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Hochsteuerland Deutschland Deutsche Unternehmen tragen immer mehr zur Finanzierung des Staates bei

Gegen den weltweiten Trend steigt in Deutschland der Anteil der Unternehmensteuern am Gesamtsteueraufkommen. Besonders belastet sind Familienunternehmen – im Gegensatz zu Großkonzernen.
19.10.2020 - 17:49 Uhr 4 Kommentare
Während Dax-Konzerne im Schnitt mit gut 26 Prozent belastet werden, fallen bei Familienunternehmen fast 38 Prozent an. Quelle: dpa
Wegweiser zum Finanzamt

Während Dax-Konzerne im Schnitt mit gut 26 Prozent belastet werden, fallen bei Familienunternehmen fast 38 Prozent an.

(Foto: dpa)

Berlin Überall auf der Welt müssen Unternehmen weniger an den Fiskus abdrücken. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) warnt deshalb vor einem „race to the bottom“, bei dem Konzerne aufgrund des internationalen Steuerwettbewerbs immer weniger finanziell belangt werden, weil die Steuern immer stärker sinken.

In Deutschland ist von diesem Trend aber nichts zu spüren. Im Gegenteil: Hierzulande tragen Unternehmen immer mehr zur Finanzierung des Staates bei. So stieg der Anteil der Unternehmensteuern am Gesamtsteueraufkommen zwischen 1998 und 2017 von rund 16 auf 23 Prozent.

Dies geht aus einer Studie des Ifo-Instituts im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervor. Für seine Studie hat das Institut Jahresabschlussdaten genutzt, um den Steuerbeitrag von Unternehmen in Deutschland zu ermitteln. Demnach stieg das Aufkommen aus der Unternehmensteuer seit 1998 von rund 68 Milliarden Euro auf 170 Milliarden Euro im Jahr 2017.

Die Zahlen wirken zunächst überraschend. Denn in den vergangenen Jahren dominierte in der Öffentlichkeit ein anderes Bild als das von geschröpften Unternehmen. So haben US-Konzerne Steuerschlupflöcher genutzt, um ihre Steuerlast zu minimieren, teilweise auf fast null. Dadurch entstand der Eindruck, dass viele Konzerne solche Mittel nutzten, um ihre Steuerzahlungen möglichst gering zu halten. Auch deutsche Konzerne standen in der Kritik.

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    Die Ifo-Studie zeichnet eine andere Realität. Und sie zeigt, dass insbesondere Familienunternehmen hohe Steuern zahlen. Während Dax-Konzerne im Schnitt mit gut 26 Prozent belastet werden, fallen bei Familienunternehmen fast 38 Prozent an.

    Viele Kommunen haben Gewerbesteuersätze erhöht

    Dies liegt an der Besteuerung auf Gesellschafterebene: Wenn Kapitalgesellschaften Dividenden ausschütten, wird darauf die Abgeltungsteuer in Höhe von 25 Prozent fällig. Bei Personengesellschaften fällt Einkommensteuer an – und diese kann bis zu 45 Prozent betragen.

    Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen, sagt dementsprechend: Familienunternehmen leisteten einen Großteil der Steuerlast, würden aber gegenüber Konzernen im anonymen Streubesitz benachteiligt. „Es ist deswegen an der Zeit, dass wir nach Jahren steigender Steuerbelastung nun wieder eine Kehrtwende einleiten und gerade auf dem Weg aus der Coronakrise für Entlastungen sorgen.“

    So haben viele Kommunen ihre Gewerbesteuersätze in den vergangenen Jahren erhöht. Während international die Unternehmensteuern sanken, sind sie hierzulande leicht gestiegen. Deutschland hat unter den Industrieländern inzwischen wieder mit die höchsten Steuersätze.

    Wirtschaftsverbände fordern deshalb schon lange eine Unternehmensteuerreform. Unterstützung erhalten sie dabei von der CDU. Sie fordert eine Senkung der Unternehmensteuern auf 25 Prozent. Dies würde die Konjunktur in Schwung bringen und den Wettbewerbsnachteil der deutschen Wirtschaft gegenüber der Konkurrenz aus dem Ausland aus der Welt schaffen, so die Hoffnung.

    SPD gegen Reform: Firmen hätten hohe Rücklagen

    Finanzminister Scholz und seine SPD sträuben sich aber gegen eine Reform. Der Erfolg der deutschen Wirtschaft in den vergangenen Jahren zeige, dass die Unternehmensteuern nicht zu hoch seien, argumentieren sie. Zudem hält Scholz die Wirkung einer Steuersenkung für gering.

    So würden die Unternehmen die geringere Belastung nicht für höhere Investitionen nutzen, sondern das Geld lieber auf die hohe Kante legen. Schon heute haben deutsche Unternehmen hohe Rücklagen angehäuft.

    Einig sind sich allerdings nahezu alle Ökonomen, dass eine Reform der Besteuerung einbehaltener Gewinne bei Personengesellschaften dringend notwendig wäre. Die Sonderregeln für einbehaltene Gewinne, die Personengesellschaften mit Kapitalgesellschaften steuerlich gleichstellen sollen, werden kaum genutzt, weil die Regeln extrem kompliziert sind.

    Die Politik hat zwar eine Reform immer wieder in Aussicht gestellt. Passiert ist jedoch nichts.

    Mehr: Scholz sabotiert nicht nur Altmaier – sondern auch sich selbst

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    4 Kommentare zu "Hochsteuerland Deutschland: Deutsche Unternehmen tragen immer mehr zur Finanzierung des Staates bei"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Diese Entwicklung wird definitiv zulasten unseres künftigen Wohlstandes gehen. Denn auch Wohlstand auf Pump durch die Notenpresse funktioniert nur eine Zeit lang. Genau so lange bis das das Vertrauen in das Geldsystem vollständig zerstört ist. Aber dann sind die verantwortlichen Politiker längst nicht mehr im Amt und sitzen irgendwo als Manager in der Industrie im Aufsichtsrat oder als Lobbyist. Oder sie geniessen unbeschadet ihren unverdienten Ruhestand, :-( Dieses Trauerspiel wird so lange nicht besser, so lange man grundgesetzlich verbietet dass neue Gesetze und neue Steuer erhoben werden, so lange man nicht vorhandene dafür streicht. Das ganze Dickicht an Steuern und Gesetzen ist so groß zwischenzeitlich dass nichtmal die mehr durchblicken die sie erlassen!

    • Nun ist auch das Handelsblatt der gemeinnützigen Stiftung der "Familienunternehmen" in die Falle gegangen. Habt ihr euch eigentlich schon einmal damit auseinander gesetzt WER die Familienunternehmen sind? Die Stiftung dient nicht den Interessen des kleinen Bäckers von nebenan, wie man meinen möchte.

      Standort: Pariser Platz 6a Berlin - 300m vom Reichstag entfernt.

      Schauen wir mal, wer da im Vorstand sitzt:
      Henkel: 50.000 Mitarbeiter
      Werkzeugmaschinenhersteller Trumpf: 12.000 Mitarbeiter mit 3,1 Mrd Umsatz und 70 Tochtergesellschaften
      Müller: 27.000 Mitarbeiter

      Das Bundesverfassungsgericht verlangt von der Politik schon seit Jahren eine Reform der Erbschaftssteuer für reiche Firmenerben (nein, nicht die Sozen, sondern das BVG!!), weil dem Bund durch die Tricks dieser großen Unternehmen jährlich über 6 Mrd. an Steuern entgehen. Die Stiftung wurde einzig und allein dafür gegründet, um auf Politik und Wirtschaftswissenschaften einzuwirken. Es ist ein lupenreiner Lobbyverein der noch vom Steuerzahle subventioniert wird.

      Und diese Firmen wagen es jetzt laut aufzuschreien??

    • (...) Beitrag von der Redaktion gelöscht. Unterstellungen oder Verdächtigungen ohne Bezug oder glaubwürdige Argument, die durch keine Quelle gestützt werden, sind nicht erwünscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

    • Traurig, dass man die Wahrheit und Wertschätzung über eine Statistik erzeugen muss.
      Nicht jeder verkrümelt sich ins paradisische Steuerausland.

      Vielleicht passt sich das Verhalten in der politischen Spitze aber auch ein Stück weit an ...

      1. Ziel sinnhaftes und nachhaltiges Handeln mit Steuergeldern, verbunden mit 2. dem Wunsch den Fokus auf die Unternehmen zu legen die z.B. Mrd. Beträge mit chin. nicht umsatzsteuergem. Unternehmen erwirtschaften.

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