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Hochwasser Welchen Einfluss hat der Klimawandel auf die Fluten?

Unser Planet erwärmt sich – die Folgen sind gravierend. Hitzewellen sind nur die eine Seite. Die Klimaerwärmung hat auch Einfluss auf die Häufigkeit von Starkregenereignissen.
16.07.2021 - 16:02 Uhr Kommentieren
In der Nacht zu Freitag ist die Talsperre übergelaufen. Quelle: Reuters
Rurtalsperre in Heimbach

In der Nacht zu Freitag ist die Talsperre übergelaufen.

(Foto: Reuters)

Die Naturkatastrophe im Westen Deutschlands nimmt immer größere Ausmaße an. Die Zahl der Toten steigt weiter. Bis Freitagmittag wurden in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz mehr als 100 Tote als Folge der Überschwemmungen gezählt.

Es stehe zu befürchten, dass sich die Opferzahlen weiter erhöhen, sagte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) am Freitag nach einer Sondersitzung des Landeskabinetts.

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In beiden Bundesländern wurden noch zahlreiche Menschen vermisst. Die Lage blieb vielerorts angespannt. In Erftstadt-Blessem südwestlich von Köln führten Erdrutsche zu einer dramatischen Lage. Dort wurden Häuser unterspült und stürzten ein. Auch Deutschlands Nachbarländer wie Belgien und die Schweiz sind von Überflutungen betroffen.

Angesichts des fortschreitenden Klimawandels drängt sich die Frage auf: Treffen solche Katastrophen Deutschland künftig häufiger? Die wichtigsten Antworten.

Welche Wetterlage hat aktuell zu den Überschwemmungen geführt?

Der Deutsche Wetterdienst begründet die aktuelle Wetterlage damit, dass sich ein Tiefdruckgebiet über dem Westen Deutschlands „festgefressen“ hat. Das Tief werde an allen Seiten von Hochdruckgebieten flankiert, die extrem feuchte Luft könne daher nicht ausweichen, erklärt DWD-Meteorologe Marco Manitta. „Solche Wetterlagen sind in den letzten Jahren häufiger geworden“, sagt Manitta. Im umgekehrten Fall – also wenn ein Hoch von Tiefs „eingekesselt“ wird – kommt es zu extremer Hitze und Dürre.

Die größten Niederschlagsmengen gab es Manitta zufolge in einem breiten Streifen vom Sauerland über das Bergische Land und die Eifel, den Großraum Köln/Bonn bis zur Grenze nach Luxemburg. Spitzenreiter war Rheinbach-Todenfeld (Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen) mit 158 Litern pro Quadratmeter in 24 Stunden – wobei das meiste davon in kürzerem Zeitraum vom Himmel fiel, wie der Experte erklärte.

Was hat die Klimaerwärmung damit zu tun?

Zwei Effekte der Klimaerwärmung nähmen Einfluss auf die Häufigkeit solcher extremen Starkregenereignisse, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung: Zum einen verdunstet bei höheren Temperaturen mehr Wasser und die wärmere Atmosphäre kann mehr Feuchtigkeit speichern. Das begünstigt hohe Niederschlagsmengen.

Ein Auto versinkt nach dem Unwetter im Fluss Urft. Quelle: dpa
Gemünd in Nordrhein-Westfalen

Ein Auto versinkt nach dem Unwetter im Fluss Urft.

(Foto: dpa)

Zum anderen verharren Wetterlagen länger über einer Region. Dahinter steckt ein globales Phänomen: Die Atmosphäre erwärmt sich nicht gleichmäßig, sondern an den Polen mehr als am Äquator. Das vermindert den starken Temperaturunterschied zwischen diesen beiden Regionen. Die Folge: Der sogenannte Jetstream, der als Windband in großer Höhe um die Nordhalbkugel zieht, verändert sich.

Dadurch können Wetterlagen über längere Zeit an einem Ort bleiben und extreme Bedingungen schaffen. „Das Problem ist gar nicht die Wetterlage an sich, sondern dass sie über lange Zeit bestehen bleibt“, sagt Hoffmann.

Regnet es durch die Klimaerwärmung hierzulande mehr?

Laut Nationalem Klimareport unterliegt der Niederschlag starken Schwankungen von Jahr zu Jahr. Die deutschlandweit jährliche durchschnittliche Niederschlagsmenge nahm seit 1881 um 66 Millimeter zu – beziehungsweise um acht Prozent im Vergleich zur Referenzperiode 1961 bis 1990. Ein kontinuierlicher Anstieg ist das nicht: „Die Zunahme erfolgte ungleichförmig.“ Zudem werde der Anstieg „von kurzfristigen Schwankungen überlagert“.

Auffällig sind die extremen Niederschläge eigentlich eher in einer anderen Jahreszeit: „Die Winterniederschläge haben seit dem Winter 1881/82 bis heute um 48 Millimeter beziehungsweise 26 Prozent relativ zu 1961-90 zugenommen“, heißt es im Klimareport.

Auch wenn sich die Gesamtmenge an Regen in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten wenig verändert hat, hat sich doch etwas verändert, wie Klimaforscher Hoffmann erklärt. Es gibt Hinweise, dass die gleiche Regenmenge an weniger Tagen im Jahr vom Himmel kommt: „Wenn der Regen fällt, dann intensiver“.

Regnet es durch den Klimawandel vielleicht nicht mehr, aber stärker?

Laut Umweltbundesamt (UBA) ist es bisher nicht möglich, „statistisch gesicherte klimatologische Aussagen über Änderungen von Starkniederschlagsereignissen zu treffen“. Anders bei der Temperatur: Dass die Häufigkeit von heißen Tagen hat in ganz Deutschland zugenommen hat, ist erwiesen. „Schwieriger ist es, gesicherte Aussagen bei Trends von Starkniederschlagsereignissen zu treffen.“ Allerdings sieht das UBA durchaus „Tendenzen zu einer größeren Häufigkeit von Starkniederschlägen in den letzten 65 Jahren“.

Klimamodelle gäben ein recht eindeutiges Bild, dass Starkregentage in Deutschland zunehmen, sagt Hoffmann. „Unklar ist in welchem Ausmaß.“ Die Datenlage dazu sei noch etwas begrenzt. Anhand von Radardaten könne man aber auch sehen, dass keine Region besonders betroffen ist. Starkregentage seien an sich eher seltene Ereignisse. Je nach Region in Deutschland können es nur drei oder auch zehn pro Jahr sein.

Merkel spricht Angehörigen der Hochwasser-Toten ihr Beileid aus

In Bezug auf Extremsituationen wie jetzt im Westen Deutschlands mache es aber einen großen Unterschied, ob es klimawandelbedingt einen halben Starkregentag mehr im Jahr gibt, sagt Hoffmann. Von Starkregen spricht der Deutsche Wetterdienst (DWD) wenn beispielsweise mehr als 15 Liter pro Stunde und Quadratmeter vom Himmel kommen.

Wann wird Starkregen zum Problem?

Starkregen wird überall dort zum Problem, wo das Wasser nicht abfließen kann. „Je weniger Raum das Wasser hat, mit desto mehr Schäden muss man rechnen“, sagt PIK-Experte Hoffmann. Das gilt für geologische Lagen wie in Gebirgen, vor allem aber für Städte. „Wir machen das Hochwasserrisiko schlimmer, indem wir immer mehr Flächen versiegeln“, sagt Geograf Matthias Garschagen von der Ludwig-Maximilians-Universität München. Die Stadtplanung müsse sich auf den Klimawandel einstellen.

Wenn in der Eifel und anderen derzeit betroffenen Regionen die Katastrophenschäden aufgeräumt seien, „dann dürfen wir nicht auf die nächste Katastrophe warten“, mahnt Garschagen, „dann müssen wir da ran: Da kommen große Aufgaben auf uns zu.“ Die Kommunen müssten den Hochwasserschutz verstärken, Hausbesitzer besser vorsorgen, die Politik darüber diskutieren, wer die Kosten dafür trägt.

Erleben wir solche Extremwetterlagen nun öfter?

„Auch kleine Änderungen in der globalen Durchschnittstemperatur können große Auswirkungen hinsichtlich der Zunahme an extremen Wetterereignissen haben“, sagt Garschagen. Die Wahrscheinlichkeit von Starkregen oder Dürre steige also mit jedem weiteren Grad Temperaturanstieg überproportional stark an. „Die Frage ist: wie schnell schaffen wir es, damit umzugehen?“

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg schrieb auf Twitter: „Tödliche Hitzewellen, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände, Dürren, Ernteausfälle ... das ist nicht „das neue Normal“. Wir stehen ganz am Anfang eines klimatischen und ökologischen Notfalls, und Extremwetterereignisse werden nur immer häufiger werden.“

Mehr: Mehr als 100 Tote, mehr als 1000 Menschen werden vermisst – die Entwicklungen der Flutkatastrophe im Newsblog

  • jkl
  • dpa
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