Hoyerswerda Die Stadt der Alten

Der durchschnittliche Bürger von Hoyerswerda ist 50,5 Jahre alt. Mit diesem Mittel ist die Stadt in Ostsachsen ein Modell für die demografische Zukunft des Landes. Das zukünftige Deutschland, vor dem sich viele fürchten.
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Der Altersdurchschnitt von Hoyerswerda liegt bei 50,5 Jahren. Quelle: dpa

Der Altersdurchschnitt von Hoyerswerda liegt bei 50,5 Jahren.

(Foto: dpa)

HoyerswerdaWer noch in Hoyerswerda lebt und regelmäßig Zeitungen liest, hört viel über seine Stadt. Das meiste davon klingt wie eine letzte Aufforderung zur Flucht. Geisterstadt, Abrisszentrum, Ground Zero des Strukturwandels, Stadt der einstürzenden Neubauten.

Ein Team von RTL hat hier vor zwei Jahren einen Beitrag gedreht und ihn mit der Titelmelodie aus „Spiel mir das Lied vom Tod“ unterlegt. Andere beschreiben die Alterspyramide der Stadt als „Fliegenpilz“ oder „Vorschlaghammer“. Auch von Wölfen war bereits die Rede, die bald schon dort leben würden, wo heute noch Plattenhochhäuser stehen.

Hoyerswerda ist die am schnellsten schrumpfende Kommune Deutschlands. Seit 1990 hat sie mehr als die Hälfte ihrer Einwohner verloren und ist mittlerweile die älteste Stadt der Republik. Bagger fressen sich durch ihre Außenbezirke, ein Viertel der alten Stadtbebauung wird es bald nicht mehr geben.

Früher lebten 71 000 Menschen in Hoyerswerda, heute sind es noch 37 000. Morgens klingt diese Stadt wie jede andere Stadt dieser Größe: Die Bremsscheiben der Autos arbeiten, wenn sich die Autos vor den Ampeln zu Kolonnen stauen, und die Motoren heulen auf, wenn der Verkehr bei Grün päckchenweise über die Kreuzungen fließt.

Abends jedoch, nach Ende des Berufsverkehrs, wird es unwirklich ruhig. In der Neustadt kann man dann das Klacken der Ampelschaltungen hören und die eigenen Sohlen auf dem Asphalt. Hoyerswerda beschert seinen Besuchern eine Leerstelle im Ohr. Diese Stadt ist zu still, um jung zu sein.

Zur Wendezeit war Hoyerswerda eine der jüngsten Städte Deutschlands. Das Durchschnittsalter der Bevölkerung lag bei etwa 30 Jahren. Arbeit fanden viele im Gaskombinat Schwarze Pumpe. Die Plattenbausiedlung „Neustadt“ war die Schlafstädte für die Kohlearbeiter und ihre Familien. Anfang der 90er Jahre wurden mehr als 10 000 Mitarbeiter in Schwarze Pumpe entlassen. Viele Familien kehrten der Stadt den Rücken. Heute ist der durchschnittliche Bewohner Hoyerswerdas seit fast 50,5 Jahren auf der Welt, der Durchschnittsdeutsche seit 43,5 Jahren.

Hoyerswerda ist das Deutschland von morgen, vor dem Ökonomen und Politiker sich fürchten. Ein Ort, in dem relativ wenige junge Menschen für relativ viele alte Menschen arbeiten, sorgen, Geld verdienen müssen, in dem zehn erwerbstätige Deutsche im Jahr 2050 sechs Rentner finanzieren müssen – heute liegt das Verhältnis bei etwa zehn zu drei.

Schrumpfen nicht immer negativ
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9 Kommentare zu "Hoyerswerda: Die Stadt der Alten"

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  • Es ist ein absoluter Blödsinn nach über 10 Jahren immer wieder auf das eine, ja negative Ereignis, zurückzugreifen. Es gibt eine ganze Reihe wetdeutscher Städte, da sind derartige Ereignisse viel häufiger und kein Mensch regt sich da auf. Warum blicken wir nicht gemeinsam nach vorn ?
    "Der Weg zur Quelle führt gegen den Strom" - Francois Mauriac -

  • Der beste Umweltschutz ist der ,wenn die Menschen sich verabschieden. Nach Atomkraft wo wir Vorreiter sind, zeigen wir deutlich das nächste Ziel an. Das andere Kulturen da nicht mitmachen, ist bedauerlich. So wird eines Tager Berlin Byrlün heissen und der Kanzler/in
    Hakan oder Aische und Künast als ehemalige Berliner Bürgermeisterin sitzt im noblen Seniorenstift und nervt die Mitinsassen das auch neben der Abschaffung der Atomkraft die Verdünnung der Deutschen (Trittin) auch ihr
    Verdienst ist. In Hoyerswerda werden die Menschen in 100 Jahren nicht mal wissen, dass die Stadt mal Deutsch war.
    Also keine Aufregungen.

  • Gesund schrumpfen statt krank wachsen!

    Weniger Bevölkerung bedeutet: mehr Raum, saubere Luft, weniger Müll, weniger Energieverbrauch, mehr Natur durch Rückbau und zu guter letzt weniger Dummköpfe die permanent nach Wachstum schreien.

  • Als prosperierend Staat hast Du vor allem die Schweiz vergessen.

  • Fakt ist, dass der Name der Stadt Hoyerswerda noch immer aufgrund der fremdenfeindlichen Ereignisse belastet ist. Und das ist eben kein Umstand, der die Attraktivität der Stadt als Wohnort oder Ziel für Touristen erhöht.

  • Wessi,
    richtig, aber trotz Sozialleistungen war es auch in Solingen nicht zu verhindern. Mich würde mal interessieren wo alle dann hin ziehen, wenn demnächst die Sozialleistungen nicht reichen mehr reichen und nur noch der Tapetenkleister an den Wänden übrig bleibt, um einen Tag länger zu überleben.
    .

  • bevor Sie über Urteilen sollten Sie ersteinmal nach Ostdeutschland reisen.
    Wenn Sie dann Ihre Brille abnehmen würden, die Ihnen zur Zeit die Sicht verstellt, so werden Sie sehen, dass andere Wahrheiten gibt als die Ihre.
    Schöne Grüsse aus der Lausitz
    von einem Wessi der ganz gern hier lebt.

  • Lieber Wessi

    Die Leute die sich daran erinnern brauchen nicht da hinziehen, die würden nur den Altersdurchschnitt erhöhen.

    Die jungen Leute die die Stadt braucht haben andere Sorgen als den Blödsinn, den ihre Grosseltern angestellt haben.

  • Man darf nicht vergessen, dass vielen von uns noch die Bilder in Erinnerung sind, wie Nazis in Hoyerswerda, angestachelt durch eine Vielzahl vo ganz normalen Bürgern, die dort lebenden Ausländerquartiere angegriffen haben. Dass dort keiner freiwillig hinzieht, dürfte wohl klar sein. Das ist m.E. auch die Quittung für das damalige Fehlverhalten der Menschen dort.

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