Hochtief Gabriel windet sich um klare Position zur politischen Einmischung

Führende SPD-Politiker fordern eine politische Einmischung in die Übernahmeschlacht um den Baukonzern Hochtief. Partei-Chef Sigmar Gabriel zögert mit einer klaren Position. Einerseits lockt ein Imagegewinn, andererseits ist das Thema heikel: Nachhaltig war die Hilfe von Bundeskanzler Gerhard Schröder für den sich in einer ähnlichen Lage befindlichen Holzmann-Konzern seinerzeit nicht.
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Soll die Politik Hochtief im Übernahmekampf gegen den spanischen Konkurrenten ACS auf die Beine helfen? SPD-Chef Gabriel hat noch keine klare Antwort gegeben. Quelle: DAPD

Soll die Politik Hochtief im Übernahmekampf gegen den spanischen Konkurrenten ACS auf die Beine helfen? SPD-Chef Gabriel hat noch keine klare Antwort gegeben.

HB ESSEN. SPD-Chef Sigmar Gabriel hat am Donnerstag dem von einer feindlichen Übernahme bedrohten Baukonzern Hochtief einen Besuch abgestattet. Gabriel sagte bei seiner Ankunft, er wolle sich über die Situation des Unternehmens informieren. Auf die Frage, ob die Politik Deutschlands größtem Baukonzern im Übernahmekampf gegen den spanischen Konkurrenten ACS helfen könne, sagte er: „Mal sehen.“

Führende SPD-Wirtschaftspolitiker hatten die Bundesregierung aufgefordert, dem Baukonzern Hochtief bei der Abwehr einer feindlichen Übernahme durch die spanische ACS-Gruppe zur Seite zu springen. „Industriepolitisch ist es wichtig, dass es in Deutschland in allen wichtigen Sektoren Global Player gibt, auch in der Baubranche“, sagte der thüringische Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) der „Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe).

Der Vorsitzende der NRW-Landesgruppe der SPD im Bundestag, Axel Schäfer, sagte der Zeitung: „Hier könnte ein gut funktionierendes, gesundes Unternehmen kaputt gemacht werden. Gabriel werde Vorschläge unterbreiten, wie die Politik Hochtief helfen könne, hieß es in SPD-Kreisen. Denkbar sei beispielsweise, über eine Bundesratsinitiative das deutsche Übernahmegesetz im Eilverfahren zu verschärfen.

Gabriels Zögern ist verständlich: Der damalige Bundeskanzler und SPD-Chef Gerhard Schröder hatte im November 1999 den zahlungsunfähigen und überschuldeten Holzmann-Baukonzern zur Chefsache gemacht. Trotz milliardenschweren Sanierungskonzepts und der Bereitschaft der Mitarbeiter zu Lohnverzicht und Mehrarbeit weigerten sich die Gläubigerbanken mitzumachen. Schröder schnürte ein Hilfspaket, setzte die Banken unter Druck und ließ als Retter Holzmanns feiern. Nachhaltig war die Rettungsaktion wirtschaftlich allerdings keineswegs: Zweieinhalb Jahre später meldete der völlig überschuldete Konzern endgültig Insolvenz an. Das Eingreifen hatte außer Entlassungen und zusätzlichen Schulden nichts gebracht.

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