungen vorbereitet sind. Da helfen auch kein schnelles WLAN und digitale Whiteboards.“

Köhn sieht gar die Digitalisierung der Verwaltung in Gefahr, denn besonders Juristen, die oft in Behörden und Ministerien arbeiten, könnten Digitalisierungsprozesse anstoßen, von denen auch die Bürger profitieren. Derzeit läge Deutschland im Bereich Digital Government aber noch „Welten hinter Ländern wie beispielsweise Estland“. Dort ist es bereits heute möglich, Anträge von der Steuererklärung bis zur Bezahlung der Studiengebühren online zu erledigen.

Hochschulen in den neuen Bundesländern verbreiten Optimismus

Auch die Zufriedenheit mit der eigenen Hochschule spielt eine Rolle, wenn es darum geht, ob Studierende die Digitalisierung als Chance oder als Risiko wahrnehmen. Denn nach wie vor gibt es Hochschulen, die E-Learning oder interaktive Online-Learning-Formate wie Vorlesungen im Internet nur sehr begrenzt anbieten. In den Kategorien digitale Infrastruktur und digitales Angebot schneiden Universitäten in den neuen Bundesländern am besten ab: Spitzenreiter ist Brandenburg, Schlusslichter sind hingegen Bremen, das Saarland und Schleswig-Holstein.

Auch die Ausstattung wirkt sich auf die Haltung der Studierenden aus: 47 Prozent der Befragten aus Brandenburg stimmen der Aussage zu „Ich fühle mich durch mein Studium auf die digitalen Anforderungen meiner zukünftigen beruflichen Tätigkeit gut vorbereitet“. Das ist das bundesweit beste Ergebnis – und „ein absolutes Vorzeigebeispiel für andere Bundesländer“, wie Köhn betont. Strukturelle Ungleichheiten zwischen den Bundesländern behebe das allerdings nicht: „Ein sehr großer Teil verlässt den Osten leider nach dem Studienabschluss wieder.“

Einige Experten sehen übrigens gerade Absolventen der Geisteswissenschaften als Schlüsselfiguren in der Digitalisierung. „Die Naturwissenschaften verstehen, die Geisteswissenschaften erklären – warum ist das eine besser als das andere? Wieso muss man sich überhaupt für die eine oder andere Sicht entscheiden?“, fragt die renommierte Karriereberaterin und Autorin Svenja Hofert. Ihr Buch „Mindshift“ ist eine Anleitung zum Erlernen der beruflichen Fertigkeiten der Zukunft. Laut Hofert muss die Digitalisierung vor allem eines zur Folge haben: ein „Revival der Geisteswissenschaften“.

Mehr: Hochschulabsolventen wandern aus den neuen Bundesländern weiter massiv ab. Dabei verdient der Westen Milliarden auf Kosten des Ostens.

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