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Hohe Strompreise 150 Euro Abwrackprämie für alte Kühlschränke

Alte Kühlschränke schlucken viel Strom, doch Arbeitslose und Sozialempfänger können sich keine neuen leisten. Nun will die Umweltministerin ihnen eine Abwrackprämie zahlen. Die Idee dockt an ein erfolgreiches Projekt an.
5 Kommentare
Bundesumweltminister Barbara Hendricks (SPD): „Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen.“ Quelle: dpa

Bundesumweltminister Barbara Hendricks (SPD): „Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen.“

(Foto: dpa)

Berlin Bisher saß der Umweltminister bei den Energie-Gipfeln neben Kanzlerin Angela Merkel auf dem Podium. Und durfte gewichtige Dinge zu Strompreis-Bremsversuchen verkünden. Die neue Ressortchefin Barbara Hendricks (SPD) ist außen vor, der ganze Energiebereich ist in das Wirtschaftsministerium abgewandert. Sie sitzt stattdessen am Mittwoch bei der Caritas. Während ein paar Stunden zuvor drüben im Kanzleramt ständig von der „Kostendynamik“ die Rede war, die man durchbrechen müsse, stellt Hendricks ein Programm vor, dass armen Haushalten im Kampf gegen hohe Strompreise eine reale Entlastung bringen soll.

„Die Lebensqualität der Menschen muss nicht leiden, wenn wir weniger Energie verbrauchen“, betont sie. Doch gerade Bürger mit wenig Geld können sich die stromsparenden Geräte meist nicht leisten. Große Stromfresser sind oft die Kühlschränke. Bis Ende 2015 soll daher nun der Austausch von 16.000 alten Kühlschränken mit jeweils 150 Euro für den Kauf eines neuen Geräts unterstützt werden. Die „Abwrackprämie“ richtet sich an Empfänger von Arbeitslosengeld II, Sozialhilfe oder Wohngeld und soll in 67 Städten und Kreisen angeboten werden.

Das neue Programm wird angedockt an die „Stromspar-Checks“ des Bundesverbands der Energie- und Klimaschutzagenturen (eaD) und des Deutschen Caritasverbands. Die Kühlschränke müssen älter als zehn Jahre sein. Zunächst wird der Verbrauch über 48 Stunden gemessen. Wenn errechnet wird, dass bei einem Austausch gegen ein Gerät der Effizienzklasse A+++ mindestens 200 Kilowattstunden im Jahr (rund 56 Euro Stromkosten) gespart werden können, wird ein Gutschein ausgehändigt. Das alte Gerät muss fachgerecht entsorgt werden. Wenn der Entsorgungsnachweis und die Rechnung für den neuen Kühlschrank eingereicht werden, werden schließlich die 150 Euro ausgezahlt.

Im Gegensatz zu mancher Ineffizienz bei der Energiewende scheinbar gut investiertes Geld. Seit 2008 hat das Bundesumweltministerium die „Stromspar-Checks“ mit rund 30 Millionen Euro gefördert. Wer dabei Stromsparhelfer in einkommensschwachen Haushalten begleitet, ist verblüfft, mit welch simplen Maßnahmen sich der Verbrauch drosseln lässt. Ein paar Sparlampen, abschaltbare Stecker, damit das alte Radio nicht unbemerkt Strom zieht und Wasserdurchlaufbegrenzer: Schon gehen die Kosten runter. Die Artikel werden kostenlos zur Verfügung gestellt. Die Stromsparhelfer sind meist selbst Langzeitarbeitslose, die nach einer Schulung so zu Botschaftern des Energiesparens werden.

125.000 Haushalte haben von den Stromspar-Checks profitiert

Inzwischen wurden laut Caritas so mehr als 125.000 Haushalte mit geringem Einkommen in rund 150 Städten und Kreisen entlastet. Im ersten Jahr könnten bei Strom, Heizen und Wasser durchschnittlich 90 Euro eingespart werden und langfristig rund 540 Euro. Schon Hendricks Vorgänger Peter Altmaier (CDU) hatte das Thema Stromsparen stärker in den Fokus gerückt, auch weil das Einsparziel von zehn Prozent weniger Stromverbrauch bis 2020 (im Vergleich zu 2008) klar verfehlt werden könnte. Er kündigte für 2013 an, zusätzlich 50 bis 100 Millionen Euro in die Hand zu nehmen. Die Zusage hielt er dann aber nicht ein.

Der Caritas-Verband kritisiert, dass ein arbeitsloser Single 2013 beim Hartz-IV-Regelsatz nur 32,82 Euro für Strom angerechnet bekommen habe, obwohl die Strompreise um 12 Prozent gestiegen seien. Ihm würden über neun Euro zur Deckung seiner realen Stromkosten fehlen. Es gibt kaum gesicherte Zahlen zu Stromsperren in Deutschland - aber gerade Einkommensschwache sind überproportional von Unwuchten der Energiewende betroffen, oft wird eine Umverteilung von unten nach oben kritisiert. Etwa weil jene Gruppe über die Stromrechnung und die darin enthaltene Ökostrom-Umlage die Renditen des Zahnarztes mitbezahlt, der sich eine Solaranlage auf das Dach geschraubt hat.

Umweltschützer fordern ein solches Austausch-Programm schon lange, weil weniger Energie auch weniger CO2 bedeutet. Die Verbraucherzentrale NRW verweist auf Berechnungen des Zentralverbands Elektrotechnik, wonach fast die Hälfte der etwa 60 Millionen Kühl- und Gefriergeräte in deutschen Haushalten mindestens zehn Jahre alt seien. Aber die Grünen-Umweltpolitikerin Bärbel Höhn betont auch, für ein A+++-Gerät müsse man meist über 600 Euro auf den Tresen legen. „Das könnte an der Realität von Hartz-IV-Empfängern vorbei gehen“, fürchtet Höhn.

  • dpa
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5 Kommentare zu "Hohe Strompreise: 150 Euro Abwrackprämie für alte Kühlschränke"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das ist die kommunistische Mangelwirtschaft. Erst erzeugen wir künstlich einen Mangel und danach wird dieser dann schön bürokratisch verwaltet.

    Der Fehler liegt ohnehin im System: Wenn man einem Hartz IV Empfänger nicht zutrauen kann, dass er in der Lage ist einen festen monatlichen Betrag an Stütze für alles (Miete, Strom, Lebensmittel, Winterkleidung) verwalten zu können, dann braucht dieser Mensch einen Vormund.

  • Das darf alles nicht wahr sein. Harz IV soll doch kein Dauerzustand sein. Da kenne ich aber einige Rentner, Studenten, Niedriglöhner usw. die sich einen Zuschuss zu altem Kühlschrank, alter Waschmaschine, altem Fernseher, altem Bügeleisen, altem Radio und warum nicht auch bald mal wieder zum alten Auto wünschen würden. Wo darf ich meine Bedarfsmeldung hinschicken???

  • "Alte Kühlschränke schlucken viel Strom, doch Arbeitslose und Sozialempfänger können sich keine neuen leisten. Nun will die Umweltministerin ihnen eine Abwrackprämie zahlen. Die Idee dockt an ein erfolgreiches Projekt an. "
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    Mir bleibt die Sprache weg, was nicht sehr oft geschieht.
    Als Student hatte ich oft weniger Geld als mancher Sozialhilfeempfänger. Habe ich mir etwa Kühlschrank, Herd und Waschmaschine *neu* gekauft? Nein! Ich habe in Kleinanzeigen geblättert und maximal 30 Mark (damals noch) für Altteile ausgegeben, die technisch noch o.k. waren und mir für viele Jahre den Dienst taten.
    Aber ich vergaß, für Hartzer ist ja das beste, neuste gerade gut genug.

    Merke: Wenn man knapp bei Kasse kauft man Gebrauchtes für kleines Geld und nicht Nagelneues!

    Nur mal zur Erinnerung: Die Umweltministerin studierte Geschichte und Sozialwissenschaften und promovierte über "Die Entwicklung der Margarineindustrie am unteren Niederrhein."
    http://de.wikipedia.org/wiki/Barbara_Hendricks_(Politikerin)#Ausbildung_und_Beruf

    Produktive Arbeit? Fehlanzeige! :-(

    (Liebe Reaktion, aus gemachten Erfahrungen weise ich darauf hin, daß Wikipedia eine Online Enzyklopädie ist und KEINE Werbung. Also nicht wieder übereifrig löschen!)
    Wie man in einem extraknappen Budget im Haushalt zurechtkommt, hat sie wohl nicht gelernt.


    PS.: Bei diesen extraeffektiven A+++ Kühlschränken ist bei gleichen Außenabmessungen (muß ja in genormte Küchenzeilen passen) der nutzbare Raum entschieden kleiner, weshalb wir heute noch lieber alte Geräte benutzen. Wenn man statt 2 auf einmal 3 Kühl- oder Gefrierschränke bräuchte, macht das natürlich ungeheuer Sinn. Soviel zum Thema Wirtschaftlichkeit.

  • Erst erzeugt der Staat einen ueberhoehten Preis, dann verkuendet er, dass man viel sparen kann.

  • Die Lobby der Kühlschrankhersteller hat ganze Arbeit geleistet!

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